Trauern, erinnern und mahnen
09.11.2008 | 17:03 Uhr 2008-11-09T17:03:00+0100In Gladbeck fand die Gedenkstunde auch in diesem Jahr wieder an der Stele am Ehrenmal in Wittringen statt.
Es ist frisch draußen, der Wind lässt einen frösteln. Wittringen liegt still da, die Blätter fallen lautlos auf den Teich.
Gladbecker in schwarzen Mänteln, dunklen Jacken und dick eingepackt gehen den Schotterweg entlang. Am Mahnmal warten schon die ersten Besucher auf sie. Frauen, Männer und Jugendliche kamen gestern zum Mahnmal in Wittringen, „um an die Opfer der NS-Diktatur zu erinnern”, erklärte Bürgermeister Ulrich Roland.
Kaum einen Platz zum Stehen fanden diejenigen, die etwas verspätet an der Stele ankamen. „Wir wollen trauern, erinnern und mahnen”, erklärte Ulrich Roland. Seit zwanzig Jahren kommen Gladbecker am 9. November nach Wittringen. Zwar gab es hier keine Synagoge, aber Gladbeck kann sich nicht frei sprechen: „Leider geschah viel Schreckliches unter den Augen der Gladbecker und oft auch mit deren Beteiligung.”
Pfarrerin Reile Hildebrandt-Junge-Wentrup fasste zusammen, was die Reichspogromnacht vor 70 Jahren für die Opfer bedeutet haben muss. „Es wurde ihnen nicht nur die Existenz entzogen, sondern die Bedrohung wurde erstmals richtig leibhaftig.”
Ihr persönliches Anliegen sei es, Lebenswege nachzuzeichnen, zu sehen, was aus diesen Menschen geworden ist. „Jeder hatte sein eigenes Gesicht, hatte Träume und Wünsche, suchte nach Liebe und Geborgenheit.
Der Bezug zu einem Leben mache die damalige Brutalität erst richtig deutlich.
0mitdiskutieren