Zeuge Jehovas als Kriegsdienstverweigerer von Nazis ermordet

Anlässlich des heutigen Gedenktags zur Befreiung des KZ Auschwitz vor 70 Jahren erinnern die Zeugen Jehovas, dass auch Mitglieder ihrer Glaubensgemeinschaft ins KZ verschleppt wurden: Bereits unter den ersten Polen, die aus dem annektierten polnischen Gebieten in KZ verschleppt wurden, befanden sich Zeugen Jehovas, so die Historikerin Teresa Wontor-Cichy.

Diese schrieb, Zeugen Jehovas seien von der SS als einzige religiöse Häftlingsgruppe durch einen gesonderten Winkel stigmatisiert worden: den lila Winkel. Sie seien auch die einzige Gruppe gewesen, die jederzeit hätte freikommen können – allerdings nur durch die Lossagung von ihrem Glauben. Doch kaum einer habe unterschrieben. „Die Häftlingsgruppe verdient jedoch eine besondere Beachtung auf Grund ihrer moralischen Integrität, die sie trotz der Lagerverhältnisse bewahrte. Ihre Haltung resultierte aus religiösen Überzeugungen.“

4200 der 11 300 inhaftierte Zeugen Jehovas seien in Konzentrationslager gekommen, 400 allein nach Auschwitz. 150 von ihnen seien dort gestorben. Insgesamt verloren im Dritten Reich ca. 1 500 Zeugen Jehovas ihr Leben.

Der Gladbecker Wilhelm Valentin Mannel trat ebenfalls mutig für seine religiöse Überzeugung ein, schreibt Ute Golik, die Sprecherin der örtlichen Zeugen Jehovas. Mannel, 1911 geboren, war seit 1934 Zeuge Jehovas. Er wurde am 1. Mai 1941 zum Wehrdienst eingezogen und zwei Tage später inhaftiert, weil er dem Kompanieführer erklärt hatte, dass er es mit seinem Gewissen nicht vereinbaren könne, Waffen in die Hand zu nehmen. Nach mehreren richterlichen Vernehmungen, erinnert Golik, wurde Wilhelm Mannel wegen Kriegsdienstverweigerung zum Tode verurteilt und in das Zuchthaus Brandenburg überführt. Am 25. Oktober 1941 wurde das Urteil vollstreckt: Das Fallbeil setzte seinem Leben ein Ende.

Wilhelm Mannel wohnte im Haus Horster Straße 180. Vor dem Haus erinnert ein Stolperstein, ein mit einer beschrifteten Messingplatte versehener Stein, an den Zeugen Jehovas, „der auch angesichts des Todes den Kriegsdienst verweigerte“, so Ute Golik. Nur Zeugen Jehovas hätten die Möglichkeit gehabt, sich durch die „Verpflichtungserklärung“ der schlechten Behandlung und Folter zu entziehen und ihre Ermordung zu verhindern.