25 Jahre Gleichstellung an Fernuni Hagen - Engagierte Frauen ohne lila Latzhosen

Zur Jubiläumsveranstaltung waren alle früheren Frauen- bzw. Gleichstellungsbeauftragen gekommen, um mit Rektor Prof. Hoyer (rechts), Kanzlerin Regina Zdebel (oben r.), Hochschulratsvorsitzendem Dr. Manfred Scholle (oben l.) und Gästen zu feiern.
Zur Jubiläumsveranstaltung waren alle früheren Frauen- bzw. Gleichstellungsbeauftragen gekommen, um mit Rektor Prof. Hoyer (rechts), Kanzlerin Regina Zdebel (oben r.), Hochschulratsvorsitzendem Dr. Manfred Scholle (oben l.) und Gästen zu feiern.
Foto: Fernuni Hagen
Was wir bereits wissen
Zur Feier von 25 Jahre Gleichstellung an der Fernuni Hagen diskutierten ehemalige Frauenbeauftragte und die heutige Gleichstellungsbeauftragte in Hagen. Der Tenor: Es ist viel erreicht. Das war auch die Botschaft von Rektor Helmut Hoyer: Eine Professorin nur habe es vor 25 Jahren gegeben.

Hagen.. „Zum ersten Mal haben wir eine Frau ausgewählt. Dass Sie mir keine Schande machen.“ Das hörte Regina Zdebel von ihrem Chef, als sie 1990 in die Hochschulverwaltung der Uni Bonn wechselte. Die heutige Kanzlerin der Fernuniversität Hagen erzählte diese Anekdote bei einer Feier zu 25 Jahre Gleichstellung an der Fernuni, um zu demonstrieren, was sich geändert hat, was heute nicht mehr möglich wäre. Tenor: Es ist viel erreicht.

Das war auch die Botschaft von Rektor Helmut Hoyer: Eine Professorin nur habe es vor 25 Jahren gegeben. „Aber“, so Hoyer weiter, „das heißt nicht, dass dieser Zustand als schlimm empfunden wurde.“ Dafür gab es aus dem größtenteils weiblichen Publikum Gelächter. Aber kein zustimmendes wie bei Zdebel. Denn wie die Frauen das empfunden haben, hatte Hoyer wohl nicht im Blick. Einige von denen waren gestern da: bei der Podiumsdiskussion mit fünf Frauenbeauftragten unter dem Motto „Mehr als gestern - weniger als morgen“.

Lenelis Kruse war die erste Professorin an der Fernuni. Ihre Erfahrung: „Die Diskriminierungen sind subtiler geworden.“ Chancengleichheit sei noch lange nicht erreicht. Widerstände werde es weiter geben, denn: „Jeder Posten für eine Frau ist einer weniger für einen Mann.“

Fernuni Hagen hat jetzt 14 Professorinnen

Jetzt hat die Fernuni 14 Professorinnen. Das sind immer noch nur 20 Prozent. „Ausbaufähig“ nannte Hoyer das. Und sah die Leistung der Gleichstellungsstellen darin, dass derlei nicht mehr als normal empfunden werde. „Es gibt kaum etwas Schwierigeres, als das sogenannte Normale zu hinterfragen und geistige Mauern einzureißen.“ Und die Hochschule habe dabei wenig Unterstützung geleistet.

Die Frauen der ersten Stunde erinnern sich unterschiedlich. Marianne Groten berichtet vom Kampf um Anerkennung, von „Verständigungsschwierigkeiten mit den Herren“, von einer ewigen Bittstellerposition, war aber „für den Anfang ganz zufrieden“ und empfand eine „durchaus wohlwollende Atmosphäre“.

Landesgleichstellungsgesetz war entscheidend

Grotens Nachfolgerin Irmingard-Schewe-Gerigk, heute Bundestagsabgeordnete der Grünen, sieht das anders: „Die Gleichstellung stand im Gesetz, aber die Verwaltung wollte das nicht.“ Eva Engels von 2000 bis 2004 im Amt berichtet von einer komfortableren Zeit: „Das Landesgleichstellungsgesetz, das Rede- und Antragsrecht im Rektorat - das hat der Gleichstellungsbeauftragten eine andere Position gegeben.“

Melanie Graf, die seit 2004 amtiert, stimmt zu: „Die Rahmenbedingungen haben sich gewandelt.“ Wichtig sei auch das Geld, das nun zur Verfügung stehe, dass Maßnahmen etwas kosten dürften, dass man Anreize für die Fakultäten schaffen könne. Und durch das Promovendinnen-Netzwerk sei es gelungen, den Anteil der Frauen von 18 Prozent im Jahr 2004 auf 30 bis 34 Prozent zu steigern.

Frauen brauchen Frauen als Rollenvorbilder

Und was muss noch passieren? Braucht es die Quote? „Vor allem außerhalb der Uni, draußen im Leben“, meinte Grote: „Frauen brauchen Frauen als Rollenvorbilder.“ Von „überraschend selbstbewussten Studentinnen“ berichtete Kruse, für die Karriere und Beruf selbstverständlich seien, die glaubten, dafür bräuchten sie keine Emanzipationsdiskussionen mehr. Später würden sie dann von den Problemen überrascht.

Schewe-Gerigks Bilanz: „Ideen durchlaufen immer drei Stufen. In der ersten gelten sie als Quatsch, In der zweiten werden sie lächerlich gemacht und in der dritten umgesetzt. Auf der sind wir jetzt.“ Aber dazu müsse das Gleichstellungsgesetz noch schärfer formuliert werden.

Engels dagegen betrachtet die gesetzlichen Rahmenbedingungen als ausreichend. „Aber es muss noch viel in den Köpfen passieren.“ Auch Frauen sind sich eben nicht immer einig. In einem allerdings schon: Keine der Gleichstellungsbeauftragten will jemals eine lila Latzhose getragen haben.