Das aktuelle Wetter Hagen 29°C
Reiserecht

Reiserücktrittsversicherung zahlt nicht bei Beinamputation

18.02.2013 | 20:00 Uhr
Reiserücktrittsversicherung zahlt nicht bei Beinamputation
Der Hagener Horst Winter – hier mit seiner Ehefrau Gerda im St. Johannes Hospital Dortmund – kämpft nach einer Beinamputation mit seiner Versicherung um die Erstattung von Reisekosten. Foto: Michael Kleinrensing

Hagen-Halden.   Ein Rentnerpaar wollte im letzten Jahr Urlaub auf Lanzarote machen. Doch zwölf Tage vor Reisebeginn musste der Mann ins Krankenhaus: ihm wurde das Bein abgenommen. Damit hätte die Reiserücktrittsversicherung greifen müssen. Doch die Versicherung verweigert die Zahlung. Nun entscheidet das Gericht.

Es gibt ein geläufiges Vorurteil: Versicherungen drücken sich vor einer Zahlung, wo sie nur können. Im Fall von Horst Winter (64) aus Halden hat es die „Zurich Insurance“ (Köln) allerdings auf die Spitze getrieben: Eine Beinamputation berechtige nicht zum Reiserücktritt.

Das Rentnerpaar Horst und Gerda (69) Winter aus dem Lennetal hatte sich so sehr auf diesen Urlaub gefreut. Drei sonnige Wochen im Mai 2012 sollten es werden, auf der kanarischen Insel Lanzarote , die um diese Jahreszeit schon angenehme 24 Grad warm ist. Bereits im November wurde die Reise gebucht und bezahlt. Hin- und Rückflug mit Air-Berlin, sowie 21 Übernachtungen im Wohlfühl-Hotel „Seaside“ – zum Gesamtpreis von 4441,96 Euro (für zwei Personen). Reiserücktrittsversicherung inklusive.

Nekrose als grauenhafter Befund

Doch dann, zwölf Tage vor Reisebeginn, konnte Horst Winter mit seinem rechten Bein plötzlich nicht mehr auftreten. Im Bereich der Zehen und der Ferse spürte er starke Schmerzen. Der 64-Jährige ging sofort zum Arzt und wurde direkt ins Krankenhaus überwiesen. „Nekrose“ lautete der wahrlich unerfreuliche Befund, denn darunter verstehen Mediziner das Absterben von Gliedern. „In seinem Zustand darf der Patient ein Flugzeug nicht betreten“, attestierten die Ärzte im Dortmunder St.-Johannes-Hospital und nahmen Horst Winter stationär auf. Das rechte Bein musste ihm abgenommen werden.

Damit hatte sich die geplante Lanzarote-Reise erledigt und der nicht angetretene Urlaub wurde zu einem Fall für die Reiserücktrittsversicherung. Nachdem sowohl TUI als auch Air-Berlin ihren vertraglich verpflichteten Anteil vom Reisepreis rückerstattet haben, sind noch 2891,96 Euro offen. Doch die „Zurich Insurance“ – führender Versicherungskonzern der Schweiz und mit rund 60.000 Mitarbeitern in 170 Ländern vertreten – verweigert hartnäckig die Zahlung.

Winter hätte „Amputation voraussehen müssen“

Unglaubliche Begründung: Bereits zwei Jahre zuvor, im Juni 2010, hatte sich Horst Winter einer Bypass-Operation am linken Bein unterziehen müssen. Deshalb hätte er die Amputation seines rechten Beines „voraussehen müssen“ und hätte „eine derartige Reise gar nicht erst buchen dürfen“.

„Eine Unverschämtheit“, findet die taffe Rechtsanwältin Christiane Schramm, „und unglaublich kaltschnäuzig, wie man sich hier trickreich vor der Zahlung drücken will.“ Sie hat die Reiserücktritts-Versicherung vor dem Amtsgericht auf Zahlung verklagt (Az. 140 C 30/13). „Horst Winter war nach der ersten Operation 2010 wieder völlig beschwerdefrei, danach sogar noch zweimal auf Lanzarote, in Berlin und im Westerwald.“

Anwältin Schramm fragt sich außerdem: „Was hat das linke Bein mit dem rechten Bein zu tun?“

Richter Uwe Fels hat bereits angekündigt, ein medizinisches Gutachten einholen zu wollen. Für die „Zurich Insurance“ wird der Fall dann wohl richtig teuer. Gerda Winter greift ihren Mann an den Arm: „Seit zehn Monaten liegt mein Horst schon im Krankenhaus und dazu noch der Ärger mit der Versicherung. Das ist herzlos.“

Helmut Ullrich

Kommentare
24.02.2013
13:04
Prozess abwarten
von Zecke | #14

Vielleicht sollte die WAZ erst nach Klärung aller Fakten solche Artikel veröffentlichen.

1 Antwort
Reiserücktrittsversicherung zahlt nicht bei Beinamputation
von honigclown | #14-1

Die WAZ wird Deine neunmal-klugen Ratschläge GARANTIERT berücksichtigen!
Wow, was bist Du heute wieder wichtig, Mann. Wow!

Funktionen
Aus dem Ressort
Starb 23-Jährige, weil Beifahrer ins Lenkrad griff?
Prozess
Musste eine 23-Jährige auf der Autobahn A 1 sterben weil der Beifahrer ins Lenkrad gegriffen hatte? Die Frage muss das Amtsgericht Hagen klären.
Aus für Gymnasium türkischer Prägung
Schullandschaft
Aus dem Gymnasium türkischer Prägung an der B 7 in Wehringhausen wird nichts. Die Firma Hwaker will ihr Gebäude nicht an den Trägerverein Prisma...
Loc­ker, leicht und frech
Muschelsalat
Der Auftakt zum Muschelsalat 2015 hätte nicht ungetrübter und sommerlich-leichter daher kommen können. Mehr als 2000 Besucher kamen in den Hameckepark...
Feuerwehr nutzt abhörsicheren Digitalfunk
Leitstelle
Die Hagener Berufsfeuerwehr hat in duieser Woche ein neues Einsatzleitsystem namens „Command“ in Betrieb genommen.
Glörsee-Jugendherberge Option für Flüchtlingsunterkunft
Soziales
Die Jugendherberge an der Glörtalsperre könnte ab Oktober vorübergehend zur Flüchtlingsunterkunft werden. Das hat die Bezirksregierung der Stadt...
Fotos und Videos
Begegnungen, die unter die Haut gehen
Bildgalerie
Flüchtlinge
Kanuslalom in Hohenlimburg
Bildgalerie
Fotos
136. Kirmeszug in Hagen-Haspe
Bildgalerie
Hasper Kirmes
Mittelaltermarkt in Hohenlimburg
Bildgalerie
Heerlager
article
7634062
Reiserücktrittsversicherung zahlt nicht bei Beinamputation
Reiserücktrittsversicherung zahlt nicht bei Beinamputation
$description$
http://www.derwesten.de/staedte/hagen/amputation-kein-grund-fuer-reiseruecktritt-id7634062.html
2013-02-18 20:00
Hagen, Zurich Insurance, Reiserücktritts-Versicherung , Reiserücktritt, Horst Winter, Christiane Schramm, Amputation, Bein,
Hagen