2016 drohen höhere Müllgebühren

Die neue Stromturbine neben der Müllverbrennungsanlage hat die Wirtschaftlichkeit noch einmal erhöht. Aktuell sind die drei Verbrennungsöfen voll ausgelastet.
Die neue Stromturbine neben der Müllverbrennungsanlage hat die Wirtschaftlichkeit noch einmal erhöht. Aktuell sind die drei Verbrennungsöfen voll ausgelastet.
Foto: WP Michael Kleinrensing
Was wir bereits wissen
Auf dem umkämpften Markt der Abfallwirtschaft kann sich der Hagener Entsorgungsbetrieb bislang gut behaupten. Doch ab 2016 könnte es zu Gebührenerhöhungen kommen.

Hagen.. Noch lodern die Kessel der Hagener Müllverbrennungsanlage (MVA) am Pfannenofen unter Volldampf. 124.000 Tonnen Haus- und Gewerbemüll wurden dort im vergangenen Jahr thermisch verwertet – mehr geht kaum. Doch bei diesem wirtschaftlichen Idealzustand wird es womöglich nicht bleiben: In den nächsten Jahren laufen die Tonnagen-Verträge mit Dortmund und dem Kreis Siegen/Wittgenstein aus – etwa ein Viertel des Verbrennungsvolumens steht damit auf dem Spiel. Die Verträge mit dem Hochsauerland- und dem EN-Kreis sind bereits ausgelaufen. Ökonomische Risiken, vor denen Dr. Herbert Bleicher, Geschäftsführer des Hagener Entsorgungsbetriebes (HEB), keineswegs die Augen verschließt: „Schon heute bereiten wir ein weiteres Sparpaket über alle Sparten hinweg vor, aber wir können für 2016 auch sanfte, stufenweise Gebührenerhöhungen nicht mehr ausschließen.“

Starke Konkurrenz

Als Betreiber einer eigenen Müllverbrennungsanlage muss der HEB sich im Haifischbecken der Abfallwirtschaft seit Jahren gegen starke Konkurrenz behaupten. Zumal der Müllverbrennungsmarkt von gewaltigen Überkapazitäten geprägt ist. Was wiederum dazu führt, dass sich die Preise stetig im Sinkflug befinden – mit Neuverträgen lassen sich längst nicht mehr jene Gewinnmargen erzielen wie noch vor Jahren. Die Hagener MVA bewegt sich dabei in Konkurrenz zu 16 weiteren Anlagen in Nordrhein-Westfalen, die bei der Müllakquise ebenfalls bemüht sind, ihre überdimensionierten Verbrennungsöfen mit offensiver Preispolitik besser auszulasten.

Dabei fischen alle Entsorger im gleichen Teich. Der Abfallwirtschaftsplan des Landes möchte NRW in drei Zuständigkeitszonen aufteilen, um unnötigen Mülltourismus einzudämmen. Hagen darf somit künftig seine Abfall-Kunden für die MVA lediglich noch im Münsterland, in Ostwestfalen sowie in Südwestfalen rauf bis zur hessischen Landesgrenze gewinnen – ähnlich wie die Nachbaranlagen in Hamm und Iserlohn.

Überkapazitäten am Markt

Jedoch schon heute zu versuchen, mit Vehemenz in die Neukunden-Akquise einzusteigen, erscheint wenig sinnvoll: Die Gemeinden und Kreise lassen angesichts der Preisentwicklung und Überkapazitäten sich reichlich Zeit, um beim Pokern um das günstigste Angebot ein Schnäppchen zu machen. „Aber wir bleiben optimistisch, auch in Zukunft bei Ausschreibungen erfolgreich mitzubieten“, hofft Bleicher, dass der langjährige MVA-Kunde Siegen/Wittgenstein auch über das Jahr 2020 hinaus seine Abfälle nach Hagen liefert. „Dadurch, dass unsere Anlage weitgehend abgeschrieben ist, können wir unsere Verbrennungsvolumina auch künftig zu wettbewerbsfähigen Preisen anbieten.“

In Abstimmung mit den Gesellschaftern rüstet sich die HEB-Spitze dennoch für alle Eventualitäten. „Im regionalen Vergleich sind unsere Müllgebühren schon heute durchaus akzeptabel“, betont Bleicher, „aber natürlich werden wir erneut versuchen, den MVA-Betrieb zu optimieren und Personal – wo dies denn noch möglich erscheint – auf dem Weg der natürlichen Fluktuation abzubauen.“ Gleichzeitig soll die Wirtschaftsbilanz verbessert werden, indem der HEB seinen Sommer- und Winterservice beispielsweise bei Wohnungsgesellschaften vermarktet oder auch dem Wirtschaftsbetrieb Hagen (WBH) seinen Werkstattservice anbietet. „Das sind alles keine gewaltigen Erlöse, aber wichtige Facetten eines Gesamtbildes“, schließt Bleicher nicht einmal aus, den bei den Bürgern so beliebten, jährlich erscheinenden Abfallkalender künftig mit einer symbolischen Schutzgebühr zu belegen.

Drei Kessel machen flexibel

Durch die Separierung der MVA in drei Kessel ließe die Anlage, deren Wirtschaftlichkeit gerade erste durch die Inbetriebnahme der Stromturbine optimiert wurde, sich auch mit nur zwei Modulen betreiben. Mit 90 000 Tonnen Haus- und Gewerbemüll allein aus Hagen und der Region wäre ebenfalls eine verlässliche Versorgung des angeschlossenen Fernwärmenetzes gewährleistet. „Durch diese Option lässt sich die Auslastung zwar relativ flexibel variieren, doch die Fixkosten der Anlage bleiben natürlich konstant“, erläutert Bleicher, dass dieser Schritt ein Drehen an der Gebührenschraube nicht gänzlich verhindere. „Allerdings käme dieser Schritt“, so betont Aufsichtsratsvorsitzender Horst Wisotzki (SPD), „ähnlich wie das Bekenntnis zur eigenen Wassererzeugung in Hengstey, der Bewahrung eines Stücks Hagener Daseinsvorsorge gleich.“