„Arbeit ist mein Leben und meine Freizeit“

Hagen..  Sie streicht dem braunen Pferd behutsam mit der Hand über den Rücken und atmet tief ein. Der Sattel, den Sara Bernhagen (32) vorher in ihrer Werkstatt bearbeitet hat, soll nun perfekt passen. Sie legt ihn auf, begutachtet ihn in allen Positionen. Und tatsächlich: Die braune Stute steht entspannt und mit gespitzten Ohren in der Stallgasse. Sara Bernhagen, die ihre Werkstatt im Fleyerviertel hat, ist Sattlerin. Ein seltener Beruf – und ein Traumjob für die 33-jährige Hagenerin.

Sie geht auf darin, wenn sie der Kundin erklärt, was an dem Sattel verändert wurde und wie sich diese Veränderungen auf das Pferd auswirken. „Dadurch, dass das Pferd lange nicht geritten wurde, muss es erst wieder richtig Muskeln im Rücken aufbauen. Mit richtigem Training und Sattel sollte das klappen.“

Der Weg in diesen Traumberuf war aber alles andere als einfach. Sie wollte in einem Job arbeiten, der ihr Spaß macht, bei dem sie nicht nur die Stunden zählt, bis der Feierabend beginnt. „Mein Ziel war es, mit den Tieren zusammenzuarbeiten und viel unterwegs zu sein.“ In der Ausbildung jedoch war dieses Ziel noch in weiter Ferne. Sie arbeitete nur in der Werkstatt – Sättel nähen, stopfen und Leder schneiden, bis die Finger brannten. Wirklich am Pferd und mit den Kunden arbeitete die Hagenerin erst danach.

Harter Weg in die Selbstständigkeit

Mit nur 1000 Euro Kapital und ohne kaufmännische Kenntnisse begann danach Saras Weg in die Selbstständigkeit. „Es war hart, jedoch hat mich der Job so sehr inspiriert, dass auch schwierige Situationen zu packen sind.“

Ihr Arbeitsumfeld ist für sie eine Wohlfühlumgebung. Die alltäglichen Gerüche von Pferd und Stall lassen Kindheitserinnerungen wach werden. „Die Gerüche in meinem Job sind toll – sie erinnern mich an meine ersten Longenstunden, als ich fünf Jahre alt war. Diese Gerüche verfolgen mich mein ganzes Leben. Ich fühle mich dann einfach wohl“, lächelt sie.

Vorurteile stacheln den Ehrgeiz an

Als selbstständige Sattlermeisterin kann sie sich jetzt ihre Zeit frei einteilen. Die Werkstattarbeit abzugeben, kam für sie jedoch nicht in Frage. „Mein Ziel war, die Werkstattarbeit beizubehalten, aber auch den Kontakt mit Mensch und Pferd zu optimieren – vielen verschiedenen Leuten und Pferden zu begegnen“.

Neben der harten Arbeit hatte die junge blonde Frau oft mit Vorurteilen zu kämpfen. „Das hätte ich jetzt nicht erwartet“, entgegneten ihr die meisten der neuen Kunden, sagt Sara Bernhagen und lacht. „Ich konnte es nicht mehr hören. Bitte endlich eine andere Schallplatte, dachte ich mir dann immer. Ich bin keine Barbie, die sich nicht die Fingernägel schmutzig machen möchte.“ Inzwischen führen die Vorurteile jedoch dazu, dass sie erst recht perfekt arbeiten will.

Ihr Kalender ist inzwischen voll mit Terminen. Selbst an Feiertagen und Sonntagen keine weißen Seiten. „Dass man den Zeitplan einhält, ist super schwierig. Es sind mindestens 15 bis 20 Kunden am Tag, die natürlich auch ihren Tagesablauf haben und die nicht ewig auf einen warten können.“ Weite Strecken wie zum Beispiel nach Köln fährt sie an Sonntagen. „Solche Strecken kann ich selten zwischen die täglichen Termine legen, da die Fahrt sehr lange dauert.“

Geregelte Arbeitszeiten und viel Freizeit gibt es bei Sara nicht. Sie hat dafür aber die Chance, Arbeit und Lieblingsbeschäftigung miteinander zu verbinden. „Ich wollte einen Job, der mir Spaß macht. Das Leben ist zu kurz, um jeden Tag etwas zu tun, was keinen Spaß macht. Für mich gibt es keinen Sonntag und keinen Montag. Das ist alles gleich. Arbeit ist mein Leben und meine Freizeit.“

Auswahl von 120 Markensätteln

Die harte Arbeit hat sich inzwischen bezahlt gemacht. Sara arbeitet oft von 8 bis 22 Uhr und fährt dabei ihren großen Kundenstamm im ganzen Ruhrgebiet ab.

Das bedeutet auch, dass sie eine bestimmte Anzahl an verschiedenen Sätteln zum Probieren im Bestand haben muss. Inzwischen sind es etwa 120 Markensättel für Dressur-, Spring- und Vielseitigkeitsreiten, die jeweils mehrere Tausend Euro kosten.

Und was ist das Härteste an ihrem Beruf? Nein, es sind nicht die Verletzungen wie gebrochene Zehen, Schnittwunden und getackerte Bisswunden im Gesicht. „Das Autofahren ist das Härteste“, ist sich Sara Bernhagen sicher. Eine Barbie hätte sicherlich etwas anderes geantwortet.