Wer piepst in Gladbecks Gärten?

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Was wir bereits wissen
Piepmätze gucken und zählen – das sollten die Gladbecker vom 8. bis 10. Mai im Rahmen einer Mitmach-Aktion des NABU.

Gladbeck..  Dann schlägt zum mittlerweile elften Mal die „Stunde der Gartenvögel“. Mitmachen ist ausdrücklich erwünscht, sagt Michael Korn vom heimischen NABU.

Täusche ich mich, oder war früher mehr Gesang im Garten?

Michael Korn: Pauschalurteile haben nichts mit einer fachlichen Bewertung des Vogelbestandes vor Ort zu tun. Jahreszeit, Witterung, Lebensraumstrukturen wie Hecken, Baumbestand und mehr bestimmen den Vogelbestand in meinem Umfeld. Menschliche Eingriffe wie Zersiedlung können einerseits Vogelarten begünstigen oder zum Bestandsrückgang führen.

Und wofür ist die „Stunde der Gartenvögel“ dann da?

Diese Mitmach-Aktion soll in erster Linie die Natur im Siedlungsraum, eben durch Vogelbeobachtung, dem geneigten Bürger näher bringen. Sicherlich dient sie auch dem Naturschutzbund NABU als gute Plattform für Werbung in eigener Sache, also der Mitgliederwerbung.

Eine Mitmach-Aktion lebt von der Akzeptanz der Bürger. Wie viele Gladbecker sind dabei?

Die Gladbecker Zahl der Beteiligten ist leider nicht verifizierbar.

Beschränkt ist die Aktion auf Siedlungsbereiche wie Gärten, Parks und Friedhöfe. Warum?

Es geht um kurze Wege, das eigene Umfeld ist den meistens Hobby-Vogelbeobachtern bekannt. Würde diese Vogelerhebung in die bäuerlichen Kulturlandschaft, Wälder, Halden und Industriebrachen und Gewässer wie Bäche und Teiche ausgeweitet, könnte es zu Problemen kommen. Zum Beispiel fachliche Überforderung. Denn Vogelbestimmung bedarf einer jahrelangen Übung und Erfahrung im Freiland. Technische Hilfsmittel wie Ferngläser oder sogar Spektive (Fernglas-Teleskop) mit guter Vergütung sind notwendig. Nicht jeder Hobby-Vogelbeobachter wird bereit sein, 500 bis 1000 Euro oder mehr Geld für Ferngläser oder Spektive ausgeben zu wollen. Aber: Eine Stunde für die Vogelbeobachtung im Freiland ist definitiv zu wenig.

Und wenn das Wetter nicht mitspielt?

Es ist nun mal eine Freilandveranstaltung. Auch bei schlechten Wetterlagen sind Vögel aktiv. Revier, Brutverhalten, Nahrungsbeschaffung gehören zum Tagesgeschäft. Also: Vogelbeobachtungen sind möglich, aber sicherlich bei Regen nicht so zahlreich.

Welche Vogelarten halten in den letzten Jahren die ersten Plätze?

Haussperling, Amsel und Kohlmeise liegen auf den ersten Plätzen. Übrigens: In NRW wurden im letzten Jahr von 6897 Vogelfreunden in 4881 Gärten 167 163 Vögel gezählt.

Können Sie sich an den exotischsten Vogel erinnern, der in Gladbeck beobachtet wurde?

Ja, es war der Halsbandsittich.

Rechnen Sie mit Überraschungen bei den diesjährigen Beobachtungsergebnissen?

Nein.

Was macht der NABU mit den gesammelten Daten?

Um zu erfahren, wo welche Vögel vorkommen und wie häufig sie sind, benötigt der NABU die Daten möglichst vieler Naturfreunde. So lässt sich auch langfristig feststellen, wie sich Veränderungen, wie etwa der Klimawandel oder regional auftretende Krankheiten, auf die Vogelwelt auswirkten. Je genauer wir über solche Fragen Bescheid wissen, desto besser können wir uns für den Schutz der Vögel einsetzen.

Was fasziniert denn so an Vögeln?

Mit der Fähigkeit zu fliegen verfügen sie durch ihren einzigartigen Körperbau und ihr Federkleid über eine Kunst, die die Menschheit seit jeher fasziniert hat und die lange Zeit als ein großes unentdecktes Geheimnis galt.

Luftraum zählt als „Zählraum“ dazu

Ergebnisse der einstündigen Vogelbeobachtung werden in einen Meldebogen eingetragen, der auf der Homepage www.nabu.de zu finden ist. Diese Bögen können bis zum 18. Mai per Post oder Internet eingesendet werden. Auf der Internetseite des Nabu findet sich auch eine Zählhilfe mit entsprechender Gebrauchsanweisung.

Wer lieber anrufen möchte, greift am 9. und 10. Mai zum Telefon und gibt seine Ergebnisse unter 0800/1 15 71 15 weiter. Nähere Infos zur Piepmatzzählung finden Interessierte auf www.stunde-der-gartenvoegel.de. Übrigens: Der Luftraum zählt als „Zählraum“ dazu. Ein Vogel muss sich nicht im Garten oder am Futterhäuschen niederlassen, es gilt also auch, wenn er vorbei- oder drüberfliegt.