ARD-Tatort mit Laptop auf dem Schoß

Nicht nur aufgrund seines Lebensalters gilt Rolf Klinkert als erfahrenen Polit-Kenner und -Könner. Mit seinen 72 Jahren ist der Alterspräsident des Hagener Rates, der nach 34 Jahren Sozialdemokratie einst dem Hasper Genossen-Filz den Rücken kehrte und heute für die Wählergemeinschaft Hagen Aktiv im Rat das Wort führt, in so manchen politischen Clinch gezogen. „Für mich ein Stück bürgerschaftliche Verpflichtung“, gehört dieses Engagement zu seinem gesellschaftlichen Selbstverständnis. „Aber es soll niemand glauben, damit viel Geld verdienen zu können.“ Exakt 7448 Euro Aufwandsentschädigung überweist ihm die Stadt für seine Rats- und Ausschusstätigkeit – im Jahr. Ein Fünftel führt er direkt an Hagen Aktiv ab. „Und das ist reichlich Arbeit, wenn man es seriös machen will.“

Bis zu 1000 Seiten Lektüre

Etwa 20 Stunden pro Woche opfert der Rentner vom Spielbrink seinem lokalpolitischen Einsatz. Die meiste Zeit verwendet der gelernte Diplom-Verwaltungswirt aus Hamm, der 1978 den Weg zur Studienberatung der Hagener Fernuni fand, dabei auf die zeitraubende Lektüre der oft umfangreichen Verwaltungsvorlagen. „Zu den alle 14 Tage montags stattfindenden Fraktionssitzungen sind Unterlagen im Volumen von mehr als 1000 Seiten keine Seltenheit“, erinnert Klinkert daran, dass die Mitglieder der kleineren Fraktionen eher als Generalisten unterwegs sind. In den großen Parteien könnten hingegen die Spezialisten sich weitaus gezielter präparieren.

„Von Donnerstag bis Sonntag studiere ich die Unterlagen – die wichtigen Dinge immer zuerst, aber eigentlich lese ich alles. Da verfolgt man den sonntäglichen Tatort auch schon mal bloß mit einem Auge und Ohr und mit dem Laptop auf dem Schoß.“ Klinkert legt Wert darauf, nicht zu jenen Mandatsträgern zu gehören, die erst zu Beginn einer Sitzung den Umschlag mit den Vorlagen aufreißen.

Aber die Rolle als ehrenamtlicher Politiker einer Wählergemeinschaft greift noch weiter: Mailverkehr, Internet-Recherchen, wöchentliche Bürgersprechstunde und natürlich Gespräche im Hasper Umfeld. „Teil der Rolle ist auch, dass Leute an der Haustür klingeln und mir ihre Themen vortragen. Man wird eben wahrgenommen als jemand, an den man sich wenden kann.“

Dass es seine letzte Legislaturperiode sein wird, steht für Klinkert außer Frage: „Als Rentner kann ich mir natürlich die Zeit nehmen. Aber ich bewundere all jene, die parallel noch berufstätig sind“, freut er sich auf jene Zeit, in der sein Terminkalender wieder größere Lücken für Haus und Familie lässt.