Von Gladbeck nach Bad Honnef - Rettung für Fuchs Flann

Fuchs-Rüde Flann hat motorische Probleme und kann sich nur schlecht konzentrieren, er vergisst sogar zu fressen.
Fuchs-Rüde Flann hat motorische Probleme und kann sich nur schlecht konzentrieren, er vergisst sogar zu fressen.
Foto: Becker
Was wir bereits wissen
Der Rüde wurde entkräftet in einer Siedlung eingefangen. Nun kümmert sich die Wildtierstation „Retscheider Hof“ um ihn. Bis zur Auswilderung.

Gladbeck.. Als der Fuchs eingefangen wurde, war er am Ende seiner Kräfte. Anwohner hatten ihn in den Wochen vorher immer mal wieder durch die Wohnsiedlung in Gladbeck streifen sehen.

Schließlich gelang es Tierschützern aus Gladbeck Mitte Dezember, den etwa ein Jahr alten Fuchs einzufangen. Sie brachten ihn in die Wildtierstation „Retscheider Hof“ bei Bad Honnef. Das war das Glück von Flann. So haben die Helfer in der privaten Aufzuchtstation den Fuchs-Rüden aus Gladbeck getauft.

Wildtiere „Gut 50 bis 60 Prozent aller Wildtiere aus dem Ruhrgebiet landen bei uns. Wir sind die einzige Wildtierstation dieser Art“, erklärt Nils Michael Becker vom Retscheider Hof die gut 130 Kilometer, die die Tierschützer mit Flann bis an den Rand des Naturparks Siebengebirge zurückgelegt haben. Auf dem Hof kümmert sich Stefanie Huck mit Ehemann Nils Michael Becker und weiteren Helfern um verwaiste oder in Not geratene Wildtiere.

„Flann reagiert extrem verzögert“

Für Flann war es wohl die letzte Rettung, denn der Fuchs befand sich in einem üblen Zustand. Doch nun erfährt der Rüde die optimale Betreuung, auch medizinisch. Dabei ist es mittlerweile nicht mehr der Gesundheitszustand, der Sorgen bereitet. Vielmehr sind es seine Verhaltensauffälligkeiten. „Flann reagiert extrem verzögert, ist motorisch unsicher, schläft wahnsinnig viel und kann sich nur sehr schlecht konzentrieren“, erklärt Becker. Wenn Flann frisst, bleibt deshalb immer jemand bei ihm. „Sonst lässt er sich nämlich ablenken und vergisst das Fressen einfach.“

Dennoch laufen auch die medizinischen Untersuchungen weiter. Um mögliche Infektionen ausschließen zu können, wurden Flanns Blut- und Urinproben sogar an einen englischen Fuchsexperten geschickt. Röntgenaufnahmen stehen auch noch an. Zudem erhält der junge Fuchs-Rüde ein Spezialfutter.

Wahrscheinlich wurde er von Menschen aufgezogen

Was Flann genau zugestoßen ist, darüber können die Helfer nur spekulieren. Seine Verhaltensauffälligkeiten und sein Zutrauen zu Menschen lassen Nils Michael Becker allerdings vermuten, dass er von Hand aufgezogen wurde. „Sollte das der Fall sein, haben die Menschen allerdings alles falsch gemacht“, so Becker. Denn wahrscheinlich wurde der junge Fuchs allein und auf viel zu kleinem Raum gehalten. Das würde zumindest sein Verhalten erklären.

Oberstes Ziel für alle Schützlinge vom Retscheider Hof ist die Auswilderung, sobald es ihnen wieder gut geht. Die Domestizierung von Wildtieren lehnen die Tierschützer ab. Im Fall von Flann wird es noch gut drei Monate dauern, bis abzuschätzen ist, ob er dann für ein Leben in der freien Natur bereit ist.

Oft ist die Handaufzucht gar nicht nötig

Neben Aktionen der Landschafts- und Naturpflege ist die Wildtieraufzucht ein wichtiges Projekt des Vereins „Retscheider Hof e.V.“ in Bad Honnef. Wer ein Wildtier oder einen Wildvogel in Not entdeckt, kann sich an die Helfer wenden.

In diesem Zusammenhang haben die Tierschützer allerdings eine große Bitte: „Kontaktieren Sie uns, bevor Sie ein scheinbar hilfloses Tier (...) zu uns bringen.“ In vielen Fällen sind diese Tiere und Jungtiere nämlich gar nicht in Not und deshalb ist auch eine Handaufzucht nicht nötig. Tipps und Ratschläge dazu gibt es von der Wildtierstation am Telefon, in wirklichen Notfällen auch rund um die Uhr.

Spenden für die Wildtiere werden immer benötigt

Über Spenden freut sich das Team vom Retscheider Hof ebenfalls, denn Versorgung und Aufzucht der Wildtiere stellen einen erheblichen Kostenfaktor dar.

Retscheider Hof, 53604 Bad Honnef, Retscheider Straße 7, Telefon 02224/ 9769 0820, weitere Infos im Netz unter www.retscheider-hof.de