Abiturientinnen schneidern sich ihr eigenes Abiball-Kleid

Nadine Platner gehörte zu den sechs Teilnehmerinnen, die sich ihr eigenes Abiball-Kleid schneidern wollten.
Nadine Platner gehörte zu den sechs Teilnehmerinnen, die sich ihr eigenes Abiball-Kleid schneidern wollten.
Foto: WP Michael Kleinrensing
Was wir bereits wissen
Oberstes Gebot: Auf keinen Fall ein Abschlusskleid tragen, das noch jemand besitzt. Sechs Abiturientinnen aus Hagen haben sich in einem VHS-Kursus ihr eigenes Abiball-Kleid geschneidert.

Hagen.. Unzählige Kleider finden sich in den Geschäften und im Internet – aber das richtige ist nicht dabei? Zu eng, zu kurz, die Farbe stimmt nicht. Das richtige Kleid für einen Abiball zu finden, ist ein Geduldsakt. Und dann muss es auch noch einzigartig sein. Denn die meisten Mädels würden es wohl als das Schlimmste empfinden, an diesem Tag im gleichen Outfit wie die Klassenkameradin zu erscheinen.

Sechs Hagenerinnen entgehen diesem Problem mit einer einfachen Lösung: Abiballkleid selber schneidern. Vier Schritte bis zum Traumkleid sollten es sein: einen Schnitt aussuchen, den Stoff darauf zuschneiden, die zugeschnittenen Stoffteile zusammennähen und dann bei der Anprobe überprüfen, ob alles auch passt. In einem Wochenendkursus der Volkshochschule wurden die Teilnehmerinnen von einer Hagener Designerin unterstützt.

Jeder kann sein Traumkleid selber nähen

Kursleiterin und Designerin Petra Schulz ist der Meinung, dass jeder sein Traumkleid selber nähen kann: „Ich denke, wenn man nicht gerade zwei linke Hände hat und ein bisschen nähen kann, dann wird es auch ein gutes Ergebnis geben.“

Das Ziel: ein perfektes Kleid

Die sechs Teilnehmerinnen gaben am vergangenen Wochenende in der Villa Post alles, um das Ziel des perfekten Kleides zu erreichen. Drei Tage lang arbeiteten sie an den Ballkleidern, insgesamt zwölf Stunden lang.

Bevor es losging, wurden zusammen die Stoffe im Laden ausgesucht. Roter Jersey-Stoff, feinste rosafarbene Seide, fester Baumwollstoff für eine Corsage. Danach ging es in die Werkstatt der VHS.

„Ich wusste schon, dass ich mein Abiballkleid selber nähen möchte, aber ich habe mich alleine nicht getraut. Ich wollte meine Vorstellungen bei dem Kleid verwirklichen und auf jeden Fall ein Kleid haben, was sonst keiner hat“, so Kursteilnehmerin Judith Strangfeld. Sie hat allein für die Stoffe rund 130 Euro ausgegeben, doch das ist ihr dieses besondere Kleid wert: „Ich habe schon mal ein Kleid genäht und dann dachte ich mir, dass ich dieses auch hinbekomme. Für den Abiball stört es mich auch nicht, dass es im Endeffekt nicht günstiger ist, als ein Gekauftes. Die Einzigartigkeit ist hier das Wichtigste.“

Auf keinen Fall das gleiche Kleid zu haben wie eine Mitschülerin, ist allen Teilnehmerinnen wichtig: „Wir wollen bei Facebook eine Gruppe erstellen, in der jeder ein Foto seines Kleides hochlädt. So verhindern wir, dass zwei Mädels im gleichen Kleid zum Ball kommen.“

Für ein Kleid in die USA

Erst der Abiball, dann die Hochzeit – zwei Events für die das Kleid die wichtigste Rolle spielt. Sarah Eklöh fliegt für ihr Traumkleid sogar nach Amerika. „Ich wäre bereit, 200 Euro für das Kleid auszugeben. Hier bin ich nicht fündig geworden. Ich hoffe, dass ich bei einer intensiven Suche in den USA fündig werde.“ Designerin und Schneidermeisterin Petra Schulz sieht den Trubel um das perfekte Kleid gelassen „Ich glaube, in jeder Generation möchten die Abiturienten schön aussehen. Nur heute wird mehr Geld dafür ausgegeben. Heute möchte man bodenlange, prinzessinenhafte Abendrobe haben.“

Neben den Schneiderarbeiten bietet der Kursus auch die Möglichkeit, dass man sich die Arbeit eines Designers genauer anschauen kann. Diese Chance nutzte Isabel Bernat: „Ich würde nach dem Abi gerne in diese Richtung gehen.“