Trainerin Martina Troue - in jedem Hund steckt ein Jäger

Um seinen Hund vom Jagen abzuhalten, sagt Hundetrainerin Martina Troue, muss der Hundehalter lernen rechtzeitig einzugreifen.
Um seinen Hund vom Jagen abzuhalten, sagt Hundetrainerin Martina Troue, muss der Hundehalter lernen rechtzeitig einzugreifen.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Vor kurzem hat ein Hund in Gladbeck ein Reh gerissen. Doch sind Hundehalter machtlos beim Jagdtrieb ihres Hundes? Wir haben eine Expertin gefragt.

Gladbeck.. Nahe der Schanzenheide riss kürzlich ein freilaufender Hund ein Reh. Um dies zu verhindern, sollten die Vierbeiner unbedingt angeleint werden, sagt der Hegering – und Frauchen und Herrchen eine Hundeschule besuchen. Martina Troue (56) trainiert alle Rassen. Erziehung ist für sie das A und O für das Zusammenleben mit einem Hund.

Haben Sie die Meldung über den Vorfall auch gelesen?

Ja. Ohne Leine in waldreichem Gebiet in der Setzzeit unterwegs sein, wo Rehe und ihre Kitze anzutreffen sind, das geht nicht. Die Tiere sind zur Zeit geschwächt von der Geburt und vom Säugen und werden so schnell zum Opfer.

Steckt denn in jedem Hund ein Jäger?

Der Jagdtrieb ist angeboren und gehört zum normalen Verhalten des Hundes dazu. Steuern lässt er sich nur, indem ich meinen Hund vernünftig auslaste. Es gilt, da einzugreifen, wo der Hund seinen Schwerpunkt hat beim Jagen.

Was bedeutet das?

Nun, ich muss als Tierbesitzer lernen, die Körpersprache des Hundes zu lesen. Er zeigt mir ja an, was er vor hat. Dann muss ich eingreifen. Aber dieses Eingreifen muss ich lernen. Als Hundehalter habe ich immer die Verantwortung fürs Tier.

Erziehung ist also ein Muss?

Natürlich, denn ohne Erziehung funktioniert es nicht. Der Hund benötigt Regeln, sonst macht er nur das, was ihm selbst von Nutzen ist.

Wann sollte es damit los gehen?

Je früher umso besser. Denn Fehler zu vermeiden ist leichter, als gemachte Fehler wieder auszubügeln. Es geht eben nichts übers Training.

Also schon im Welpenalter beginnen?

Na klar, erste Jagdanzeichen sind schon da, wenn der Welpe fallenden Blättern oder Schmetterlingen hinterherjagt. Wenn ich dem Welpen dann konsequent sage, das ist nicht dein Beuteschema, dann habe ich es später viel leichter.

Wie oft sollte ich trainieren?

Je mehr ich übe, desto mehr festigt es sich. Kleine Übungseinheiten sollten bei jedem Spaziergang durchgeführt werden.

Ich muss mich also mit dem Tier beschäftigen?

Es geht um geistig-körperliche Auslastung. Den Hund einfach nur rumlümmeln lassen ist nicht gut. Dann sucht er sich seine eigenen Sachen, sucht sich beispielsweise die Jagd. Er geht in die Büsche und wenn man Pech hat, dann steht da das Reh. Es gilt also, das Verhalten umzulenken, es auf eine andere Schiene zu bringen. Und warum nicht mal gezielt mit dem Hund verstecken spielen. Dann wird eben Futter versteckt, und der Hund wird begeistert suchen.

Sie bieten dem Hund dann quasi eine Ersatzjagd an?

Genau. Nasenarbeit, Spuren legen, Mantrailing, Futtersuche, apportieren, dies alles beschäftigt den Hund geistig. Man muss nur gucken, woran beide, Halter und Hund, Spaß haben. Durch diese intensive Zusammenarbeit werden die Außenreize für den Hund immer weniger wichtig. Dafür wird der Kontakt zu seinem Menschen gefestigt.

Wie wichtig sind Kommandos?

Sie sind enorm wichtig, sie müssen sitzen. Es geht ja nicht nur um das Thema Jagd, es gibt ja auch gefährliche Situationen durch Autos oder Radler. Der Hund muss deshalb in jeder Situation ansprechbar sein, auch wenn er zehn Meter vor mir ist. Wenn ich seinen Namen rufe muss er sich umdrehen und zu mir gucken. Dann kann ich einen Stopp-Pfiff oder Rückruf absetzen.

Hundeerziehung ist Erziehung bis zum letzten Tag

Was sage ich dem Hund denn am besten?

Sitz, Platz, bleib – sie können aber meinethalben auch Kaffeetasse sagen, das ist egal. Er muss nur wissen was es bedeutet.

Alles in allem benötige ich aber einen ganz schön langen Atem?

Geduld, Ruhe und Konsequenz, das sind die drei wichtigsten Worte in der Hundeerziehung.

Und wenn es trotzdem nicht so gut läuft?

Jeder Hund ist ein Individuum. Wenn eine Erziehung nicht klappt, dann müssen wir Varianten ausprobieren. Es ist eben so, dass bei dem einen dies und bei dem anderen jenes funktioniert.

Platzt mir da nicht mal der Kragen?

Wir müssen dem Hund immer eine entspannte Atmosphäre bieten, denn Anspannung wird übertragen und der Hund lernt dann nichts. Er macht ja nicht die Fehler um uns zu ärgern, sondern weil er es nicht verstanden hat.

Ist denn irgendwann mal Schluss mit dem Training?

Eine Erziehung am Hund ist eine Erziehung bis zum letzten Tag. Ein Leben lang.