Unterwegs mit rollender Zigarre

Achim Fink (50) ist Radler aus Leidenschaft und mit Velomobilen unterwegs.
Achim Fink (50) ist Radler aus Leidenschaft und mit Velomobilen unterwegs.
Foto: Funke Foto Services
Der Gladbecker Achim Fink geht mit einem Velomobil auf Tour. Er schwärmt vom unglaublichen Fahrgefühl.

Gladbeck.. Wenn Achim Fink mit seiner rollenden Zigarre Fahrt aufnimmt und an Passanten vorbeisaust, dann drehen sich deren Köpfe nach ihm um. Aufgrund seiner Geschwindigkeit kann er im kleinen Rückspiegel die Handzeichen sehen. Es ist nicht der Mittelfinger, der ihm entgegenstreckt wird, es ist der hochgereckte Daumen. „Na prima“, denkt sich der 50-Jährige dann zufrieden und tritt fest in die Pedale seiner per Muskelkraft angetriebenen „Rakete“.

Der Gladbecker ist überzeugter Pilot eines Velomobils, eines Liegerads mit stromlinienförmiger, selbsttragender Vollverkleidung. Ach so, nur der Vollständigkeit halber, wenn die Passanten neben Daumenstrecken noch etwas herausbekommen, dann sind es zwei Wörter: „Scharfes Teil.“

Fink hat es schon immer gemocht, sich aus eigener Kraft fortzubewegen. Am liebsten auf ungewöhnliche Art. Mit drei Jahren stand das erste Trampelauto unterm Tannenbaum. „Das Sitzgefühl war toll. Das hat meine spätere Lust aufs Liegerad beflügelt.“ Vorher jedoch erprobte sich der mittlerweile Zwölfjährige an einem Rennrad mit zehn Gängen – die nicht gingen. „Das war eine Unfallkarre, die ich habe ich in Stand gesetzt.“ Tja, und dann wurde erst mal so vor sich hin geradelt, bis er sich 1993 sein erstes Velomobil kaufte. „Ein Dreirad, das mir ein völlig neues Radgefühl verschaffte.“ Seitdem war’s um ihn geschehen. „Ich gebe zu, da hat mich der Virus gepackt und nie mehr los gelassen.“

Überwältigendes Fahrgefühl im Liegen

Fink ist ganz aufs Velomobil fixiert. „Das Fahrgefühl ist einfach überwältigend, ganz anders als bei einem normalen Liegerad.“ Und schon gerät der Mann, der als Pädagoge in einem Behinderten-Wohnheim arbeitet, ins Schwärmen. Die Wörter „Kart-Feeling“ und „englischer Roadster“ fallen in rascher Folge, die Radliebe wird mit Zahlen gefüttert. Rund 7500 Kilometer legt er bei jedem Wetter im Jahr zurück, ist dabei bis zu 30 Stundenkilometer schnell.

Schalke-Blau kommt seine Mango Sport von 2013 daher, sein Arbeitstier, mit dem er in der Freizeit auf Tour geht. Auf kurze Distanz sind dies Ausflüge in Naturparks der Umgebung, denn Fink liebt die Ruhe dort und das Fotografieren aus dem Cockpit heraus. Deshalb ist die Kamera immer dabei. Größere Ausflüge führen ihn gerne nach Holland, da geht’s zum Campen hin. Mit dem Gepäck gibt’s übrigens kein Problem. Kocher und Zelt passen locker hinter die Seitenverkleidung – und er als Pilot natürlich noch rein. „Beim Einstieg muss man ein bisschen gelenkig sein, aber wenn man drin ist, passt alles und es läuft.“ Ergonomisch top findet er seine Zigarre. „Es gibt keine Nackenbeschwerden, die Halswirbel werden nicht belastet und der Popo tut nicht weh.“

Belüftungsanlage hilft im Sommer, wenn es heiß wird

Wetter macht ihm beim Fahren nichts aus. Gar nichts. Bei Regen liegt er geschützt unter der Vollverkleidung, allenfalls bei Starkregen wird langsamer gefahren, wegen der Sicht. Im Straßenverkehr fühlt er sich sicher, problematische Situationen mit Autofahrern gibt es allenfalls beim Abbiegen. „ Da wird man gerne schon mal übersehen.“ Damit im Sommer die Temperatur in der Kabine nicht zu groß wird und aufgrund von Schwitzen die Scheiben beschlagen, ist die Belüftung beim Velomobil ganz wichtig. Ein großes Loch an der Spitze saugt Fahrtluft ein und verteilt diese über zwei Schläuche im Inneren. „Das funktioniert bestens.“

Und wenn die Reifen eine Panne haben, der Hinterradantrieb über Kette muckt, das Licht verlöscht – es gibt sogar eine Nebelschlussleuchte und eine Hupe in Autolautstärke –, spuckt Achim Fink kurzerhand in die Hände. Der Mann ist begeisterter Schrauber, trägt im Velomobilforum den Namen „Reparator“. Und warum haben die Velomobile auf unseren Straßen Seltenheitswert? Gibt es in ganz Gladbeck nur drei von ihrer Sorte, die sich selbstverständlich kennen? Fink: „Das liegt wohl am Preis, da kommen schnell mehrere tausend Euro zusammen.“ Vielleicht liegt es aber auch am fehlenden Mut, Neues zu wagen. „Ich bin überzeugt davon, dass der Absatz steigen würde, wenn viel mehr Leute ein solches Mobil ausprobieren würden.“