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1,1 Millionen Euro kostet die Umsiedlung von 1024 Kröten in Hagen

06.11.2012 | 18:27 Uhr
1,1 Millionen Euro kostet die Umsiedlung von 1024 Kröten in Hagen
1,1 Millionen Euro kostet die Umsiedlung von 1024 Kröten in Hagen.Foto: WP

Hagen-Helfe.   Die Dämme der Buschbachteiche werden derzeit abgebaut und die dort hausenden Erdkröten müssen umgesiedelt werden. 1,1 Millionen Euro kostet diese Maßnahme. Vielen Bürgern hingegen bleibt der Zutritt zum Fleyer Wald aus Sicherheitsgründen verwehrt.

Eines der groteskesten Stücke in der wahrlich an grotesken Stücken nicht armen Hagener Stadtgeschichte entwickelt sich zum Dauerbrenner: die Renaturierung des Buschbachs. Und damit verbunden: die Umsiedelung von 1024 Kröten für 1,1 Millionen Euro . Sie haben richtig gelesen.

Die Rückkehr des Buschbachs in sein natürliches Flussbett mag ökologisch gerechtfertigt sein. Die Umstände, unter denen das Projekt vonstatten geht, erinnern jedoch eher an bürokratische Extravaganz.

Die Wasserrahmenrichtlinie der Europäischen Union schreibt vor, dass natürliche Fließgewässer, also Bäche oder Flüsse, durchgängig sein müssen. Daher müssen die beiden künstlichen Teiche, in die sich der Bach unmittelbar hinter dem Altenheim Buschstraße im Fleyer Wald ergießt, verschwinden, denn sie wurden in der Nachkriegszeit als Klärgewässer für das angrenzende Seniorenzentrum angelegt.

Als das Altenheim 1959 Anschluss ans öffentliche Kanalnetz erhielt, nutzte die Stadtentwässerung Hagen (SEH) die Teiche als Regenrückhaltebecken. So konnte verhindert werden, dass das bei starken Unwettern aus Teilen der Feith- und der Baurothstraße talwärts strömende Wasser im Lennetal Überschwemmungen verursacht. Doch aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens darf das Regenwasser nicht länger ungeklärt in den Buschbach geleitet werden, es wird über ein Filtersystem gereinigt. Die Teiche sind somit entbehrlich, das Wasser wurde bereits weitgehend abgepumpt.

Wege aus Sicherheitsgründen gesperrt

Obwohl der Abbau der nun überflüssig gewordenen Staudämme an den Teichen bereits beschlossene Sache war, ließ die Stadt ein Bodengutachten in Auftrag geben, das zu dem Ergebnis kam, die Bauwerke seien brüchig und nicht mehr standsicher. Am 31. Oktober 2011 wurden die Dämme und die über sie hinweg führenden Spazierwege aus Sicherheitsgründen aufwändig gesperrt - sehr zum Leidwesen der Bewohner des Altenheims und vieler anderer Erholung Suchender, denen der Weg in den Wald seitdem verwehrt ist.

Als „Wahnsinn mit Methode“ bezeichnet Dr. Bernhard Verbeek, Anwohner aus Fley, die Sperrung der zum Abriss verdammten Dämme, deren angebliche Instabilität er anzweifelt: „Sie sind doch von einem stabilisierenden Betonbauwerk durchzogen. Das hat man anscheinend einfach ignoriert.“ Stattdessen fordert Verbeek, dem „gefahrenträchtigen behördlichen Sicherheitswahn“ ein Ende zu bereiten.

Auch Uwe Sommer, bei der SEH zuständig für Entwässerungs- und Wasserbaumaßnahmen, gibt zu, dass die Baufälligkeit der Dämme schwer zu vermitteln sei: „Vom Anblick her ist alles in Ordnung. Aber rechnerisch . . .“ Immerhin hat der Rückbau der beiden Erdwälle inzwischen begonnen, einer von beiden soll mit „geeignetem Material“ aber gleich wieder aufgebaut werden: „Damit der Weg für Spaziergänger und Forstfahrzeuge erhalten bleibt“, berichtet Sommer.

Drei Jahre lang müssen die Kröten umgesetzt werden

Die peniblen EU-Bürokraten sollen mit einem 24 Meter langen Durchlass besänftigt werden, der dem Buschbach die Durchgängigkeit auf natürlicher Sohle ermöglicht. Aber auch die kostspielige Umsiedelung der diversen Krötenarten, die bislang an den Buschbachteichen hausten und ablaichten, dürfte die Beamten in Brüssel befriedigen. Drei Jahre lang werden die Amphibien ab Frühjahr 2013 eingesammelt und an zwei neuen Teichen nahe der Kreuzung von Weidekamp- und Helfer Straße ausgesetzt, denn die tumben Quaktaschen kehren - ihr biologischer Mechanismus will es so - stets an den Ort ihrer Geburt zurück.

