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Wie leben sie denn?

10.10.2008 | 09:15 Uhr
Wie leben sie denn?

Knapp 1000 Familien machten für den Familienberich 2007 Angaben über ihre Lebenssituation. Ein Ergebnis: In jedem Stadtteil lebt es sich anders.

Gladbeck hat sich schon vor Jahren ein ziemlich mutiges Motto auf die Fahnen geschrieben: Familienfreundliche Stadt. Ob das so stimmt? Das lässt sich nun nachlesen, schwarz auf weiß und höchst detailliert im Familienbericht, den die Stadt in Auftrag gab. Welche Schlüsse aus dem gesammelten Datenmaterial, aufgeschlüsselt nach Stadtteilen, gezogen werden, welche Handlungen erfolgen müssen, das wird nach den Herbstferien Thema in politischen Ausschüssen sein.

Was sich zusammenfassend schon sagen lässt: Mama, Papa und zwei Kinder, das ist die Durchschnittsfamilie auch in Gladbeck. Mehr Kinder haben in der Regel Zuwandererfamilien, und sie leben auch öfter als die Hiesigen mit Oma und Opa unter einem Dach. Eindeutlicher Spitzenreiter in punkto große Familien ist übrigens Butendorf mit einem hohen Anteil an Zuwanderfamilien - hier haben viele Familien vier Kinder oder sogar mehr. Nur noch in Stadtmitte, auch Mitte I genannt, ist die Situation ähnlich. Der Anteil der kinderreichen Familien liegt dort wegen des hohen Zuwandereranteils mit 28 Prozent deutlich über dem Durchschnittswert.

Klarer Gegensatz dazu findet sich in Gladbeck-Ost, oder Mitte II: Das ist der einzige Stadtteil, in dem Ein-Kind-Familien dominieren. Seltener als anderswo gibt es hier Drei-Generationen-Haushalte. 

Noch etwas fällt auf in Gladbeck-Ost: Hier konzentrieren sich auffallend viele Eltern, die ledig sind, getrennt leben oder geschieden sind. Mit 21 Prozent ist der Anteil Alleinerziehender sogar am höchsten in der ganzen Stadt.

Die eher übliche Familienwelt findet sich im Gegensatz dazu in Zweckel und Schultendorf. Hier sind 88 Prozent der Eltern verheiratet. Was mehr ist als im Stadtdurchschnitt: Aber auch da leben immerhin 82 Prozent der Eltern mit Trauschein zusammen.

Papa geht arbeiten, Mama kümmert sich um die Kinder – überholtes Familienmodell? Von wegen. In Gladbeck durchaus üblich, haben die Familienforscher herausgefunden. Mehr als die Hälfte aller Familien lebt dieses Modell was auch mit dem Angebot an Betreuungsmöglichkeiten und Flexibilität von Arbeitszeiten zusammenhängen könnte. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf beurteilen nur 39 % Familien mit gut. So sind auch nur in 29 Prozent der Familien beide Eltern erwerbstätig, etwas höher ist der Anteil in Alt-Rentfort/Ellinghorst (34%) und Rentfort-Nord  (35 %).

Dem gegenüber steht eine relativ hohe Zahl von Familien, in denen keiner arbeitet: Das sind in ganz Gladbeck annähernd zehn Prozent, in Stadtmitte sogar 17 %. Rechnet man die nicht erwerbstätigen Alleinerziehenden (12%) dort hinzu, kommt man auf fast 30 %. 

In welchem Stadtteil lebt es sich nach Meinung der Familien am besten? Die Antworten fallen eindeutig aus: Familien in Alt-Rentfort/Ellinghorst  und Zweckel/Schultendorf sind am zufriedensten mit ihrem Wohnumfeld. Besonders unzufrieden mit ihrer Lebenssituation sind Familien in Stadtmitte und Brauck/Rosenhügel. Das, so die Erklärung im Familienbericht, liege daran, dass in diesen Stadtteilen viele benachteiligte Familien in schlechter Wohnungssituation leben.

Dort wohnen übrigens auch die meisten zugezogenen und die wenigsten gebürtigen Gladbecker. Die findet man vielmehr in Alt-Rentfort/Ellinghorst, in Zweckel/Schultendorf und Gladbeck-Ost. Stadtweit sind nur 32 Prozent der Eltern seit ihrer Geburt Gladbecker.

Maria Lüning

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