An einer Ampel in Pistole geblickt

Lucia Arends (erste Reihe, rechts neben der Deutschlandfahne) befinet sich auf einem einjährigen Schüleraustausch in Peru.
Lucia Arends (erste Reihe, rechts neben der Deutschlandfahne) befinet sich auf einem einjährigen Schüleraustausch in Peru.
Foto: WP

Hohenlimburg..  Eigentlich wollte Lucia Arends (16) nach Venezuela reisen. Auf Grund der politischen Unruhen dort, war es jedoch zu gefährlich. Deshalb steuerte die Hohenlimburgerin ein neues Ziel an. Im Rahmen eines Schüleraustauschs lebt sie für ein Jahr in Lima (Peru). Die Lücke, die sie in ihrer Familie hinterlässt, wurde schnell geschlossen. Denn im Gegenzug gastiert der 18-jährige Ecuadorianer Mateo Oswaldo Alvear Dominguez bei Familie Arends im Wesselbachtal.

Frage: Was ist das für ein Gefühl, wenn man in der Familie durch eine fremde Person ersetzt wird?

Lucia Arends: Am Anfang war ich etwas traurig, weil meine Schwestern sich total darauf gefreut hatten, dass ich gehe und sie einen Bruder bekommen. Aber inzwischen ist es okay für mich, weil ich weiß, dass sie mich sehr vermissen.

Wie verliefen die ersten Tage in der neuen Heimat?

Der Flug nach Peru war der erste meines Lebens. Das war schon eine extreme Erfahrung. Die ersten Tage verliefen etwas komisch, weil ich quasi nichts verstanden habe. Probleme oder Heimweh hatte ich zu Beginn nicht. Das kam erst später, weil ich Schwierigkeiten mit meiner Gastfamilie hatte.

Wie gestaltet sich dein Tagesablauf?

Ich mache hier eigentlich genau das gleiche, wie in Deutschland. Bis Weihnachten bin ich zur Schule gegangen. Täglich von acht Uhr bis 15 Uhr. Meistens bin ich danach mit meinen peruanischen Freunden an unterschiedliche Orte gefahren, oder wir sind zum Strand gegangen, weil dieser von meiner Gastfamilie nur fünf Minuten entfernt lag. Jetzt besuche ich eine Universität für Gastronomie und habe täglich Kurse wie Backen, Kochen oder Barkeepern.

Welche Erfahrungen hast du in Peru gemacht?

Meine bisherige Zeit war unglaublich vielseitig. Ich habe mit anderen Austauschschülern viele Reisen unternommen und war unter anderem am Machu Picchu. Diesen Berg sollte man unbedingt einmal in seinem Leben gesehen haben. Wir waren im Norden und im Süden, waren in Ecuador und auch im Regenwald, wo wir Piranhas geangelt, Faultiere beobachtet und rosa Flussdelfine gesucht haben. Vor kurzem waren wir im Amazonasgebiet. Dort haben wir ein Projekt unterstützt, wofür wir zuvor Geld gesammelt haben.

Wie sieht der Alltag in Peru aus?
Der Alltag ist eine unglaubliche Erfahrung. Ich bin auf eine Militärschule gegangen. Die Schuluniform bestand aus einem Faltenrock, einer Bluse, Kniestrümpfen und schwarzen Lackschuhen. Ich habe insgesamt drei Gastfamilien in Lima und eine Cusco gehabt. Mit meinen ersten beiden Gastfamilien habe ich Probleme gehabt, die man einfach nicht lösen konnte. Die beiden anderen Familien waren wirklich toll, und ich fühlte und fühle mich dort zuhause.

Welche Vorkenntnisse hattest du? Als ich im Juli nach Peru kam, konnte ich kein Spanisch. Das habe ich nachgeholt, so dass ich sogar die Universität besuchen darf.


Gab es gefährliche Situationen?
Oh, ja. Vor zwei Wochen bin ich im Auto meines Gastbruders beraubt worden. An einer Ampel beugte sich ein Mann mit Pistole ins Auto und verlangte die Herausgabe meines Handys. Ich fühle mich nun nicht mehr ganz so sicher wie zuvor. Allerdings muss man einfach vorsichtig sein und in solchen Situationen keinen Widerstand leisten.

Was planst du für die Zukunft?

Ich möchte zunächst mein Abitur machen. Dann möchte ich nach Peru zurückkehren, aber auch viele Länder und viele Sprachen kennen lernen. Das Amazonasgebiet hat mich fasziniert. Es wäre schön, wenn ich mehr über die Kulturen der Eingeborenen lernen würde, weil diese immer mehr verschwinden. Dazu zählen auch ihre Bräuche und die Urwald-Medizin. Wir haben gelernt, wie man giftige Pflanzen von essbaren und von halluzinogenen unterscheiden kann. Man hat uns gezeigt, wie sich die Menschen helfen, wenn sie Gelbfieber oder Malaria haben. Das Blut von einem bestimmten kleinen Affen wird mit einem Blatt vermischt. Diese Mixtur heilt die Krankheit. Auch ein Mittel gegen Krebs haben die Ureinwohner. Ich möchte mich deshalb dafür einsetzen, dass der Regenwald geschützt wird.