Astronaut Ewald war in der Mir - Vortrag an der FH Hagen

Dr. Reinhold Ewald sprach vor interessierten Zuhörern an der Fachhochschule Hagen.
Dr. Reinhold Ewald sprach vor interessierten Zuhörern an der Fachhochschule Hagen.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Ein Astronaut in Hagen: Reinhold Ewald (58), berichtete in der Fachhochschule Südwestfalen von seinem dreiwöchigen Aufenthalt in der Raumstation Mir.

Hagen.. Elf Astronauten – eine komplette Fußballmannschaft – aus Deutschland ist inzwischen im Weltall gewesen. Die Nummer 9 dieses Teams, der Physiker und Mediziner Reinhold Ewald (58), berichtete am Montagabend in der Fachhochschule Südwestfalen von seinem dreiwöchigen Aufenthalt in der Raumstation Mir, der sich zeitweise zu einem ungeahnten Drama entwickelte.

Beinahe-Unglück machte gelassener

Die meisten von uns haben die 18 Jahre alten Nachrichten von dem Feuer im Orbit sicherlich schon vergessen, Katastrophen mit tragischerem Ausgang haben sie längst verdrängt. Reinhold Ewald kann sich naturgemäß noch sehr gut an jenes Beinahe-Unglück, das ihn am 23. Februar 1997 fast das Leben gekostet hätte, erinnern: „Wir haben schon überlegt, die Station mit Rettungsraumschiffen zu verlassen.“ Ob das geklappt hätte, ist fraglich genug, auf jeden Fall wäre es das Ende der Mir gewesen. Stattdessen zogen die entschlossenen Raumfahrer (Ewald war zusammen mit zwei russischen Astronauten an Bord) Sauerstoffmasken über, setzten die Luftreinigungsanlage in Betrieb und warteten kaltblütig ab – 24 Stunden später war der giftige Rauch endgültig beseitigt.

Raumfahrt Der besonnene Ewald schilderte den Vorfall im Rahmen der Hagener Hochschulgespräche vor mehreren hundert Zuschauern wie eine nüchterne Episode. Vielleicht muss man auf so positive Weise abgebrüht sein wie der gebürtige Mönchengladbacher, um den anspruchsvollen Ausleseprozess für einen Flug ins Weltall zu überstehen. „Was Gefahren angeht, bin ich gelassener geworden“, bilanzierte Ewald: „Und ich denke globaler.“

Werbung für Raumfahrt – Dr. Ewald arbeitet für die ESA

Obgleich wir die Raumfahrt heutzutage als Alltagsroutine konsumierten, seien Vorstöße in den Weltraum nach wie vor eng verknüpft mit Pioniertaten und Nationen, die eine Can-do-Mentalität auszeichne, so Ewald, der für die Europäische Raumfahrtagentur ESA in Paris tätig ist und als eine Art Public-Relations-Manager für die bemannte Raumfahrt wirbt: „Ich hoffe, dass ich es noch erleben darf, wenn die ersten Menschen den Mars betreten.“

Die Raumstation ISS, die die Mir inzwischen abgelöst hat, sei das einzige noch funktionierende internationale Großprojekt, unterstrich er den Völker verbindenden Charakter einer Technologie, die Science-Fiction-Träume hat wahr werden lassen. Das Risiko, dass man als Astronaut ums Leben kommen könne, müsse man eingehen: „Mir war es dieses Risiko wert.“

ISS bewohnte Kolonie im Weltall

Seinen Zuhörern empfahl der dreifache Familienvater, in einer klaren Nacht einmal den Blick zum Himmel zu erheben. Von Hagen aus könne man sehr gut jenen hellen Punkt ausmachen, der in schöner Regelmäßigkeit und in gut 400 Kilometern Höhe von West nach Ost über das Firmament ziehe: die ISS. „In diesem hellen Punkt leben und arbeiten Menschen“, erklärt Ewald: „Es handelt sich um eine bewohnte Kolonie von uns Menschen im All.“

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