Abriss reduziert Schadstoffe

Hagen-Mitte..  Die Grenzwerte für Feinstaub und Stickstoffoxid am Märkischen Ring könnten eingehalten werden, wenn das Finanzamt oder Gebäude gegenüber abgerissen würden. Das geht aus einer Vorlage der Verwaltung hervor, die gestern im Umweltausschuss diskutiert wurde.

Doch zumindest am Finanzamt wird so schnell kein Bagger anrücken. Denn zum einen steht das 1927 errichtete Behördenhaus, an dem täglich über 40 000 Fahrzeuge vorbeirauschen, in weiten Teilen unter Denkmalschutz, zum anderen hat der Bau- und Liegenschaftsbetrieb des Landes NRW den Mietvertrag mit dem Finanzamt erst kürzlich bis Ende 2025 verlängert.

Perspektivischer Ansatz

Für die Umweltpolitiker (die CDU-Fraktion hatte die Diskussion um bauliche Veränderungen ins Rollen gebracht) trotzdem ein Grund, sich des Themas weiterhin anzunehmen – wenn auch mit einer gewissen Perspektive: „Stadtplanung ist ja keine Sache von jetzt auf gleich“, so Jörg Meier, „zumindest haben wir nun zum ersten Mal schwarz auf weiß, dass ein Abriss für die Luftqualität etwas bringt.“ Ein Ansatz, dem sich auch andere Fraktionen durchaus anschließen können.

Allerdings machte der Ausschussvorsitzende Hans-Georg Panzer (Grüne) deutlich: „Es gibt einfach zu viel Verkehr in der Stadt. Wir haben die Weichen falsch gestellt. Wenn man jetzt baulich eingreift, fördert das nur die autofreundliche Stadt.“

Ähnlich sieht das auch Dr. Ralf-Rainer Braun, Leiter des Fachbereichs Umwelt: „Wenn wir diese Häuserschlucht auflösen, findet sich eine neue. Es geht darum, den ÖPNV zu fördern und in den Köpfen der Menschen etwas zu bewegen.“

Im Finanzamt sind 50 Räume auf der dem Märkischen Ring zugewandten Seite unbesetzt, um die Mitarbeiter vor den Emissionen des Verkehrs zu schützen. „Die Schadstoff- und Geräuschbelastung im vorderen Gebäudeteil ist einfach zu hoch“, so Wilhelm Brandt, Vorsteher des Finanzamtes. Andererseits hätten sich die derzeit 204 Mitarbeiter auf die Situation eingestellt und in den belasteten Räumen Aktenlager eingerichtet: „Es gibt für uns keinen Grund hier wegzuziehen“, steht auch ­Matthias Böcker, Leiter der Geschäftsstelle, einem Umzug an einen anderen Standort kritisch gegenüber.