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Serie: Pflegekinder

Von heute auf morgen Mutter

19.02.2010 | 19:20 Uhr
Von heute auf morgen Mutter

Als Bereitschaftspflegemutter bekommt die 30-jährige Tina Linke manchmal innerhalb weniger Stunden Nachwuchs. Acht Babys hat sie bisher für jeweils einige Monate aufgenommen.

Oben, unter dem Dach, ist das Babyzimmer. Eine Wiege und ein kleines Bettchen stehen dort, an der Wand hängt ein ausklappbarer Wickeltisch, auf dem ein einsamer Schnuller liegt. Dass der kleine Raum so aufgeräumt ist, hat einen besonderen Grund: Er ist zurzeit nicht bewohnt. Doch manchmal, da geht es ganz schnell, da bekommt Tina Linke von einem Tag auf den anderen, ja sogar innerhalb einiger Stunden Nachwuchs.

Die 30-Jährige, die mit ihrem Mann und drei Kindern in dem bunt-tapezierten Haus wohnt, ist Bereitschaftspflegemutter. Babys bis zum Alter von 14 Monaten nimmt sie kurzfristig bei sich auf. Oft sind es Kinder, die vom Jugendamt in Obhut genommen wurden. Drogen, Alkohol, Krankheiten oder andere Probleme - es gibt viele Gründe, warum sich manche Eltern nicht um ihren Nachwuchs kümmern können.

Manchmal kommen die Säuglinge direkt von der Geburtsstation zu Tina Linke. Seit fünf Jahren nimmt sie die Kleinen auf, um acht Babys hat sie sich bereits gekümmert. „Das ist jede Mal spannend“, sagt die junge Frau, die früher als Tagesmutter gearbeitet hat, und strahlt dabei. „Wir müssen herausfinden, was das Kind für Bedürfnisse hat - welches Lieblingstier es hat, welche Milch es gern mag.“

Im Durchschnitt bleiben die Babys für drei Monate, mal kann es auch ein halbes Jahr werden. In dieser Zeit wird geprüft, ob das Kind in die Familie zurück gehen kann oder ob es in eine Dauerpflegefamilie kommt. Besuchen dürfen die Eltern ihre Kleinen: „Sie können sich im Jugendamt unter Aufsicht für eine Stunde sehen“, erklärt Petra Praske, Mitarbeiterin des Pflegekinderdienstes. Dort wird auch beobachtet, wie die Eltern mit ihrem Kind umgehen.

Die „Übergangsmutter“ werde zunächst skeptisch betrachtet, hat Tina Linke erfahren. „Sie sehen mich am Anfang meist als Konkurrenz.“ Nach einiger Zeit entwickele sich daraus aber oft ein Vertrauensverhältnis. „Ich freue mich, dass mein Kind bei Ihnen so gut aufgehoben ist“, sage die ein oder andere Mutter schon mal. „Oft sind es Eltern, die noch nie ein Kind hatten“, weiß Tina Linke. Sie versucht ihnen zu helfen, zeigt ihnen zum Beispiel, wie man ein Fläschen zubereitet. „Manchmal entwickeln sich daraus auch Freundschaften.“ Zu einigen hat sie auch nach Jahren noch Kontakt.

Wenn Tina Linke ein Baby aufnimmt, steht sie regelmäßig mit dem Jugendamt in Verbindung. Eine Voraussetzung dafür, dass sie die Baby-Pflege übernehmen konnte, war, dass auch ihr Mann und die drei Kinder einverstanden sein mussten. Viele Babys haben gesundheitliche Beeinträchtigungen, so dass oft Besuche beim Kinderarzt, bei der Frühförderung oder der Krankengymnastik anstehen - „das kostet viel Mühe und Zeit“. Die eigenen Kinder im Alter von acht, zehn und zwölf Jahren müssten dann auch mal auf die Gute-Nacht-Geschichte verzichten oder den Frühstückstisch selbst decken. „Das wirkt sich auch auf ihr Sozialverhalten aus“, hat Tina Linke beobachtet. „Sie merken, dass es nicht selbstverständlich ist, dass die Eltern da sind.“

Wenn es so weit ist und das Baby zurück in die Familie oder zu Pflegeeltern kommt, falle ihr der Abschied schon schwer, gibt die Mutter zu. Manchmal wachsen ihr die Kinder sehr ans Herz. „Aber ich genieße dann auch wieder den Alltag mit meinen größeren Kindern.“ Und den Babys wünscht sie vor allem eines: „Ich hoffe immer, dass ich ihnen ein Stück Geborgenheit mitgeben kann.“

Jenny Busche

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