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Turmbau zu Gladbeck

11.08.2009 | 14:18 Uhr
Turmbau zu Gladbeck

Das heutige Kirchengebäude entstand in Rekordzeit. In zweieinhalb Jahren. Ohne Zwischenfälle. Ohne Unfälle. Am 26. Oktober des Jahres 1899 wurde die „neue” St.-Lamberti-Kirche geweiht. Blicken Sie mit uns also 110 Jahre zurück. . .

Ein Tag des Stolzes für ganz Gladbeck. Denn der 83 Meter hohe Turm, das 68 Meter lange und 29 Meter breite Kirchenschiff setzten ein unübersehbares Zeichen an jener Stelle, an der sich die Keimzelle des alten Dorfes Gladbeck einst befand.

Die neue St.-Lamberti-Kirche von 1899 untermauerte Gladbecks Anspruch auf die Stadtrechte, die allerdings noch 20 Jahre auf sich warten ließen.

Hier standen seit Urzeiten Kirchengebäude

Der Turmbau zu St. Lamberti im späten 19. Jahrhundert. Repro: Ulla Michels aus der Festschrift zum 75. Jahrestag der Kirchweihe, erschienen im Jahr 1974

An dieser Stelle standen seit Urzeiten Kirchengebäude. Wie die ersten dieser Gladbecker Gotteshäuser aussahen, ist unbekannt. Überliefert ist, dass vom 13. Jahrhundert bis 1797 an der Stelle der heutigen St.-Lamberti-Kirche eine dreischiffige und dreijochige Hallenkirche im romanischen Stil zu finden war.

Beim Nachfolger – von 1804 bis 1897 – handelte es sich dann um eine einschiffige Kirche, deren Antlitz vielen Gladbeckern von alten Dorfansichten sehr gut bekannt ist. Ihr Zwiebelturm erinnert ein wenig an Dörfer in Oberbayern. Doch am Horizont des Dorfes Gladbeck wuchsen nicht Alpengipfel in die Höhe, sondern Zechen, Stahlwerke und Schwerindustrie. . .

Kleine Dorfkirche reichte plötzlich nicht mehr aus

Mit dem Einzug des Bergbaus nahm die Bevölkerung dramatisch zu. Und deshalb war auch der Kirchenneubau von 1899 eine dringend nötige Angelegenheit. „Für eine Bevölkerung von 10 000 Seelen reichte die kleine Dorfkirche mit dem Zwiebelturm nicht mehr aus”, heißt es in einer informativen Broschüre zum 75. Jahrestag der St.-Lamberti-Kirchweihe, die im Jahr 1974 erschien. Im Vorwort ist auch ein Brief des damaligen Ruhrbischofs Dr. Franz Hengsbach zu finden, der in besonderer Weise herausstellt: „St. Lamberti zählt zu den ältesten Gemeinden unseres Bistums.”

St. Lamberti und Gladbeck – das ist eine feste Verbindung. In guten Zeiten. In schlechten Zeiten: 1943 explodierte bei einem Luftangriff eine Bombe im Mittelschiff der Kirche, die daraufhin geschlossen werden musste. Die Gottesdienste fanden fortan im Kolpinghaus statt. Dann im März 1945 – kurz vor Kriegsende – der nächste Schlag: Ein schwerer Luftangriff der Alliierten verwüstete die Gladbecker Innenstadt und auch die gesamte St.-Lamberti-Kirche.

Die Stunde Null.

Wiederaufbau erfolgte nach 1945 zügig

Der Wiederaufbau erfolgte zügig. Bereits im Herbst 1948 fanden wieder Gottesdienste in St. Lamberti statt; doch Altäre, Gemälde, Kunstwerke gingen in den schlimmen Kriegsjahren verloren.

St. Lamberti – aus der kleinen Zwiebelturm-Dorfkirche an der glitzernden Gladbecke ist nun eine Propsteikirche geworden. Das architektonische Werk des Dombaumeisters Hertel aus Köln prägt nach wie vor die Silhouette der Innenstadt, zu der auch der Rathausturm und der Turm der Christuskirche zählen.

Bis zum Jahr 1831 lag um die Kirche herum übrigens noch der Gladbecker Friedhof, der dann zur Bahnhofstraße (heute VW Schubert) verlegt wurde. Erst im Jahr 1884 entstand der heutige Friedhof an der Feldhauser Straße/Lindenstraße.

Fahnen flatterten am Kirchweih-Tag anno 1899

Fahnen wehten, Girlanden und Blumen schmückten die Straßen, als am 26. Oktober 1899 der Bischof von Münster zu Gast war, um das Gotteshaus zu weihen. Fackelzug, Blasmusik, Feuerwerk – die Gladbecker begrüßten die neue Kirchen-Ära auf fulminante Weise.

Michael Bresgott

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