Türkische Jungs auf dem Prüfstand
01.12.2011 | 17:13 Uhr 2011-12-01T17:13:00+0100
Gladbeck. Über das Männlichkeitsbild türkischer Familien und gänige Klischees referierte Prof. Dr. Ahmet Toprak im Rahmen des VHS-Länderschwerpunkts „Türkei - so nah, so fern“.
Der türkische Mann hat in der Familie das Sagen und ist ein wahrer Machomann - so das Klischee, das natürlich wie viele andere gar nicht stimmt. Das weiß Professor Dr. Ahmet Toprak, der sich seit Jahren mit dem türkischen Männerbild beschäftigt und in Untersuchungen ganz andere Ergebnisse bekommen hat. Darüber referierte der Erziehungswissenschaftler zum Abschluss des VHS-Länderschwerpunkts „Türkei – so nah, so fern!“ unter dem vielsagenden Titel „Das schwache Geschlecht – die (türkischen) Jungs!??“ Ein Thema, das auf großes Interesse bei denen stieß, die in ihrer täglichen Arbeit mit türkischen Jungen zu tun haben: Erzieher innen und Erzieher waren zahlreich vertreten im Lesecafe´.
Toprak beschäftigt sich in seiner Forschungsarbeit seit langem mit den klassischen Männlichkeitsidealen, insbesondere den türkischen, und hat dazu auch ein Buch verfasst (Das schwache Geschlecht - die türkischen Männer: Zwangsheirat, häusliche Gewalt, Doppelmoral der Ehre). Er stellt gängige Klischees und Thesen der Erziehungswissenschaft dabei auf den Prüfstand.
Ein erstaunliches Ergebnis seiner Forschungsarbeit: Kaum eine häufig zitierte Vorstellung über die türkische Männerrolle lässt sich mit Fakten belegen. Anhand von Interviews mit türkischen Familien zeigt Toprak die Irrtümer auf. So wäre der türkische Mann zwar gern der Ernährer, sei es aber tatsächlich nicht. Auch sei er heute nur noch von außen betrachtet das Oberhaupt der Familie.
Und noch einen Irrtum korrigiert Toprak: „Die Begründung des Rollenbildes mit der Religion ist nicht richtig.“ Vielmehr gehe es in der Vorherrschaft des Mannes über die Frau eher um eine patriarchalische Wertvorstellung.
Um sich den klassischen Männlichkeitsbegriffen zu nähern, betrachtet er die Begriffe zunächst historisch und dann aus der Sicht von türkischen Jungs. Interviews veranschaulichen, welche Bedeutung Begriffe wie „Freundschaft“, „Sexualität“ oder „Ehre“ in diesem Rollenbild spielen.
Toprak, der an der Universität Dortmund lehrt, hat selbst lange Zeit in der Praxis mit türkischen Jungs gearbeitet. Als Antiaggressionstrainer kennt er die Probleme der hier lebenden türkisch stämmigen jungen Männer im Umgang mit den herkömmlichen Rollenbildern nur zu gut.
18:13
Im Umgang mit jungen Männern mit Migrationshintergrund habe ich oft Entwurzelung, Orientierungslosigkeit und Hilflosigkeit zwischen der Welt der Eltern, der Welt des Gastlandes und der Festlegung der eigenen Position feststellen können. Diese Verwirrung schafft Ängste, Ängste führen zu aggressivem, machohaften Verhalten, aus der Tierhaltung kenne ich den Begriff des "Angstbeissers", Angstbeisser sind jedoch leider gefährlich und interpretieren Hilfsangebote oft als Angriff und beissen zu.
Habe ich hier eine Lösung? - Nein!
Es werden jedoch Lösungen benötigt.
11:59
Warum hat Prof. Dr. Ahmet Toprak auf dem Foto so ein gelbes Gesicht?
Sieht irgendwie seltsam aus ...