Weihnachten bei 28 Grad Celsius

Sonne statt Regen, Zulu-Lieder statt Turmblasen: Erstmals verbrachten die Gladbecker Hans und Sigrid Berger das Weihnachtsfest in Südafrika. Dort besuchten sie ihren Sohn Oliver, der mit seiner Familie seit fünf Jahren am Kap der Guten Hoffnung lebt. Der frühere WAZ-Journalist ist inzwischen Reiseleiter für das Südliche Afrika und nahm seine Eltern mit auf eine 4500 km lange Rundreise. Hier ihr Reisebericht.

„Meine Güte, sind die groß geworden“, dachten wir, als wir unsere Enkelkinder Nadja (16) und Tanja (14) am Johannesburger Flughafen wiedersahen. Das letzte Treffen hatte in Gladbeck zu meinem 70. Geburtstag stattgefunden und lag schon 15 Monate zurück. Damals reiften die Pläne zu unserem Sommerurlaub im Winter, und nun waren wir tatsächlich da.

Auf Pirschfahrt um 5.30 Uhr früh

Oliver hatte einen 13-sitzigen Minibus angemietet, der uns von Nord nach Süd durch dieses schöne Land bringen sollte. Vor uns lagen 4500 km auf zum größten Teil befestigten Straßen. Vom Flughafen aus ging es gleich die ersten 450 km nach Osten. In Hazyview, ganz in der Nähe des berühmten Krūger Nationalparks, hatten wir unser erstes Quartier gebucht.

Nach einer Panoramafahrt entlang des Blyde River Canyons mit seinen spektakulären Ausblicken ging es am nächsten Morgen um 5.30 Uhr auf Pirschfahrt. Löwen, Leoparden und andere Wildkatzen sind nachtaktiv, und wir hofften, die Räuber auf ihrem Heimweg zum Schlafplatz anzutreffen. Unsere Tagesausbeute konnte sich sehen lassen: Von den Big 5 bekamen wir Elefanten, Löwen, Nashörner und Büffel vor die Linse.

Auf der Weiterfahrt ins Königreich Swasiland nahm Oliver eine falsche Abfahrt – mit der Folge, dass wir auf einer steilen Schotterpiste und einem spektakulären Bergpass unseren Weg zurück finden mussten. Erst hatten wir gehörig Angst um unser Auto und um uns, aber am Abend in Hluhluwe waren wir uns einig, ein wohl einmaliges Abenteuer bestanden zu haben.

In Durban wollte ich unbedingt das Moses-Mabhida-Stadion besichtigen – den Ort, an dem die deutsche Nationalmannschaft bei der Fußballweltmeisterschaft 2010 im Halbfinale gegen Spanien verlor. Damals bin ich auch zu Besuch in Südafrika gewesen, aber bis hierhin hatte ich es nie geschafft.

In den Drakensbergen unternahmen wir einen ganz besonderen Ausflug: Mit Geländewagen sind wir den Sanipass hinauf nach Lesotho gefahren, die drittsteilste Passstraße der Welt. Auf 2830 m über dem Meeresspiegel empfingen uns Vertreter des Basothovolkes in ihren Hütten, ehe wir uns im höchstgelegenen Pub von Afrika ein paar leckere Burger gönnten.

Wieder zurück auf Meeresspiegelniveau, verbrachten wir das Weihnachtsfest in Gonubie am Indischen Ozean. Hier hat Oliver vor 17 Jahren seine Monique geheiratet. Bei 28 Grad und mit einem künstlichen Christbaum ist Weihnachten auf der Südhalbkugel etwas gewöhnungsbedürftig. Egal, wir waren erstmals nach fünf Jahren wieder als Familie beim Fest zusammen, und trotz der Wärme kam bei uns richtige Weihnachtsstimmung auf.

Nun sind es noch etwas mehr als 1200 km bis Kapstadt. Wir wollen über die Gardenroute fahren und Station in Tsitsikamma sowie in Knysna machen. Hier werden wir auch bei einem Feuerwerk über der Lagune das neue Jahr begrüßen.