Arbeiter stürzt 20 Meter in die Tiefe

Mitarbeiter von Kripo, Baufirmen und Arbeitsschutz begutachten die Unglücksstelle.
Mitarbeiter von Kripo, Baufirmen und Arbeitsschutz begutachten die Unglücksstelle.
Foto: WP Michael Kleinrensing
Was wir bereits wissen
Nach einem Sturz aus 20 Metern Höhe musste ein 61 Jahre alter Schweißer schwer verletzt in eine Dortmunder Spezialklinik geflogen werden. Das Unglück ereignete sich an der Lennetalbrücke der Autobahn 45.

Hagen.. Sturmtief Niklas sorgte in Hagen für erhebliche Turbulenzen. Polizei und Feuerwehr waren pausenlos im Einsatz, um auf Straßen und Bürgersteige gewehte Bretter, Plakatwände, Äste oder Absperrzäune zu beseitigen. In vielen Fällen wirbelten die Orkanböen Dachziegel durch die Luft.

Nach einem Sturz aus 20 Metern Höhe musste ein 61 Jahre alter Schweißer schwer verletzt in eine Dortmunder Spezialklinik geflogen werden. Das Unglück ereignete sich an der Lennetalbrücke der Autobahn 45, an der wegen des Unwetters gestern eigentlich alle Arbeiten eingestellt worden waren. Doch der Bauarbeiter hatte einen der Klettertürme des riesigen Gerüstes entlang der Brücke bestiegen, um einige Planen, die auf die Autobahn zu fliegen drohten, zu ­sichern. Als er gerade mit Schweißarbeiten beschäftigt war, löste sich das Gerüst aufgrund von Sturmböen aus der Verankerung und riss den Mann mit in die Tiefe. Wie Arno Higney, Bauleiter der Firma Hochtief, berichtete, sei der Arbeiter zunächst auf eine Stromleitung geprallt, die den Sturz abgefangen habe, und erst dann auf dem Schotterbett der Baustelle aufgeschlagen. Er zog sich u.a. mehrere Frakturen zu und wurde mit einem ­Rettungshubschrauber nach Dortmund gebracht, wo die Ärzte eine Notoperation einleiteten.

Suche nach technischen Mängeln

Sein 33-jähriger Kollege, der sich auf einer hölzernen Plattform befand und den das zusammenstürzende Gerüst an der Schulter traf, musste per Rettungswagen in eine Hagener Klinik gebracht werden. „Wir fühlen mit den Verletzten mit, das ist eine schlimme Sache“, zeigte sich Michael Neumann, für die Brückenrenovierung zuständiger Projektleiter des Landesbetriebs Straßen NRW, bewegt. Mitarbeiter der Kriminalpolizei und des Arbeitsschutzes der Bezirksregierung nahmen die Ermittlungen an der Unglücksstelle auf und forschten nach etwaigen technischen Mängeln. Sie wollen vor allem feststellen, ob das Gerüst allein durch die Böen umstürzte oder nicht ordnungsgemäß aufgebaut war.

Müllabfuhr mit Hindernissen

Auch die Mitarbeiter des Hagener Entsorgungsbetriebs (HEB) hatten mit den Wetterunbilden zu kämpfen. So konnten die Depotcontainer für Altpapier und Altglas sowie die Unterflursysteme, die es mittlerweile an 60 Standorten im Stadtgebiet gibt, gestern nicht geleert werden. „Das wäre viel zu gefährlich“, erläuterte HEB-Sprecherin Jacqueline Jagusch. Die Container, die zur Leerung per Kran emporgehievt werden, hätten durch den Sturm in unkontrollierbare Schwingungen versetzt werden können.

Dass es sich dabei um keine ab­strakte Gefahr handelte, ließ sich an den vielen Mülltonnen erkennen, die in Boele, wo gestern Leerungstag war, vom Wind umgeworfen oder über die Straßen geschoben wurden. Dies sei für den Verkehr nicht ungefährlich, so Frau Jagusch. Obwohl heute mit weiteren Böen zu rechnen ist, soll in Hohenlimburg der reguläre Leerungsrhythmus fortgesetzt werden.

Auch die Hagener Feuerwehr eilte von einem Einsatz zum nächsten. Zunächst wurden die Rettungskräfte zu dem umgestürzten Laster, der die Sauerlandlinie zwischen den Anschlussstellen Hagen-Süd und Lüdenscheid-Nord blockierte, gerufen (lesen Sie unseren Bericht im Mantelteil). Doch am Mittag begann der Stress erst richtig, allein zwischen 12 und 15 Uhr musste die Feuerwehr 30 Mal ausrücken. Vor allem umgestürzte Bäume – u.a. an Hünenpforte, Bonsmannstraße, Ostfeld, Lange Straße und am Bollwerk in Dahl – sorgten für reichlich Arbeit.