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Hartz IV

Trauriger Rekord

14.01.2010 | 18:50 Uhr

Gladbeck. Steigende Zahlen von Hartz IV Betroffenen nennt der Leiter der Vestischen Arbeit, Dietmar Aspöck. Mit 10 394 Betroffenen ist Gladbeck die Stadt mit den meisten Hartz IV-Empfängern im Kreis.

Peter Hartz kennt Gladbeck vermutlich nicht. Aber ganz viele Gladbecker kennen „Hartz IV” und leben davon. 10 394 sind es ganz genau. Eine alarmierende Zahl, finden Politiker. Eine dazu „stetig steigende”, muss Dietmar Aspöck, Leiter der Vestischen Arbeit, den Mitgliedern im Ausschuss für Soziales, Senioren und Gesundheit, dazu sagen. Seit Anfang 2009 ist das so, und auch für das gerade begonnene Jahr sieht er wenig Gründe für einen Rückgang. Doch damit sind's der schlechten Nachrichten nicht genug: Gladbeck hat von allen Städten im Kreis die höchste Quote. Ein trauriger Rekord.

Dass über ein Viertel (26,3 Prozent) derer, die von dieser Hilfe leben, Kinder sind, macht auch nicht froh. Kinderarmut ist in Gladbeck kein Fremdwort. Und dass der Anteil der Langzeitarbeitslosen mit etwas über 50,2 Prozent bei den erwerbsfähigen Hilfebedürftigen ebenfalls überdurchschnittlich hoch ist – es erstaunt eigentlich nicht, wenn man die allgemeine Wirtschaftsentwicklung gerade in der Emscher-Lippe-Region betrachtet. Wo sollen die Jobs auch herkommen? „Im letzten Jahr ist die Zahl der gemeldeten offenen Stellen um 21 Prozent zurück gegangen”, teilt Dietmar Aspöck auf WAZ-Anfrage mit.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Hälfte der erwerbsfähigen Hartz-IV-Empfänger zu denen mit einer „komplexen Profillage” gehören, wie es im Fachdeutsch heißt. Übersetzt: Sie sind schwer vermittelbar, oft gering qualifiziert. Der Strukturwandel trifft sie am härtesten, da durch ihn die Arbeitsplätze für gerade diesen Personenkreis verschwunden sind. Aspöck: „Heute gibt es keine großen Arbeitgeber mehr in der Region.” Damit fehlt das Angebot an Helfertätigkeiten, die früher auch ohne anspruchsvolle Ausbildung ein Einkommen sicherten.

Dass die gesamte Situation sich im Hinblick auf die allgemeine Wirtschaftskrise zunehmend verschärft, belegt nicht nur die nach wie vor hohe Gesamtarbeitslosigkeit von aktuell 13,2 Prozent, sondern auch die Zahl der Neuanträge auf Arbeitslosengeld II (so die offizielle Bezeichnung für Hartz IV), die die Vestische Arbeit monatlich erhält: 100 sind es seit Beginn des Jahres 2009 jeden Monat.

Das sind zum einen Rückkehrer, die nach einem befristeten Arbeitsverhältnis erneut arbeitslos geworden sind, immer häufiger sind aber auch die so genannten „Aufstocker” darunter, die zwar Arbeit haben, von den 400- oder 800-Eurojobs aber nicht leben können. Um 15 Prozent nahm diese Zahl allein im vergangenen Jahr zu.

„Was ist zu tun?” Norbert Dyhringer (SPD) stellte diese Frage im Ausschuss, ohne eine wirkliche Antwort zu erwarten. Die hat auch Dietmar Aspöck nicht. Er kann nur die Vielzahl der Instrumente für eine Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt nennen, die, je besser die Arbeitslosen qualifiziert sind, umso wirksamer sind. Und eine Erfolgsmeldung haben er und Stellvertreter Otmar Held auch: Jeder 15-Jährige, der in einer Hartz-IV-Familie lebt, wird besonders betreut und auf das Berufsleben vorbereitet. Dazu gehört auch Nachhilfe, damit sie den Schulabschluss schaffen. Das klappt: Von 180 haben 159 in 2009 den Übergang in eine Ausbildung oder weitere schulische Ausbildung geschafft.

Maria Lüning

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