Siegfried Gras pflegt alten Brauch : Sich an Ostern mal über den Tod totlachen

Alle Christen sollten an Ostern so richtig lachen, findet Pfarrer Siegfried Gras. Und zwar über den Tod. Also lädt er seine Gemeinde am Ostermontag zu einem Osterlachen.
INFO
Alter Brauch
- Osterlachen, lateinisch risus paschalis, bezeichnet den Brauch, in der Predigt an Ostern die Gottesdienstgemeinde zum Lachen zu bringen.
- In einigen Regionen war es vom 14. bis 19. Jahrhundert fester Bestandteil des christlichen Brauchtums.
- Der Grundgedanke des Osterlachens war, die Osterfreude zum Ausdruck zu bringen. Gleichzeitig symbolisiert das Osterlachen die Überlegenheit und den Sieg über den Tod, der sich an Christus „verschluckt” hat.
Seine Witze über den Tod sind schon bei seiner Osterpredigt 2003 gut angekommen bei der Evangelisch-Lutherischen Kirche Haspe. Damit ist sie die einzige Gemeinde in Hagen, in der diese Tradition weiterlebt. Vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert gehörte es zum christlichen Brauchtum, die Gemeinde bei der Osterpredigt zum Lachen zu bringen. Christen durften den Tod lauthals dafür auslachen, dass er vom Leben besiegt worden ist. „Doch dann haben die Priester wohl irgendwann zu obszöne Witze erzählt”, spekuliert Siegfried Gras.
Der Hasper Pfarrer ist ein lustiger Mensch, lacht gerne, wie er sagt. Bei der hasper Kirmes ist er dabei und in seiner Gemeinde ist er dafür bekannt, dass er immer einen Witz auf Lager hat. Er weiß, dass Lachen in der Kirche eine heikle Sache ist. Erst recht, wenn es um den Tod geht: „Der Tod an sich ist natürlich nichts Lustiges. Man muss aufpassen, dass man keine Gefühle verletzt”.
Ostern und Lachen gehören für ihn zusammen. „Eine Theorie über den Ursprung des Lachens geht davon aus, dass es von den frühen Jägern kommt, deren Anspannung sich durch ein Keuchen gelöst hat, nachdem die Beute gefangen war. Dabei werden die gleichen Muskeln beansprucht wie beim Lachen”, erklärt er. „Es ist die Erleichterung darüber, dass ein übergroßer Feind besiegt ist. Genau wie an Ostern”.
Da nur das Leben endgültig sei, könne der Tod verlacht werden: „Wir Christen dürfen fröhliche Menschen sein”. Also wird Siegfried Gras seiner Gemeinde von Fritzchen erzählen: Aschermittwoch bekommt Fritzchen ein Aschekreuz auf die Stirn. Der Priester erklärt ihm, dass es daran erinnern soll, dass Menschen nach dem Tod zu Staub zerfallen. Als Fritzchen wieder zu Hause ist, sagt er ganz aufgeregt zu seiner Mutter: „Mama, Mama, unter unserem Bett liegen Tote”.
Das Lachen in der Kirche sei im Prinzip ein bekanntes Phänomen: „Gehen Sie mal in ein Fußballstadion, da erleben Sie das gleiche”. Wenn Christen sich über den Sieg über den Tod freuen, ist das wie bei den Fans. Die singen doch auch: „Ihr könnt nach Hause gehen, ihr könnt nach Hause gehen”.














