Terroranschläge sind ein Thema für Gladbecker Schüler

Konzentriert arbeiteten Schülerinnen und Schüler beim EU-Kompakt-Kurs
Konzentriert arbeiteten Schülerinnen und Schüler beim EU-Kompakt-Kurs
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
EU-Kompakt-Kurs mit der Oberstufe des Riesener-Gymnasiums. Die Schwarzkopf Stiftung will grundlegendes Verständnis europäischer Politik vermitteln.

Gladbeck..  Obwohl Sowi-Lehrerin Silvia Ott schon vor Monaten den Termin festgemacht hatte, bekam der EU-Kompakt-Kurs am Riesener-Gymnasium eine besondere Aktualität. Denn durch die schrecklichen Ereignisse in Paris wurde zwangsläufig nicht nur über die Regeln gesprochen, die die gemeinsame Politik der 28 Mitgliedstaaten, der Europäischen Kommission und des Europäischen Parlaments bestimmen, sondern auch über die Problematik des grenzüberschreitenden Terrorismus’ fanatischer Islamisten.

Als Dozenten betreuten Christian Drews (25) und Milan Thies (20) Gruppen der insgesamt rund 50 Sowi-Schülerinnen und Schüler im Alter von 17 bis 19 Jahren. Die Besucher, Studenten des Fachs Jura beziehungsweise Public Governance across Borders, bereisen im Auftrag der Schwarzkopf-Stiftung (siehe unten) Schulen, um altersgerecht Grundkenntnisse zur EU zu vermitteln. „Und praktische Möglichkeiten aufzuweisen, die die Schüler später selbst nutzen können - wie zum Beispiel das Erasmus-Stipendium für Studenten“, so Drews.

Mit Vorurteilen konfrontiert

In der Aufwärmphase gehörte dazu auch das interaktive Spiel Europa in vier Ecken. „Wobei wir die im Raum verteilt aufgestellten Schüler bewusst auch mit Vorurteilen konfrontieren, um sie zu Reaktionen herauszufordern“, erklärt Milan Thies. Beim Thema „was verunsichert dich an der EU am meisten“ waren das zum Beispiel die Aussage „Flüchtlinge sind kriminell und handeln mit Drogen“. Ideal sei es, „wenn die Schüler das Vorurteil durchschauen und widerlegen“.

Auf eingesammelten Notizzetteln durften die Schüler später auch anonym eigene Fragen formulieren. Das Thema Sicherheit und Terrorismus wurde dabei auch thematisiert: „Welche Richtlinien hat die EU in Krisenzeiten?“

Eine naheliegende Frage, sagt Lehrerin Silvia Ott, denn die EU bedeute ja auch offene Grenzen, „die ebenso potenziellen Terroristen mehr Möglichkeiten geben, sich frei europaweit zu bewegen“.

Schülerin Laura (18) sagt, dass sie momentan trotz der Pariser Anschläge keine direkte Angst vor Terrorismus habe. Was sie beunruhige sei aber die Befürchtung, „dass alles noch radikaler wird und dann doch vielleicht hierher kommt.“

Auch Mitschüler Stefan (17) beobachtet momentan genau die Berichterstattung in den Medien. Ihn beschäftigt, wie statt einer Deeskalation „die Gruppierung Pegida die Angst vor Anschlägen in Deutschland schürt, um die Fronten in ihrem Sinne zu verhärten“.

Ängstlich sei er auch nicht sagt Pascal (18), „aber verunsichert“. Es gebe ja auch Deutsche, „die nach Syrien gehen, um mit den IS-Terroristen zu kämpfen“. Aber zu denken, dass einen das Thema nichts angehe und weit weg ist, sei sicherlich falsch. „Denn wir haben durch die Medien ja von der Polizeirazzia gegen extreme Salafisten in Brauck erfahren. Dass in direkter Nachbarschaft ein hochrangiger Terrorist gewohnt hat – ich hätte nie gedacht, dass dies in einer Kleinstadt wie Gladbeck möglich ist.“

Trotz aller nachzuvollziehenden Verunsicherung wurde beim EU-Kompakt-Kurs aber auch deutlich, dass nicht nur Laura zuversichtlich in die europäische Zukunft blickt: „Europa bedeutet für mich vor allem Zusammenhalt und Gemeinschaft“, sagt die 18-Jährige, „und sich auch gegenseitig zu helfen und zu unterstützen“.

Haarwaschmittel bekannter als die Schwarzkopf-Stiftung

Die Harrwaschmittel-Marke mit dem bekannten schwarzen Kopf als Scherenschnitt dürfte vielen Gladbeckern bekannt sein, aber sicher weniger die Schwarzkopf-Stiftung Junges Europa, die von Pauline Schwarzkopf, der Witwe des Unternehmers Heinz Schwarzkopf, in Erinnerung an ihren Mann 1971 in Hamburg gegründet wurde.

Zweck der überparteilichen Stiftung ist „die Förderung der Entwicklung junger Menschen zu politisch bewussten und verantwortungsbereiten Persönlichkeiten mit dem Ziel der Stärkung des europäischen Gedankens, der gesamteuropäischen Völkerverständigung und der Bekämpfung von Rechtsextremismus, Antisemitismus und Rassismus“.

Als erste überparteiliche Organisation fuhr die Stiftung Ende der 1970er Jahre trotz des Eisernen Vorhangs mit Jugendlichen zum Dialog nach Polen und in die DDR.

Der EU-Kompakt-Kurs wird mit finanzieller Unterstützung der Stiftung Mercator (Essen) und des Europäischen Parlaments ermöglicht. Ziel der EU-Kompakt-Kurse ist es, Jugendlichen ein grundlegendes Verständnis europäischer Politik zu vermitteln. In den vierstündigen Kursen sollen die Schülerinnen und Schüler zu einer offenen Diskussion über aktuelle europapolitische Themen und zur politischen Teilhabe in Europa ermutig werden.

Die Stiftung vergibt u.a. auch Reisestipendien, um jungen Menschen Gelegenheit zu geben, Länder zu erkunden und sich mit Europa vor Ort auseinanderzusetzen.