60 Werke, die die Schrecken des (Nach-)Kriegs abbilden

Hagen-Mitte..  Der Mai 1945 bedeutete für Emil Schumacher nicht nur das Kriegsende, sondern auch einen persönlichen Befreiungsschlag. „Zwölf Jahre lang war mein Vater – wie so viele Menschen damals – unfrei, durfte nichts sagen, nichts malen“, blickt Ulrich Schumacher, Museumsdirektor, Stifter und Sohn des bekannten Hagener Künstlers in einer Person, zurück. „Am 9. Mai begann für ihn ein neues Leben, er sagte seinem Arbeitgeber – der Akku – ade und entschied sich rigoros für ein anfangs erbärmliches Leben als freischaffender Maler.“

Die Ausstellung „Emil Schumacher – 1945 – Wiedersehen in den Trümmern“ spiegelt die Armut und Verzweiflung der Menschen, von denen etliche vor dem wirtschaftlichen Nichts standen, beeindruckend wider. Die Werkschau mit 60 Grafiken und Gemälden wird am Sonntag im Emil-Schumacher-Museum eröffnet.

Zu sehen sind Grafiken (Ulrich Schumacher: „Blätter, die vorher noch nie ausgestellt wurden), die wie eine erste Momentaufnahme nach den Kriegswirren wirken. Eine Serie von Holzschnitten ist eindeutig der Früh-Nachkriegsphase zuzuordnen. Zu sehen ist viermal das gleiche Motiv mit Bomben, Flammen und wehklagenden Menschen, das an Edvard Munchs „Der Schrei“ erinnert. In den folgenden Jahren wurde Schumacher in seiner Arbeit immer abstrakter.

Der Holzschnitt „Wiedersehen in den Trümmern“ von 1946 ist Namensgeber der Ausstellung. Der Untergrund ist Schwarz, Stacheldraht ist auszumachen, doch auch zwei Figuren, die aus dem Dunkel heraustreten und sich in den Armen liegen. Ein Funke Hoffnung . . .

„Emil Schumacher hat häufig Eindrücke aus seinem direkten Umfeld verarbeitet. Eines der ausgestellten Bilder zeigt die Notbrücke, die in Herdecke über die Ruhr führt, ein anderes zeigt Trümmerfrauen“, erläutert Rouven Lotz, wissenschaftlicher Leiter des Schumacher-Museums. Auch Holzsammler, Schwarzhändler und hungernde Menschen hat der Schaffende mit den wachen Augen abgebildet.

Ungewöhnlich auch die im Kunstquartier präsentierten Stillleben, die nicht Pompöses zeigen, sondern ungeschönte Armut. Leere Blechdosen und Kabeljauköpfe stehen für Entbehrung und ein einfaches, durch Hunger geprägtes Leben.

Das monumentale Großformat „Sodom“, wesentlich später (1957) entstanden, setzt den Schlusspunkt in der Ausstellung. Emil Schumacher ist angekommen in der abstrakten Malerei. Und er hat sich als internationaler Künstler einen Namen gemacht.