. . . und zum Dritten: Der letzte Mann

„Stummfilm in Concert“ zum Dritten: Nachdem des Duo InterZone Perceptible mit „Nosferatu“ im Februar sein Debüt im Kommunalen Kino gab, gefolgt von „Das Cabinet des Dr. Caligari“, geht das ausgefallene Kultur-Event am Samstag, 13. Juni, ab 20 Uhr in die dritte Runde. Nach zwei Horror-Abenden wird im Koki zum ersten Male die Musik „Turning Pages“ zum Stummfilm-Drama „Der letzte Mann“ vom Nosferatu-Regisseur Friedrich Wilhelm Murnau live erklingen.

InterZone Perceptible ist seit 15 Jahren ein Begriff in Sachen Stummfilmvertonung auf höchstem Niveau. Mit elektrifiziertem Akkordeon, E-Bass, Live-Elektronik und Zuspielungen holen die an der Folkwang Hochschule Essen studierten Komponisten/Performer Sven Hermann und Matthias Hettmer den Stummfilm der 10er und 20er Jahre ins 21. Jahrhundert. Mit ihren Stummfilm-Projekten sind sie international tätig.

Filmisches Meisterwerk

Das filmische Meisterwerk „Der letzte Mann“ bietet durch die zum ersten Mal in der Filmgeschichte eingesetzte entfesselte Kamera Einblicke in die Psyche der Filmfiguren. Für die Eröffnungsszene befestigte Kameramann Karl Freund die Kamera auf einem Fahrrad und fuhr damit aus dem Aufzug hinaus in die Hotelhalle. Diese Kamerafahrt inspirierte InterZone Perceptible im Jahre 2007, für diesen Film eine neue Musik zu komponieren.

Erzählt wird die Geschichte eines alten Hotel-Portiers. Er verdankt seiner prächtigen Uniform Selbstwertgefühl und Anerkennung. Doch eines Tages degradiert der Geschäftsführer den Altersgeschwächten zum Toilettenmann. In seinem Milieu wagt er nicht, den Abstieg einzugestehen. Um den Schein zu wahren, stiehlt er die Uniform. Doch seine Bemühungen bleiben ohne Erfolg und das Leben wird zur Qual. Ihre Musik „Turning Pages“ beschreiben Hermann und Hettmer so: „Ein dumpfdunkles DrumComputer-Moloch kehrt immer wieder. Das Tantalosartige, was auch Johann Sebastian Bachs BassOstinato in dem Crucifixus seiner H-Moll-Messe ausmacht, nämlich das unausweichliche Hinab ins Grab, erdrückt den Protagonisten, seine Lebenskraft versiegt mit jedem Anschlag. Eine industrial SoundArt Klangreise, diesmal für elektrifiziertes Akkordeon, fretless E-Bass als Cello-Simulator, Live-Elektronik, Drum-Computer, Keyboards, Kalimba, Zuspielungen.

Wir versuchen keinen Moment, mit der Musik die äußeren Geschehnisse zu illustrieren, sondern die inneren Welten der Film-Figuren, wodurch der Film auf eine völlig neue Weise erfahrbar wird. Unterstützt wird das Ganze durch ein akribisches Sounddesign, das so gebaut ist, dass die Illusion erweckt wird, alle Klänge kamen direkt aus der Leinwand.“