„Die ganze Maßnahme ist schwer nachzuvollziehen, zumal 1,1 Millionen Euro eine ungeheure Summe darstellen. Aber wir müssen uns an Recht und Gesetz halten, auch wenn manche EU-Richtlinien regelrechte Auswüchse sind“, bringt Jörg Klepper (CDU), Mitglied des Umweltausschusses, die Hilflosigkeit der heimischen Politiker auf den Punkt. Der Stadtrat hat sich mit dem Sachverhalt erst gar nicht befasst. Nur Kenntnisnahme war erforderlich, keine Zustimmung. Das bürokratische Räderwerk läuft von ganz allein, am Rande des Wahnsinns.

Hubertus Heuel


Kommentare
12.11.2012
21:32
1,1 Millionen Euro kostet die Umsiedlung von 1024 Kröten in Hagen
von Roby.70 | #26

Besser wenn das Geld für Schulen,KITAS,und Krankenhäuser,ausgegeben wird und nicht für so ein Müll.

09.11.2012
22:30
1,1 Millionen Euro kostet die Umsiedlung von 1024 Kröten in Hagen
von frauschmidt | #25

Da hat sich wohl jemand mehr Gedanken um die Kröte gemacht, als um die Kröten!

09.11.2012
11:56
1,1 Millionen Euro kostet die Umsiedlung von 1024 Kröten in Hagen
von DarkwingDuck | #24

ich mag kröten - wirklich!
doch erscheint mir die aktion und ebenso die summe vollkommen überzogen zu sein! die hälfte hätte vielleicht gereicht. die andere hälfte bitte dringend für kulturelle einrichtungen einzusetzen!

09.11.2012
11:17
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #23

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

09.11.2012
11:17
1,1 Millionen Euro kostet die Umsiedlung von 1024 Kröten in Hagen
von otaker | #22

Wir haben unsere Kinder heute nicht in die Kita geben können, weil die Personaldecke so dünn ist das 2 Gruppen zusammengelegt werden mussten. Da verliert man jeglichen glauben... 1,1 Million für Kröten und für die Betreuung unserer Kinder ist kein Geld vorhanden!

08.11.2012
22:16
1,1 Millionen Euro kostet die Umsiedlung von 1024 Kröten in Hagen
von xxyz | #21

Wenn Geld so aus dem Fenster geschleudert wird, muss man sich nicht wundern, dass andere Länder an uns vorbeiziehen.

Wer verantwortet so etwas? Rechnen unsere Staatsangestellten auch damit, dass andere Menschen für die Steuern, von denen sie leben, im internationalen Wettbewerb arbeiten müssen?

Was sagt die Aufsicht?

Natur wird sich auf Änderungen der Umgebung einstellen. Das ist Evolution. Da muss man keine Wälle modellieren.

08.11.2012
21:31
1,1 Millionen Euro kostet die Umsiedlung von 1024 Kröten in Hagen
von Roby.70 | #20

Das ist Deutschland.

08.11.2012
07:42
1,1 Millionen Euro kostet die Umsiedlung von 1024 Kröten in Hagen
von leiming | #19

Wieso muss sich der Stadtrat nicht mit einer solchen Massnahme befassen? Das ist unglaublich und vielleicht sollte auch hier die Staatsanwaltschaft einmal genauer hinschauen wer für die Ausgabe dieser Riesensumme verantwortlich zeichnet.

07.11.2012
22:20
Studiert
von RainerN | #18

Ich frage mich ob der Rückbau des Teiches der Natur mehr schadet als nutzt. Auch wenn die Gewässer vor vielen Jahren künstlich angelegt wurden, so haben sich dort doch neben den Kröten sicherlich auch andere Wasserbewohner wohlgefühlt. Außerdem hat der Bach soweit mir bekannt ist, einen Zu- und Ablauf, ist also durchgängig.
Mit der gleichen EU Verordnungen, dass Fließgewässer durchgängig sein müssen, kann auch gefordert werden, dass beispielsweise Hengstey-,Harkort,- und Kemnadersee usw. verschwinden müssen. Und was ist mit den ganzen Talsperren im Sauerland, die auch von Fließgewässern gespeist werden?
Aber vielleicht muss man studiert haben, Politiker sein und in Brüssel oder meinetwegen auch im Hagener Rathaus sitzen um das alles zu verstehen?!

07.11.2012
20:24
1,1 Millionen Euro kostet die Umsiedlung von 1024 Kröten in Hagen
von astrah | #17

Seht Euch doch mal den Rolandbach an der wieder renaturiert wurde. Noch nie Wasser im Bach gesehen. Die Kosten des Umbaus wurden mit ca. 560.000 € veranschlagt. Was es wirklich gekostet hat konnte mir keiner beantworten. Dort wurden die "Kröten" buchstäblich aus dem Fenster geworfen.

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