Alter Bauernhof von Willi Schnettler wird abgerissen

Breckerfeld..  Am Rande der historischen Altstadt wird bald der Abbruchbagger anrollen und die Gebäude des früheren Bauernhofes von Willi Schnettler in der Neuen Straße 9 abreißen. Er betrieb den Hof bis in die 1960er-Jahre. Er gab den Betrieb auf, als ein Teil seiner Ländereien für das heimische Gewerbegebiet benötigt wurde.

Das Wohnhaus mit Stall und hoher Scheune zwischen Neuer Straße und Altem Ostring hat sein Aussehen seit der Hofaufgabe nicht verändert. Im Bereich der Scheune wurde bereits in Handarbeit mit Abbrucharbeiten begonnen. Die zum Hof gehörenden Wagenschuppen auf der anderen Seite der Straße Alter Ostring wurden abgerissen, als das Einkaufszentrum Alter Ostring mit seinen Läden und den Wohnungen darüber errichtet wurde.

1825 war dort nur eine Wiese

Im Urkataster für den historischen Ortskern von 1825 existieren die Neue Straße, die Poststraße, die Viehgasse und die Denkmalstraße noch nicht. Damals ist im Osten des Stadtkerns der Bereich zwischen den Mauern der mittelalterlichen Stadtbefestigung noch von jeder Bebauung mit Ausnahme am ehemaligen Stadttor an der Schmiedestraße und dem Eingangsbereich der heutigen Neuen Straße in die Frankfurter Straße frei von jeglicher Bebauung. Am Standort des Hofes Schnettler ist eine Wiese im alten Stadtgraben ausgewiesen.

Stadtbild nach Bränden verändert

Das Stadtbild im Nordosten der Stadt änderte sich nach den beiden letzten großen Stadtbränden: Im September 1843 wurden dort 50 Häuser zerstört, im November 1846 brannten 17 weitere ab. Vor dem Wiederaufbau, bei dem der Bereich der alten Doppelmauer einbezogen wurde, gab es eine Bodenneuordnung in diesem Innenstadtbereich, bei der auch die Erschließung der Grundstücke über gepflasterte Straßen und fußläufige Gassen dazwischen sichergestellt wurde. Für die dort vorher ansässigen meist kleinbäuerlichen Betriebe wurde festgelegt: Die Wohnhäuser wurden durch Denkmalstraße, Neue Straße erschlossen, die Ställe und Scheunen von der Viehgasse und vom alten Ostring aus. Die Poststraße zwischen Haus Mähler und Elektro Tratzki sorgte für die befahrbare Querverbindung.

Die Hofeigentümer konnten von den Höfen allein nicht leben. Sie suchten sich deshalb ein oder mehrere weitere Verdienstmöglichkeiten.

So fuhr Willi Schnettler noch bis Anfang der 1960er-Jahre mit seinen zwei Pferden den Leichenwagen in der Hansestadt bei Beerdigungen. Dazu betrieb er am Ostring nach dem letzten Krieg einen Kohlenhandel und dazu eine Milchverteilungsstelle der Molkerei Hagen, in der die Haushalte der Stadt gegen Lebensmittelmarken lose Milch abholen konnten.

Schon heute ist die weitere Nutzung des Grundstücks Neue Straße 9 in Vorbereitung: Dort soll ein Neubau mit barrierefreien und senioren- bzw. behindertengerechten Wohnungen entstehen.