16 000 Seelen im neuen Pfarrverbund
06.04.2008 | 15:42 Uhr 2008-04-06T15:42:00+0200
Hagen. Diagonal durch das Stadtgebiet zieht sich seit Dienstag einer der größten Pfarrverbünde des Erzbistums.
Die St. Marien- und die Eilper Herz-Jesu-Gemeinde hat der Erzbischof per Dekret an den seit 2002 bestehenden Pfarrverbund „Hagen-Nord-West” angeschlossen. Während sich alle anderen katholischen Kirchengemeinden in Hagen zum Teil seit Jahren zu Pfarrverbünden zusammenfanden, blieben Marien- und Herz-Jesu-Gemeinde bisher ohne Partner. Die Suche „hatte sich hingezogen. Da gab es Gespräche, die zu keinem Ergebnis führten”, erklärte Dechant Dieter Osthus auf WR-Anfrage: „Da habe ich das dem Erzbischof mitgeteilt und der hat sich entschieden.”
Mit seinem Dekret gründete der Paderborner Erzbischofs Hans-Josef Becker den neuen Riesen-Pastoralverbund „Hagen an der Volme”: Er umfasst die sechs Gemeinden St. Liebfrauen (Vorhalle), St. Petrus-Canisius (Eckesey), St. Meinolf (Ischeland), St. Josef (Altenhagen) sowie besagte Gemeinden St. Marien (Mitte) und Herz-Jesu (Eilpe). Der Leiter des neuen Pastoralverbundes ist Osthus als Pfarrer der Josefs-Gemeinde.
Der Hintergrund des Verfahrens:
- Mit der Zusammenfassung von Kirchengemeinden zu Pastoralverbünden reagiert die Kirche auf den Rückgang von Priestern und Gottesdienstbesuchern.
- Kernpunkt der Zusammenarbeit ist der Austausch der Priester und Gemeindereferenten.
- Rechtlich gesehen bleiben die Gemeinden unabhängig. Pfarrgemeinderat und Kirchenvorstand jeder Gemeinde bleiben bestehen.
- Diese sollen Vertreter in einen Koordinierungskreis („KO-Kreis”) entsenden, die dort die Zusammenarbeit planen.
- Die grundsätzliche, räumliche Umschreibung hat der damalige Erzbischof Johannes Joachim Degenhardt 2000 festgelegt.
- Inhaltliche Grundsätze stellte Paderborn im Papier „Pastorale Perspektive 2014” auf.
Kritisch äußerte sich der Pfarrer der Marienkirche, Dr. Norbert Bathen: „Dieser Pastoralverbund ist gegen unseren Willen verfügt worden. Wir haben eine ablehnende Stellungnahme abgegeben”, so Bathen. Die Ablehnung habe zum Teil Gründe, die er „nicht in die Öffentlichkeit tragen möchte”. Ein Grund sei die Verschiedenartigkeit der Einzelgemeinden: Das neue Konstrukt „stellt einen Schlauch dar, der sich quer durch die Stadt zieht – von Eilpe bis Vorhalle. Die pastoralen Schwerpunkte werden sehr unterschiedlich sein. Wir sehen da Probleme, etwas gemeinsam machen zu können.” In der Tat ist die Größe des Pastoralverbundes außergewöhnlich: Nicht gemessen an der Anzahl der Gemeinden, sondern an der Anzahl der Katholiken. „Mit 16 000 Gemeindemitgliedern ist der neue Pastoralverbund einer der größten im Erzbistum”, ordnete Thomas Throenle (Pressestelle des Erzbistums Paderborn) ein. So viele Gemeindemitglieder „kann man nicht mehr individuell betreuen”, sagte Pfarrer Osthus. Doch die Zusammenarbeit sei wichtig für die Zukunft, die von einem Rückgang der Gottesdienstbesucher und Priestermangel geprägt sei. Mit diesen Herausforderungen seien „die einzelnen Gemeinden überfordert.”
In diesem Jahr habe es gerade sechs Priesterweihen in Paderborn gegeben – etwa 30 Geistliche würden in diesem Jahr ausscheiden. „Jedes Jahr wird also ein Priester im Dekanat Hagen-Witten abgezogen und nicht mehr ersetzt”, rechnete Osthus vor. Vor diesem Hintergrund müsse man „weiterdenken, über den Tellerrand hinausschauen”. Durch die „Vernetzung der Hauptamtlichen” sei man besser für die Zukunft gerüstet. Der Pfarrer der Herz-Jesu-Gemeinde, Bernhard Meschke, wollte sich nicht äußern.
18:41
zu Eintrag #2: Sie brauchen nur über die Bistumsgrenze schauen. Das Bistum Essen hat bereits Fakten geschaffen und aufgeräumt.
Im Ruhrbistum sind die bisherigen Pfarrgemeinden aufgelöst, zu einer Gemeinde vor Ort bzw. mehrere Ortsgemeinden zu einer Großpfarrei zusammengelegt worden.
16:48
Die Kirche schrumpft und muss sparen. Die Pfarrer von St.-Marien und Herz-Jesu haben sich lange kompromisslos gegen einen Gemeindeverbund gewehrt. Jetzt hat sie aber die Wirklichkeit doch noch eingeholt, nur eben noch ein bisschen schlimmer, als man es eigentlich hätte haben können, wenn man sich geeinigt hätte.
Der Gemeindeverbund dürfte allerdings erst die Vorhut für weitere Einsparungen sein. Denn auch wenn dieses jetzt noch so recht keiner wahrhaben will: in ein paar Jahren wird mit der Schließung der ersten Gotteshäuser auch in Hagen zu rechnen sein. Die sich wegen anhaltender Kirchenaustritte verschärfende Finanznot der Kirchen, wird auch hier früher oder später keine andere Wahl lassen.
Umso unverständlicher ist, dass die Herz-Jesu-Gemeinde in Eilpe jetzt noch schnell ein neues Pfarrheim bauen will. Es ist zwar eher unwahrscheinlich, dass der Neubau in einigen Jahren finanziell noch tragbar ist, wenn jetzt schon nur mit Mühe die Kirche und die derzeitigen im Turm befindlichen – und auch weiter bestehenden – Räume unterhalten werden können. Aber auch hier setzt der Pfarrer – genauso wie bei der Ablehnung des Gemeindeverbundes – seinen Weg unbeirrt fort. (wie es hinter vorgehaltener Hand heißt, will er sich ein Denkmal setzen).
Dabei wäre jetzt noch die Chance durch eine wirtschaftliche Zusammenarbeit von evangelischer und katholischer Kirche in Eilpe die Weichen für einen längeren Fortbestand beider Kirchen in Eilpe zu stellen, in dem man sich ein gemeinsames Gemeindehaus teilt. Denn auch das Gemeindehaus der evangelischen Kirche steht wegen Geldmangels vor dem Aus.
Die Herz-Jesu-Gemeinde verbaut sich und der ev. Kirche diese Chance – mit tatkräftiger Unterstützung der Stadt. Der unbeirrbare Weg des kath. Pfarrers lässt es in meinen Augen nicht unwahrscheinlich erscheinen, dass nicht nur eine 1,2 Millionen-Euro-Investition in den Sand gesetzt wird, sondern auch dass wir in 20 Jahren in Eilpe keine christliche Kirche mehr haben. Diese Entscheidung bedarf in meinen Augen einer dringenden Überprüfung durch den neuen Gemeindeverbund!
18:46
16.000 Seelen oder 16.000 Schäfchen??