Übler Geruch aus dem Teich trübte die Feierlaune am Schloss

Alfred Sarnowski (l.) und Angler Siegfried Domann fürchten um die Wasserqualität in den Teichen.
Alfred Sarnowski (l.) und Angler Siegfried Domann fürchten um die Wasserqualität in den Teichen.
Foto: Michael Korte
Was wir bereits wissen
WAZ-Leser beschweren sich über schlechte Wasserqualität in den Gladbecker Teichen. Fachleute der Stadtverwaltung widersprechen.

Gladbeck..  Hochzeitsfeier auf Schloss Wittringen. Die Gäste aus nah und fern genießen das tolle Ambiente. Doch beim Fotoshooting auf der Schlossbrücke rümpfen sie plötzlich die Nase. Aus dem Teich steigt höchst unangenehmer Geruch auf.

Alfred Sarnowski gehörte zur Hochzeitsgesellschaft. „Das Wasser im Schlossteich war grün verfärbt und roch modrig“, erzählt er. Und weil ihm das keine Ruhe ließ und er sich auch Sorgen um den Fischbestand machte, zog er seinen Schwager Siegfried Domann zu Rate.

Passionierter Angler

Der angelt schon seit 45 Jahren, ist Ehrenmitglied des Angelvereins 1928 und sagt: „Ich beobachte seit Jahren, wie dieses Kleinod verschwindet. Die Teiche wachsen systematisch zu, der abgestorbene Bewuchs steigt vom Boden an die Wasseroberfläche, fault vor sich hin und verbreitet, vor allem, wenn die Sonne scheint, einen manchmal unerträglichen Gestank.“ Nicht nur der Schlossteich, auch die Brillenteiche und der Nordparkteich seien betroffen, sagt Domann.

Er weiß, dass der Zentrale Betriebshof und das Ingenieuramt seit Jahren schon im Nordpark- und seit einiger Zeit auch im Schlossteich zur Bekämpfung der giftigen Rotalgen dem Wasser Eisen-3-Chlorid zuführt. Im Nordpark sei das Wasser zwar seither klarer, aber: „Vom Eisenchlorid sterben auch die Mikroorganismen ab“, glaubt Domann. Und das wiederum wirke sich auf den Fischbestand aus. „Früher haben wir Angler hier deutlich mehr und dickere Fische rausgeholt. Heute sind vor allem die Raubfische wie Hechte, Karpfen und Barsche abgemagert oder verenden sogar, weil es nicht mehr genügend kleine Fische gibt, von denen sich die großen überwiegend ernähren.“

Siegfried Domann kann sich noch gut daran erinnern, als man im Schlossteich und in den Brillenteichen riesige Fischschwärme und springende Fische beobachten konnte. „Alles vorbei“, bedauert er. Und vor ein paar Jahren noch hätten sich Kormorane die schönsten Fische geholt. Worüber sich die Angler damals ärgerten, wünschte sich Domann heute zurück: „Die Kormorane sind verschwunden, weil sie hier nichts mehr finden – auch ein schlechtes Zeichen.“ Seine Diagnose: „Das Wasser ist tot.“ Alfred Sarnowski hegt noch ein bisschen Hoffnung: „Das Wasser liegt auf der Intensivstation.“

„Im Gegenteil“, sagen die Verantwortlichen von ZBG und Ingenieuramt. Die Wasserqualität in den Teichen werde 14-tägig geprüft und sei in bester Ordnung. Im deutlich klareren Wasser des Nordparks bekämen Wasserpflanzen jetzt wieder ausreichend Licht zum Wachsen, sagt Bernd Schregel vom ZBG. Laichkräuter und viele andere Sorten gebe es dort heute wieder, in denen sich Jungfische verstecken könnten. Den Geruch am Schlossteich führt der Fachmann auf die geringen Regenmengen der vergangenen Wochen zurück: „Das Wasser steht, es fließt nicht.“

Den Fachleuten im Ingenieuramt ist eine Trübung des Wassers im Schlossteich aufgefallen. Gestern war Achim Mirosavljewitsch mit Prof. Bernhard Surholt vom Hygieneinstitut Münster vor Ort. Die Ergebnisse fasste Tim Deffte vom Presseamt zusammen: „Die kleinen Gräben, die sich durch den Wald ziehen und den Teichen Regenwasser zuführen, sind vor einiger Zeit gereinigt worden. Es fließt also mehr Frischwasser zu. Außerdem sind in Folge der Sturmschäden natürliche Materialen ins Wasser gelangt. Beides hat zu einem erhöhten Nährstoffangebot geführt, das den Algenwuchs befördert.“ Die ungiftigen Algen trübten zwar das Wasser, seien aber grundsätzlich positiv: „Sie produzieren Sauerstoff, und das kommt den Fischen zugute.“

Mit dem dosierten Eintrag von Eisen-3-Chlorid verfolge man das Ziel, in den Teichen ein ökologisches Gleichgewicht herzustellen. Dazu gehöre auch, eine zu große Zahl an Fischen zu vermeiden.

Aufgefallen sei in jüngster Zeit allerdings eine Schaumbildung auf dem Schlossteich, deren Ursache noch unklar sei. Prof. Surholt habe Proben genommen. Jetzt werde geprüft, ob möglicherweise unerwünschte Stoffe ins Wasser gelangen und woher sie stammen.

Tim Deffte kündigte an, dass die Fachverwaltung im Umweltausschuss am 31. August einen ausführlichen Bericht zum Zustand der Teiche vorlegen werde.