Auf dem großen diplomatischen Parkett

Der Hagener David Nawarth nimmt am National Model United Nations teil. In der UNO simulieren Studenten aus aller Welt den diplomtaischn betreieb. Zu sehen ist der 20-Jährige im UN-Saal in New York.
Der Hagener David Nawarth nimmt am National Model United Nations teil. In der UNO simulieren Studenten aus aller Welt den diplomtaischn betreieb. Zu sehen ist der 20-Jährige im UN-Saal in New York.
Foto: privat
Was wir bereits wissen
Er verhandelt dort, wo sonst nur die Großen dieser Welt miteinander streiten. David Nawrath (20) aus Hagen ist gerade bei der UNO in New York.

Hagen/New York.. Er ist dort, wo sonst Diplomaten, Minister und Staatschefs aus aller Welt verhandeln. Und erwartet wird von ihm einiges an diplomatischem Geschick. Der Hagener David Nawrath (20) nimmt an einem ganz besonderen studentischen Projekt teil. Der Hildegardis-Abiturient, der an der Ludwig-Maximilans-Universität München studiert, engagiert sich bei dem Projekt „National Model United Nations“ (NMUN). Es ist die größte und professionellste Simulation der Vereinten Nationen.

Sie findet seit 1946 jährlich in der Karwoche in New York in enger Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen statt. Mehr als 5000 ausgewählte Studenten zahlreicher großer amerikanischer und kanadischer, aber auch europäischer, asiatischer und afrikanischer Universitäten nehmen hieran teil.

Seit 1987 schickt die Universität München eine Delegation zum NMUN nach New York. Nawrath ist diesmal mit dabei. Besonders interessant: Die Münchener Universität wird in diesem Jahr Weißrussland vertreten. „Da der Staat oft in der Kritik steht und direkt in die Ukraine-Krise involviert ist, erwartet uns dieses Jahr ein diplomatischer Balanceakt“, sagt der Hagener.

Wir haben ihn zu seinen New-York-Abenteuer befragt:

Wie kommt es, dass Sie bei dem Projekt mitmachen?

David Nawrath: Ich studiere Wirtschaftswissenschaften in München. Eines Tages wurde in einer meiner Vorlesungen das Projekt vorgestellt, da auch fachfremde Studenten die Chance haben sollten, bei dem Projekt mitzumachen. Ich hatte dann großes Interesse daran und musste, um die Chance nach New York zu kommen, einige Tests absolvieren.

Warum interessieren Sie sich gerade für die UNO, obwohl Sie doch eigentlich Wirtschaftswissenschaften studieren?

Nawrath: Mein Herz schlägt eigentlich mehr für die Politik. Vor allem die UNO finde ich sehr interessant.

Wie wird man ausgewählt?

Nawrath: Der erste Teil war ein Test über politische Themen und Allgemeinwissen. 119 Studenten nahmen an dem Test teil. Danach folgten zwei Aufsätze, zwei weitere Tests und ein persönliches Gespräch, in dem ich unter anderem beschreiben sollte, was meine Motive sind, bei dem Projekt mitmachen zu wollen.

Die LMU übernimmt die Reisekosten nach New York

Wo genau findet die Simulation statt?

Nawrath: Im UNO-Headquarter (Hauptquartier) in New York. Also wirklich da, wo die echte Versammlung sonst auch stattfindet. Ich bin also hautnah und live dabei.

Wird die Reise von der Uni in München bezahlt?

Nawrath: Ja, die Uni übernimmt tatsächlich alle Kosten.

Wofür bekommt man die Auszeichnungen?

Nawrath: Man wird für verschiedene Aufgaben bewertet. Zum Beispiel für die Ausarbeitung eines „Position Papers“. Dabei ist es wichtig, dass man sich in das einem zugeteilten Land hineinversetzt und überlegt, wie das jeweilige Land bei bestimmten Problemstellungen reagieren würde, bzw. welcher Meinung es wäre. Daraus erarbeitet man dann eine Lösung oder ein neues Gesetz zu dem gegebenen Problem.

Gehen die Auszeichnungen an alle Studenten einer Gruppe oder an einzelne Personen?

Nawrath: Ja, an die ganze Gruppe, die ein Land vertritt. In besonderen Fällen gehen die Preise bzw. Auszeichnungen auch an Einzelpersonen.

Wie kommt es, dass Sie Weißrussland vertreten?

Nawrath: Das wurde ausgelost. Weißrussland ist aber relativ schwer zu vertreten. Man muss sich ja immer genau in die Rolle versetzen und überlegen, was wohl Weißrussland über die verschiedenen Situationen denken würde. Da passen viele Gedanken, die wir uns hier machen würden, einfach nicht.

Viele wissen gar nicht, was die UNO macht

Was erhoffen Sie sich von dem Projekt?

Nawrath: Ich hoffe, dass sich mein Horizont erweitert. Ich möchte mehr über die Politik erfahren und sehen, wie man richtig verhandelt, um ein Gesetz oder auch eine Meinung durchzubringen. Und ich werde danach hoffentlich besser verstehen, was ein Diplomat genau macht. Was ich dort miterlebe, kann kein Praktikum leisten.

Denken Sie, dass die Menschen ­wissen, was die UNO-Vollversammlung genau ist?

Nawrath: Ganz klar nein. Es ist erschreckend, dass die Menschen so wenig darüber wissen, obwohl die UNO tagtäglich in den Medien ist. Keiner weiß, was die UNO macht, selbst Studenten nicht. Ich denke, das Vorurteil, dass Menschen ein mangelndes Interesse an Politik haben, hat sich in diesem Falle bewahrheitet.

Was haben Sie nach dem Studium vor?

Nawrath: Ich würde ganz gerne in die Unternehmensberatung, zum Auswärtigen Amt oder Diplomat oder Botschafter werden. Ich lasse es auf mich zukommen.