Willi ter Haar hat nur gute Erinnerungen an den Pütt

Die Teilnehmer des Gerätewartkurses von 1963: Willi ter Haar ist in der zweiten Reihe von unten  der vierte Teilnehmer von links.
Die Teilnehmer des Gerätewartkurses von 1963: Willi ter Haar ist in der zweiten Reihe von unten der vierte Teilnehmer von links.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Der ehemalige Kumpel malochte einst auf Zeche Graf Moltke: Heute erzählt Willi ter haar (75) Kindern und Interessierten, wie es als Bergmann war.

Gladbeck..  Unübersehbar trägt Willi ter Haar sein Statement auf der Brust, für wen sein Herz schlägt. Immer noch, obwohl seine aktive Zeit als Bergmann auf der Zeche Graf Moltke und anderen Anlagen längst passé ist. Seine Erlebnisse als Kumpel gibt der 75-Jährige – wie andere Kollegen im REVAG-Geschichtskreis – dem Nachwuchs in Schulen und anderen Interessierten in verschiedenen Veranstaltungen weiter. Dann erzählt Willi ter Haar, wie es so war damals, als Bergleute das schwarze Gold ans Tageslicht beförderten.

Er will dieses Kapitel der lokalen Historie nicht in der Versenkung verschwinden lassen, schließlich gehört der Bergbau zu Gladbeck wie das Arschleder zum Bergmann. „Wir möchten nicht, dass das, was war, einfach vergessen wird“, spricht der ehemalige Moltke-Kumpel für sich und seine Kollegen. Das klingt ein nach verklärender Nostalgie.

Wie verhielt es sich denn nun tatsächlich mit der legendären und viel beschworenen Kameradschaft untereinander? „Das war wirklich so“, beteuert der Gladbecker. Er meint bedauernd und mit einem Kopfschütteln: Unmöglich sei es gewesen, dass jeder für sich sein Ding machte. „Einer für den anderen, da herrschte eine gewisse Kollegialität“, sagt ter Haar mit Nachdruck. Und das galt nicht nur für die Arbeit auf der Zeche, sondern auch für die Zeit nach der Schicht, wenn die Kumpels in ihrer zukünftigen Siedlung eigenhändig gruben, Rohre verlegten und Stein auf Stein legten, um ihre Häuschen zu bauen.

Dort, am Stadtwald, sind die ter Haars immer noch daheim. Eine stilisierte heilige Barbara, Schutzpatronin der Bergleute, an der Fassade signalisiert, dass hier ein (ehemaliger) Kumpel zu Hause ist. Dabei wollte der junge Willi überhaupt nicht – wie sein Vater – auf der Zeche malochen. Doch der gelernte Schlosser sagte eines Tages zu seinen Eltern: „Wisst Ihr was? Ich geh’ aufm Pütt!“ Der Grund: der Verdienst. „14 Mark pro Schicht plus Seilfahrtsprämie“ – das war deutlich mehr, als er nach der Schlosser-Lehre bekommen konnte.

Mit 20 Jahren fing er auf Graf Moltke an: „Ich kam direkt in die Grubenwehr.“ Geblieben sei er bis 1965, als „Schlosser im Streb“. Einen Gerätewartkurs absolvierte ter Haar im Jahr 1963: „Wir mussten die Ausrüstung, zum Beispiel Sauerstoffgeräte, warten, um für den Ernstfall gerüstet zu sein.“ Als Mitglied der mobilen Grubensicherheit sei er in ganz Deutschland im Einsatz gewesen – „aber auch in Belgien, Polen und Österreich“. Willi ter Haar wechselte zu Siemens, bevor er schließlich in den Ruhestand ging. Sicher, das Leben als Bergmann sei kein Zuckerschlecken gewesen. Der 75-Jährige hebt einen Arm und sagt knapp: „Ein Unfall, ich kann ihn nicht mehr richtig bewegen.“ Und seine Frau sei wegen der Überschichten oft allein gewesen. Aber Willi ter Haar sagt mit etwas Wehmut: „Ich habe gute Erinnerungen.“