1,2 Millionen Euro Altschulden werden zum Verhängnis

Patrick Seidel ist neuer Geschäftsführer bei Phoenix Hagen.
Patrick Seidel ist neuer Geschäftsführer bei Phoenix Hagen.
Foto: Michael Kleinrensing
Was wir bereits wissen
Phoenix-Geschäftsführer Patrick Seidel muss die Suppe auslöffeln, die seine Vorgänger ihm hinterlassen haben. Bei der Liga-Leitung genießt er hohes Ansehen.

Hagen.. Phoenix-Geschäftsführer Patrick Seidel ist kaum zu beneiden: Gerade einmal sechs Wochen im Amt, muss der Mann – quasi ohne eigenes Zutun – schon den schweren Gang zum Amtsgericht antreten und die Planinsolvenz beantragen. Damit löffelt er letztlich jene Suppe aus, die ihm seine Vorgänger hinterlassen haben.

Zahlungsunfähigkeit droht

Ähnlich wie seine Amtsvorgänger Christian Stockmann und Peter Brochhagen war Seidel Anfang September als der neue Heilsbringer installiert worden, der endlich autodidaktisches Halbwissen durch professionelle Kompetenz ersetzen sollte. Dabei ist der jetzt eingeschlagene Weg gegenüber den Gläubigern und gegenüber der Liga durchaus ein Ausdruck von hoher Fachlichkeit: „Eine Fortführung des Spielbetriebes ist nur noch über die Insolvenzordnung möglich“, wurde in den Augen von Seidel angesichts der strukturellen Probleme zuletzt allzu forsch behauptet, die Situation im Griff zu haben. Das Gegenteil ist der Fall. Es droht die Zahlungsunfähigkeit.

Zu Beginn des Jahres 2015 wurden bei der Neugründung der „Phoenix Hagen GmbH & Co. KGaA“ (Kommanditgesellschaft auf Aktien) nicht bloß neue Gesellschafter mit frischem Kapital (400 000 Euro) präsentiert, sondern auch der Eindruck erweckt, damit ein Geschäftsmodell aus der Taufe gehoben zu haben, mit dem die Altschuldenproblematik final in den Griff zu bekommen sei. Ein Trugschluss, wie die monatelangen Aufräumarbeiten in den Phoenix-Geschäftsbüchern zuletzt zu Tage förderten. Die Doppelspitze Oliver Herkelmann (Geschäftsführer) und Thomas Haensel (Aufsichtsratsvorsitzender) hatte bis zu diesem Zeitpunkt bereits Verbindlichkeiten in Höhe von 1,2 Millionen Euro aufgetürmt. „Mit dem Aufstieg hatte sich vor allem durch die Hallenthematik eine Schulden-Bugwelle aufgetürmt“, so die Bilanz von Ehrenamtlichen-Frontmann Martin Erlmann, „die nicht mehr beherrschbar war.“ Diese bricht jetzt ungebremst über das Phoenix-Boot herein, ohne ihr ein tragfähiges Konzept in Richtung Zukunft entgegenstellen zu können.

Ertragslage verbessert

Die Verschmelzung der Phoenix-Alt-GmbH mit der neuen KGaA scheiterte an der Tatsache, dass der Altschulden-Rucksack dreimal so gewaltig ausfiel wie das Extra-Kapital, das die neuen Gesellschafter mitbrachten. Inzwischen ist es zwar gelungen die Ertragslage deutlich zu verbessern. Gläubiger wie die Berufsgenossenschaft oder auch Krankenkassen, die zum Teil drei Jahre lang auf ihre Forderungen warten mussten, wurden zwischenzeitlich befriedigt. Weite Teile der liquiden Mittel sind seit Januar 2015 in die Rückführung der Verbindlichkeiten geflossen, so dass inzwischen bloß noch ein Restbetrag von etwa 400 000 Euro übrig bleibt. Diese sollen über die nächsten vier Jahre, so ist es mit der Liga abgestimmt, weiter abgebaut werden. Ein Unterfangen, so die Fortführungsprognose von Seidel, das auch in der ProA gelingen kann, ohne einen Wiederaufstieg aus den Augen zu verlieren.