VGW-Sommercamp bietet Anschluss nach dem Abschluss

Sozialdezernent Rainer Weichelt und VGW-Geschäftsführerin Jutta Kleinmanns besuchten die Schüler des Sommercamps 2015.  Sie haben schon bei der Bewerbung ihre Motivation unter Beweis gestellt.
Sozialdezernent Rainer Weichelt und VGW-Geschäftsführerin Jutta Kleinmanns besuchten die Schüler des Sommercamps 2015. Sie haben schon bei der Bewerbung ihre Motivation unter Beweis gestellt.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Zehn junge Gladbecker hoffen durch die Teilnahme auf eine Perspektive nach dem Schulabschluss. Hochmotiviert trainieren sie trotz Fastenzeit und Hitzerekord.

Gladbeck..  „Meine Freunde halten das für ziemlich verrückt“, sagt Mohamed (16) und blickt vielsagend. Denn die Freunde schlafen aus, gehen ins Freibad, genießen den Sommer. Orkun, Sezar, Mohamed, Taifun und sechs weitere Jugendliche dagegen sitzen (und schwitzen zurzeit) jeden Morgen um acht Uhr pünktlich im Klassenraum des Albert-Schweitzer-Bildungszentrums. Bruchrechnung, Rechtschreibung und vor allem Bewerbungs- und Kommunikationstraining stehen auf ihrem Stundenplan, Lehrer Leonhard Föcher arbeitet ein umfrangreiches Lernprogramm mit ihnen durch. Man merkt: Dieses „Sommercamp“ hat wenig mit Freizeitspaß zu tun. Aber es bietet den Jugendlichen eine Riesenchance, nach dem Schulabschluss doch noch den Anschluss in eine Ausbildung zu bekommen.

Zum zwölften Mal führt der VGW (Verein zur Förderung der Gladbecker Wirtschaft) dieses eher ungewöhnliche Ferienangebot für Entlassschüler durch, die noch keinen Ausbildungsvertrag in der Tasche haben. Das Konzept wurde diesmal etwas verändert, nach zwei Wochen Schule absolvieren die Teilnehmer Praktika, häufig in VGW-Mitgliedsbetrieben, oft im gewünschten beruflichen Bereich. Das Ausbildungscoaching-Projekt der Stadt „Anstoß“ begleitet die Maßnahme.

Erfolg spricht sich herum

Und es hat sich in Gladbeck herumgesprochen, dass die Teilnahme am Camp schon eine Eintrittskarte in eine Lehrstelle sein kann. „Meine Schwester war im vergangenen Jahr hier und fängt jetzt am 1. August eine Ausbildung als MTA an“, sagt Mona (17). Omar (19) hat zwei Freunde, bei denen es dank Sommercamp doch noch mit einer Lehrstelle in Gladbeck geklappt hat.

Warum es bei den Teilnehmern des Camps bisher nicht funktioniert hat? Die Geschichten, die die Jugendlichen erzählen, ähneln sich. Dutzende Bewerbungen haben sie geschrieben, manchmal sogar ein Vorstellungsgespräch gehabt. Aber dann wurde doch ein anderer Bewerber genommen. „Warum?“ Omar, der die Höhere Handelsschule abgeschlossen hat und sich seit Dezember zigmal um eine Ausbildung im kaufmännischen Bereich beworben hat, zuckt mit den Schultern. „Das erfährt man nicht.“

An der Motivation der Jugendlichen kann es jedenfalls nicht liegen. Orkun Bayram (22) hat dafür den Urlaub mit der Familie sausen lassen, auch die Möglichkeit eines Nebenjobs ausgeschlagen. „Das muss jetzt einfach klappen“, hofft der junge Mann, der vier Semester Wirtschaftsinformatik studiert hat, jetzt aber lieber etwas Praktisches im kaufmännischen Bereich machen möchte.

Bereits bei der Bewerbung fürs Sommercamp müssen die Teilnehmer ihren ernsthaften Willen und ihr Potenzial nachweisen. Dies und die Disziplin, mit der sie dann für die Zukunft büffeln, während ihre Freunde die freie Zeit genießen, beeindruckt potentielle Arbeitgeber. In diesem Jahr werden sie womöglich noch etwas mehr staunen über die Ernsthaftigkeit der jungen Leute. Sie sind alle Muslime, fasten jetzt im Ramadan tagsüber und sind dennoch hoch konzentriert bei der Sache. Die erste Lektion in Kommunikation haben sie gut im Gedächtnis. „Wie ich etwas sage bei der Vorstellung, ob ich laut oder leise spreche, ist wichtig“, weiß Mona jetzt – und will es beherzigen..