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Verständnis ist kein Freifahrtschein

01.08.2011 | 18:18 Uhr

Gladbeck.Die Arbeitslosenstatistik zeigt es Monat für Monat: Gut die Hälfte aller Langzeitarbeitslosen und Hartz-IV-Empfänger hat einen Migrationshintergrund. Das ist ein guter Grund für das Gladbecker Jobcenter, sich mit diesem Thema besonders zu beschäftigen. Denn „Integration in den Arbeitsmarkt“ bedeutet auch Integration in einem weiteren Sinne.

Was aber muss beachtet werden, um mehr Menschen mit Migrationshintergrund in Arbeit zu bringen? Das ist ein Schwerpunktthema im Gladbecker Jobcenter, zu dem ein Arbeitskreis, in dem zwei Mitarbeiter selbst einen Migrationshintergrund haben, ein Konzept erarbeitet hat.

„Ein Patentrezept gibt es natürlich nicht“, betont Jobcenter-Leiter Dietmar Aspöck. Aber viele kleine Bausteine für den Weg zu einer besseren Integration: Interkulturelle Kompetenz z. B. ist ein Grundsatz des Konzepts, das allen Jobcenter-Mitarbeiter vermittelt wird. Grundsätzlich bedeute das eine „wertschätzende Haltung gegenüber jeder Kultur“, erklärt Fallmanagerin Uta Bruns. Verständnis für kulturelle Eigenheiten sei aber kein Freifahrtschein für andere Verhaltensweisen. Bruns: „Wir sind eine deutsche Behörde, also gelten unsere Regeln.“ Bei der Termineinhaltung zum Beispiel. Wer meint, zwei Stunden nach der vereinbarten Zeit kommen zu können, erfährt als Konsequenz, dass „ein neuer Termin gemacht wird“, erklärt Fallmanagerin Mechthild Metz.

Gelernt haben auch die Fallmanager selbst einiges bei der Beschäftigung mit dem Thema. Dass die „Amtssprache“ nicht immer richtig verstanden wird. Dass bestimmte Gesten in unterschiedlichen Kulturkreisen andere Bedeutung en haben können - zu diesem Zweck liegen im Warteraum mehrere Exemplare des Gestik-Ratgebers „Versteh mich nicht falsch“ aus. Festgestellt wurde auch, dass zwar immer schon nach dem Hartz IV-Grundsatz „Fördern und Fordern“ erwerbsfähiger Mitglieder einer Bedarfsgemeinschaft gearbeitet wurde, Frauen oft außen vor blieben. Aus dem Missverständnis heraus, dass „sie häufig zu Hause sind, traditionell nicht arbeiten.“ Nun wird genauer hingeguckt, werden Frauen zu Gesprächen eingeladen, Sprachkurse oder Weiterbildung angeboten.

Bedeutung von Bildung

Daraus folgt nicht unbedingt eine Vermittlung in eine Beschäftigung, denn dazu fehlen oft die Bildungsvoraussetzungen. „Aber wir halten das für wichtig im Sinne der nachwachsenden Kinder“, sagt Dietmar Aspöck. Wenn sogar die Mutter noch lernt, vermittelt sie ihren Kindern die Bedeutung von Bildung – und so lasse sich eine Zukunft als staatlicher Hilfeempfänger verhindern.

Denn Probleme vieler Migranten auf dem Arbeitsmarkt sind mangelnde Schulabschlüsse, schlechte Deutschkenntnisse oder unzureichende Berufsausbildungen. Dass ein Weiterkommen nur mit Bildung möglich ist, aber nicht sofort mit mehr Euro bezahlt wird - dies zu vermitteln sei aber noch ein Stück harte Arbeit, so die Fallmanager.

Maria Lüning

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