Auf der Suche nach sich selbst

Ein Jahr im Ausland mit nur einem Rucksack. Ein Traum vieler junger Menschen. Doch was kann eine so lange Reise für euch bedeuten? Was für Erfahrungen kann man tatsächlich gewinnen?

Fremde Länder und Kulturen erforschen, die Wunder der Natur genießen und einfach hinaus in die bunte weite Welt ziehen, ist das Ziel der Langzeitreisenden. Doch eine so lange Zeit fernab von Zuhause bedeutet nicht nur Abenteuer. Verleitet euch die Fernsucht dazu, eure Taschen für eine so lange Zeit zu packen, werdet ihr lange auf euch alleine gestellt sein. Es wird nicht nur eine schöne, sondern auch eine harte Zeit werden.

Es wird auch schwere Zeiten geben

Dies kann schon in den ersten Tagen nach der Ankunft der Fall sein. Stichwort: Jetlag. Zudem müsst ihr euch an das neue Umfeld gewöhnen. Zahlreiche Eindrücke strömen auf einen ein. Es kann passieren, dass ihr erst nach einigen Wochen auch mental „richtig“ angekommen seid.

Jeden Tag lernen Langzeitreisenden neue, ganz unterschiedliche Leute kennen. Jeder bringt eine andere Geschichte mit. Und doch haben alle etwas gemeinsam: alle ziehen immer weiter. Das Abschied nehmen fällt oft schwer. Erst mit der Zeit gewöhnt man sich an den ständigen Ortswechsel und unverbindliche Begegnungen. Und mit der Zeit merkt ihr: Die Reise verändert euch.

Problembewältigung auch ohne Familie und Freunde

Man fängt an, Dinge aus ganz anderen Blickwinkeln zu sehen und merkt vielleicht, dass man an manchen vorherigen Prinzipien überhaupt nicht mehr festhalten möchte, und man wird viel weltoffener. Man lernt, sich Situationen zu stellen, in denen man sonst immer durch die Familie oder Freunde gestützt wurde. Wenn ein Plan mal nicht aufgeht, kann man an der „schlechten“ Erfahrung wachsen und daraus lernen, so dass sie eben auch eine „gute“ ist.

Eine Nacht im Hostel kann für den Reisenden, der kaum Geld hat, zum absoluten Luxus werden. Man gewöhnt sich daran, nur öffentliche Sanitäranlagen aufzusuchen und fast den ganzen Tag in der Natur zu verbringen. Man wird sparsamer und zugleich abgehärtet.

Auch wird eure Einstellung zu eurem Zuhause eine ganz neue. Ihr werdet es richtig zu schätzen lernen. Oft werden gewisse Dinge nicht mehr als selbstverständlich hingenommen.

Die Realität darf nicht vergessen werden

Auch die Natur ist mit atemberaubenden Landschaften, endlosen Weiten und exotischen Tieren beeindruckend. Viele fangen an, in ihrer eigenen Traumwelt zu leben, dürfen aber nicht vergessen, dass einen der Alltag irgendwann einholt. Es entsteht eine innere Zerrissenheit. Auf der einen Seite wird das eigene Zuhause schmerzlich vermisst, aber auf der anderen Seite habt ihr zugleich auch Angst davor, in ein Loch zu fallen, wenn einen die „Realität“ auf einmal wieder einholt und die Blase der Unbeschwertheit zerplatzt.

Zudem wird euch auf der Reise immer die Angst begleiten, was eure Freunde zu Hause sagen, wenn ihr zu vielen Dingen plötzlich eine ganz neue Einstellung habt. Und wieso ihr die Dinge nun anders seht, ist zu Hause nicht so einfach zu erklären.

Egal wie, mit wem und wohin man auch reist, die Lebenserfahrungen und Erinnerungen kann einem keiner nehmen und prägen für das ganze Leben. Manchmal ist der schnellste Weg zu sich selbst tatsächlich einmal um die Welt.