Am Phoenix-See reift der Wein

Dortmund..  Der Strukturwandel in Dortmund passt in 70 Glasflaschen. Er schmeckt fruchtig. Und hat zehn Prozent Alkohol. Oberbürgermeister Ullrich Sierau war am gestrigen Freitag der erste – nach den Herstellern –, der einen Schluck dieses Weins vom Phoenix-See probieren durfte.

Noch nicht marktfähig

2012 pflanzte der Abwasserverband Emschergenossenschaft am Nordufer des Phoenix-Sees 99 Rebstöcke. Was klingt wie ein Scherz, ist ein Forschungsprojekt zu den Folgen des Klimawandels – und soll gleichzeitig Teil des Strukturwandels im Ruhrgebiet sein.

Die erste Phoenix-See-Ernte von 2014 brachte jetzt 35 Liter trockenen Weißwein, abgefüllt in 70 Halbliter-Flaschen. Der Name: „Neues Emschertal – Phoenix 2014“.

„Die ihn probiert haben, schwärmen“, sagt Emschergenossenschafts-Chef Jochen Stemplewski. Er grinste breit, als er Sierau in der brütenden Mittagshitze stolz eine der schmalen Flaschen überreichte. Als „frischen Sommerwein“ beschrieb Stemplewski den Tropfen aus der Phoenix-Traube, als „schmackhaft“ und einen Wein, „der Lust auf mehr macht“.

Zuletzt wurde in Hörde im Spätmittelalter vor gut 500 Jahren Wein angebaut, erklärt Mario Sommerhäuser, der bei der Emschergenossenschaft das Forschungsprojekt betreut. „In den Jahren 1300 und 1400 hat sich der Weinanbau hier etabliert. Und Bier gab es da noch nicht in Dortmund.“ Eine Tradition vor der Tradition sozusagen – und gleichzeitig ein Warnsignal: „Ohne den Klimawandel wäre Weinanbau im nördlichen Teil Deutschlands gar nicht möglich“, sagt Sommerhäuser. Der Klimawandel habe zwei Seiten: „Wir machen das Beste draus.“ Den nächsten Wein vom Phoenix-See gibt es in einem Jahr.

Bis dahin sollen die ersten 35 Liter unter die Dortmunder gebracht werden. Marktfähig sei der Preis jedoch nicht, sagt der Projekt-Begleiter, und Umsatz wolle damit auch gar nicht gemacht werden. „Wahrscheinlich werden wir die eine Hälfte der Flaschen in Kooperation mit einem Restaurant am Phoenix-See verkosten lassen und die andere Hälfte versteigern.“

Vom Stahl-Standort hin zum Urlaubsort am Wasser, an dem Wein angebaut wird: das Maximum der Neu-Erfindung scheint damit erreicht – oder? „Der Weinanbau am Phoenix-See ist ein wichtiger Schritt in diese Richtung“, sagt Sierau, noch mit dem halbvollen Glas Wein in der Hand. „Aber es gibt noch viele, viele andere Schritte, die wir tun müssen.“ Dieser Wein sei ein „deutliches Signal, dass sich das Umfeld deutlich weiter entwickelt und wandelt.“