1247 Unterschriften für Bürgerbüro in Vorhalle

Christiane Laufmann übergibt die Unterschriftenliste für Erhalt des Bürgerbüros in Vorhalle an Peter Timm
Christiane Laufmann übergibt die Unterschriftenliste für Erhalt des Bürgerbüros in Vorhalle an Peter Timm
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Die endgültige Schließung des Bürgerbüros hat den Bemühungen von Christiane Laufmann und Martina Stange, so viel wie möglich an Infrastruktur in Vorhalle zu erhalten, einen schweren Schlag versetzt.

Vorhalle.. Die endgültige Schließung des Bürgerbüros hat den Bemühungen von Christiane Laufmann und Martina Stange, so viel wie möglich an Infrastruktur in Vorhalle zu erhalten, einen schweren Schlag versetzt. „Vorhalle blutet aus“, beschreibt Frau Laufmann das schleichende Abwandern von Behörden, Geschäften und Institutionen.

Die Übergabe von 1247 Unterschriften für den Erhalt des Bürgeramtes an Peter Timm, SPD-Mitglied in der Bezirksvertretung Nord, kommt also im Grunde zu spät. Dennoch händigte sie dem Politiker die Listen jetzt aus, um zu dokumentieren, dass die Menschen in Vorhalle sich von Politik und Stadtverwaltung zunehmend als fünftes Rad am Wagen behandelt sehen. „Wir wollen noch einmal zeigen, dass wir mit der Schließung des Büros nicht einverstanden sind“, so Frau Laufmann. Sie habe die Unterschriften eigentlich viel früher übergeben wollen, doch hätten sich diverse Politiker mehr oder weniger weggeduckt. Erst jetzt sei mit Timm ein Bezirksvertreter bereit gewesen, sich der Sache anzunehmen.

Beschwernisse für Senioren

Die Schließung des Bürgerbüros bringt vor allem für Senioren erhebliche Beschwernisse mit sich. Die schwerbehinderte Karin Wichmann (65) wollte am Freitag ihren Personalausweis verlängern lassen und stand vor verschlossenen Türen. „Wenn doch wenigstens einige Stunden pro Woche geöffnet wäre“, schnaufte sie. Wie alle Vorhaller muss sie nun ins Bürgeramt Boele oder ins städtische Rathaus fahren. Mit ihrem Schwerbehindertenausweis kann sie zwar kostenlos Bus fahren, aber andere Senioren müssen für die Fahrkarte bezahlen: „Und mit einer kleinen Rente geht das ins Geld“, kritisiert sie die wenig bürgernahe Sparpolitik.

Marode städtische Finanzen

Auf Beschluss des Stadtrates war das Bürgerbüro im Stadtteilhaus Ende Juni geschlossen worden. Die Maßnahme war Teil des Sparpaktes zur Sanierung der maroden städtischen Finanzen, zugleich hieß es, der geringe Publikumsverkehr in dem Büro, in dem zwei Mitarbeiterinnen Ausweisangelegenheiten und weitere Anliegen von Vorhaller Bürgern bearbeiteten, rechtfertige die Aufgabe des Amtszimmers. Timm erklärte, die Listen an Bezirksbürgermeister Heinz-Dieter Kohaupt weiterzuleiten. Zudem erinnerte er daran, dass sich die Bezirksvertretung dem Ratsbeschluss seinerzeit entgegengestellt und auf die Beibehaltung des Bürgerbüros in Vorhalle gedrungen habe: „Das hat nur nichts genutzt. Die Bezirksvertretung hat leider nur beratende Funktion.“

Schon vor einiger Zeit hatte Christiane Laufmann 1171 Unterschriften für den Erhalt der Postagentur, die sie und Martina Stange ebenfalls gesammelt hatten, an die Post gesandt. Zwar ist auch diese Forderung überholt, denn nach der Schließung der Postagentur in der Lottoannahmestelle Prinz hat unweit des Stadtteilhauses längst eine neue Filiale eröffnet, doch auch in diesem Fall wollen die beiden engagierten Frauen noch einmal aufzeigen, wie groß der Wunsch der Menschen in Vorhalle nach einer Nahversorgung ist, die wenigstens die fundamentalsten Angebote bereit hält. „Hier wohnen sehr viele alte Menschen, die fahren doch nicht in die Innenstadt, um sich eine Briefmarke zu kaufen.“ Auch Peter Timm kann nicht nachvollziehen, dass vor der Agentur noch immer kein Briefkasten hängt. Auf Anfrage habe ihm ein Sprecher des Unternehmens mitgeteilt, das Abmontieren und Neuaufhängen eines Briefkastens „koste ja Geld“ und sei deshalb bislang unterblieben.

Phantasielose Politik

Wie auch immer – viele Bürger würden sich mittlerweile umorientieren, stellt Christiane Laufmann fest: „Auf dem Herdecker Wochenmarkt trifft man donnerstags ganz Vorhalle.“ Die Welt ändere sich rasant, natürlich sei auch ihr bewusst, dass nicht alles bleiben könne, wie es war, aber dass die Stadt auf neue Entwicklungen phantasielos mit der Schließung einer für die Bürger wichtigen Anlaufstelle rea­giere, könne es doch auch nicht sein, so Frau Laufmann: „Und ich denke mir immer, dagegen muss man etwas unternehmen. Zumindest den Versuch muss man machen.“