Das aktuelle Wetter Hagen 15°C
Petition

400€-Jobs bedienen Lohndumping

26.04.2010 | 18:00 Uhr

Hagen. Günter Knopp lässt nicht locker. Nicht vor Gericht und nicht vor der Politik.

Der Hagener ist einer von drei ehemaligen Europcar-Mitarbeitern, die vor dem Hagener Arbeitsgericht gegen den ihrer Meinung nach unrechtmäßigen Umgang des Autovermietungsunternehmens mit 400-Euro-Jobbern klagen. Jetzt hat Knopp in gleicher Sache eine Petition an den Deutschen Bundestag geschickt.

Darin fordert er die Einführung eines Bußgeldkatalogs gegen Arbeitgeber, die Mini-Jobber unrechtmäßig behandeln und entlohnen sowie ein Gesetz zur Regelung der Beschäftigungsqoute für Teilzeitbeschäftigte. Denn was mit der Arbeitsreform 2003 im Rahmen der 400-Euro-Jobs eingeführt wurde, habe die erhofften Effekte nicht erzielt.

In der Begründung heiß es dazu: „Diese Maßnahme sollte Schwarzarbeit im großen Stil verhindern, zudem sollte sie für Langzeitarbeitslose ein Sprungbrett in die Vollbeschäftigung sein.” Nichts davon, so Knopp, sei aber eingetreten. Vielmehr, so hätten auch seine Erfahrungen bei Europcar gezeigt, würden die Minijobs den Arbeitgebern helfen, Lohnzahlungen, Sozialbeiträge und Steuern einzusparen. „Der Job wird zum Lohndumping benutzt. Mini-Jobber arbeiten teilweise 78 Stunden, um 400 Euro zu verdienen.”

Darüber hinaus würden in vielen Firmen die arbeitsrechtlichen Grundsätze wie Gleichbehandlung, Erholungsurlaub, Entgeldfortzahlung im Krankheitsfall, Kündigungsschutz und -fristen missachtet.

Was Knopp aber am meisten ärgert: Die arbeitsrechtlichen Gesetze bestehen ja. Wenn der Arbeitgeber sie aber missachtet, dann wird er zunächst nicht belangt, sondern der Arbeitnehmer muss geltendes Recht einklagen. Daher auch die Forderung nach einem Bußgeldkatalog.”

Seine Erfahrungen mit Europcar hat der Hagener in ersten Güteverhandlungen seiner ehemaligen Kollegen bereits vor Gericht gemacht. Mehrmals sei der Termin von der beklagten Firma verzögert worden. Erst als der Rechtsanwalt eine Abfindung in Höhe von 200 000 Euro verlangte, sei die Gegenseite zu Vergleichsverhandlungen bereit gewesen. Weitere Termine, in denen nachgewiesen werden soll, dass der von Europcar gezahlte Stundenlohn sittenwidrig ist, werden im Sommer folgen.

„Uns ist daran gelegen, die Menschen, die auf 400-Euro-Basis arbeiten, über ihre Rechte aufzuklären. Daher werden wir auch bei der Kundgebung am 1. Mai wieder dabei sein.” Verdi habe für Samstag der kommenden Woche einen Stand zur Verfügung gestellt, an dem sich Betroffene melden und beraten lassen können.

Auch seine Petition werde zur Unterschrift ausliegen, kündigt Günter Knopp an.

Andreas Reitmajer

Facebook
 
Videos die Sie interessieren könnten
Kommentare
29.04.2010
00:26
400€-Jobs bedienen Lohndumping
von Kersten | #5

Glaubt Ihr den wirklich, daß die Wettbewerber Sixt, Avis und Hertz ihre günstigen Preise mit höheren Löhnen finanzieren? Zum einen wollen alle immer weniger zahlen (Urlaub, Mietwagen, Flüge etc.), zum anderen aber schimpfen, wenn dann Kosten gespart werden. Es wird doch niemand gezwungen, bei diesen Hungerlöhnen zu arbeiten.

Aber vielleicht sollten wir ausnahmsweise bei unseren europ. Nachnbarn reinschauen und darüber nachdenken. Die Holländer liefern ihre Billigware nach Deutschland, da die hochwertige Ware hier keinen Absatz hat. Diese verkauft sich dann in Holland, aber auch Frankreich etc.

Jeder soll nach besten Wissen und Gewissen seinen Mietwagen auswählen - aber dann nicht auf die Geiz ist Geil-Mentalität! Da passt etwas nicht, oder?

27.04.2010
21:17
400€-Jobs bedienen Lohndumping
von Günter Knopp | #4

Europcar betreibt nicht nur in Deutschland, sondern europaweit ein Unternehmen, das eine Autovermietung betreibt. Sitz des Unternehmens ist Paris. Leiter des Unternehmens ist ein Herr Catania.

Inhaber der Beklagten ist der französische Finanzinvestor EURAZEA, dessen größter Anteilseigner die französische Credit agricole- Bank ist. EURAZEA erwarb die Beklagte für ca. 3 Mrd. €.

