Viele Gladbecker haben Trümmer geräumt

Nach dem Krieg ein häufiges Bild: Fleißige Gladbecker Frauen beseitigen Trümmer mit Hammern und bloßen Händen.
Nach dem Krieg ein häufiges Bild: Fleißige Gladbecker Frauen beseitigen Trümmer mit Hammern und bloßen Händen.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Peter Schmidt ärgert sich über die Doktorarbeit „Mythos Trümmerfrauen“. Mit anzupacken sei normal gewesen. Als Lichtgestalt habe sich niemand gefühlt.

Gladbeck..  „Was will die junge Frau mit so einer Doktorarbeit bezwecken?“, fragt WAZ-Leser Peter Schmidt. Er sei bestimmt nicht der Einzige, der sich über den Zeitungsbericht zur Veröffentlichung von Historikerin Leonie Treber (34) geärgert habe, die von einem Mythos der Trümmerfrauen spricht. Das sei doch eine Beleidigung für jeden, der damals mit angepackt habe, „um die Trümmer der Bombenschäden zu beseitigen“. Auch in Gladbeck seien viele Frauen aktiv gewesen, „die Männer waren doch im Krieg, oder sind erst spät aus der Gefangenschaft zurückgekehrt“. Auch er als Kind habe in den Trümmern gepickt und geholfen. „Mit der ganzen ersten Volksschulklasse von der Schillerschule sind wir 1947 losmarschiert zur zerstörten Evangelischen Pauluskirche, um Steine zu putzen“, berichtet der heute 73-Jährige.

Nach der Evakuierung hatte er die Bombenangriffe auf Gladbeck und Brauck nicht miterleben müssen. „Unser Haus in der Grünewaldstraße wurde schwer getroffen, davon hat mein Vater, als er von der Zechenschicht kam, nur noch die Trümmer vorgefunden.“ Vom Pütt seien die Wohnhäuser aber rasch wieder für die Kumpel und ihre Familie aufgebaut worden.

Natürlich hätten die Trümmerfrauen oder Schulkinder nur das bewegen können, was mit ihrer Hände Arbeit ohne schweres Gerät möglich war. „Aber ich bin mir sicher“, sagt der Braucker, „dass die Trümmerbeseitigung

nicht so schnell funktioniert hätte, wenn die Bereitschaft der Bevölkerung nicht so groß gewesen wäre, dabei mitzuhelfen.“ In der sicher nicht einfachen Zeit hätten damals viele Gladbecker zusammengestanden.

Not machte erfinderisch

Dass die Not auch erfinderisch mache, davon könne er berichten, sagt Peter Schmidt mit einem Augenzwinkern. So sei er damals selbst als Unternehmer tätig geworden. „Wir Jungs haben mitbekommen, dass jemand an der Landstraße ein Haus aufbaut“, erzählt der Gladbecker. Baumaterial sei dazu immer begehrt gewesen. „Da haben wir fleißig in den Trümmern Ziegel geputzt, auf einen Bollerwagen gepackt und sind zur Landstraße marschiert.“ Für einen Pfennig pro Ziegel sei man dort handelseinig geworden.

Verkaufsabsichten mit einem konkreten Ziel: „Wir brauchten jeder 50 Pfennig. Wir wollten doch so gerne das Ruhrtheater im Saal von Kamphowe besuchen.“ Jeden Sonntag um 13 Uhr war Kindervorstellung in Brauck.

Dieses Mal waren die geschäftstüchtigen kleinen Trümmerspechte mit dabei – und konnten so den sicher nicht immer leichten Alltag der Nachkriegszeit zumindest während der fröhlichen Vorstellung ein wenig vergessen.