Die Financial Times Deutschland schrieb in einem Artikel vom 21.12.2009 dazu:
Als Volkswagen im Mai 2006 den Autovermieter an Eurazeo verkaufte und die neue Dachgesellschaft Europcar Group installierte, rückte Catania auch an die Spitze der neuen Dachfirma mit Sitz in Paris. Vor dem Verkauf an Eurazeo hatte zeitweise auch der Münchner Sixt -Konzern eine Übernahme von Europcar erwogen - zog sich aber aus dem Bieterkampf zurück.
Rückblickend wertet Erich Sixt, Chef des Münchner Konkurrenten Sixt, die fehlgeschlagene Europcar-Übernahme als glückliche Fügung. Autovermieter mit Finanzinvestoren als Eigentümer - wie Europcar - stünden besonders im derzeitigen Marktumfeld unter großem Ertragsdruck, um ihre Finanzierung über Kredite zu verdienen, sagt Sixt.
Catania gelang es in den vergangenen Monaten indes, Europcars Verschuldung abzubauen. Eine Anleihe wird jetzt wieder deutlich besser an der Börse bewertet. Der Konzern verkleinerte zudem seine Fahrzeugflotte und erhöhte damit die Auslastung. 2008 erzielte der Konzern 2,1 Mrd. Euro Umsatz.

Diese Äußerung ist im Hinblick auf das subjektive Element des § 138 BGB von Bedeutung. Die Übernahme der Beklagten durch EURAZEA wurde mit Hilfe von Krediten finanziert, die die Europcar zu bedienen hatte und noch hat.

Ich glaube, dass die Frage hinreichend beantwortet ist, Das heißt doch, wenn ich in mein Restaurant essen gehe, muss ich nichts bezahlen! Es gibt Firmen, die diese Machenschaften unbewusst unterstützen. Es gibt unzählige große Unternehmen, öffentliche Organisationen, kleinere Unternehmen in Hagen, die einen Rahmenvertrag mit Europcar haben, um günstigere Konditionen zu erzielen. Diese Firmen sollten überdenken, ob sie sich mit der Philosophie mit Europcar auf eine Stufe stellen. Um den Arbeitnehmer gerecht zu werden und das eigene Image zu bewahren, sollten sich diese Firmen von Europcar trennen. Das wäre vielleicht langfristig besser fürs eigene Geschäft . Ich hoffe, dass viele an der Maikundgebung teilnehmen und die Petition unterstützen. Ich glaube, das der Ex- Mitarbeiter von Europcar nicht nur für sein Recht kämpft, sondern für alle 400€- Jober. Unterstützt ihn.
GLEICHES RECHT FÜR ALLE!

27.04.2010
16:55
400€-Jobs bedienen Lohndumping
von meierhagen | #3

Wenn der VW-Konzern gemeint sein sollte, so stimmt das schon lange nicht mehr.
Europcar ist lange in französischer Hand.

27.04.2010
12:25
400€-Jobs bedienen Lohndumping
von Belz | #2

Welches Hauptunternehmen ist das denn?

27.04.2010
10:32
400€-Jobs bedienen Lohndumping
von 3653563856385 | #1

400 Euro Jobs, Scheinselbständigkeit und Aufstockerjobs sind das was den Staat in den nächsten Jahren an den Rand des Ruins bringen wird. Spätestens wenn die jetzt in dem Rahmen arbeitendene Bevölkerung im Rentenalter ist. Da werden Millionen an Sozialhilfeempfängern auf uns zukommen. Bereist heute sind sehr viele Alte und in Pflegeheimen lebende Personen bereits von der Sozialhilfe abhängig, weil die Renten zum Leben nicht ausreichen.

Und vor allem wenn sie sich mal überlegen, dass diese genannte Firma Fahrzeuge an Subunternehmer Scheinselbständigkeit ? von Paketdiensten vermietet, die entweder selbst als Aufstocker fahren oder weitere Aufstocker oder 400 Euro Kräfte beschäftigen. Die kommen dann alle noch zu den eigenen 400 Eurokräften dazu. Ein Moloch!
Und dann schauen sie doch einfach mal zu welchem Hauptunternehmen diese Firma gehört.
Sie werden erstaunt sein.

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/2906383/create

Aktuelle Fotos und Videos
Von Bentley bis Porsche
Bildgalerie
Oldtimerfahrt
Eintracht schlägt Sölfingen
Bildgalerie
Handball
Feuerwehr-Übung in Hagen
Bildgalerie
Jugendfeuerwehr
Dachstuhlbrand in Hagen
Bildgalerie
Feuer
Aus dem Ressort
Kreisel in Haßley eröffnet
Verkehr
Der fünfarmige Kreisel auf Haßley nahe an Autobahn-Anschlussstelle Hagen-Süd wurde nach achtmonatiger Bauzeit für den Verkehr freigegeben
Gaunerei bei der Hagen-Info
Gericht
Eine Mitarbeiterin der Hagen-Info soll in die Kasse der städtischen Tochter gegriffen haben. Vor dem Arbeitsgericht kämpft sie gegen ihre Entlassung.