Telefoncenter soll die Zulassungsstelle vom Kreis entlasten

Eine Entlastung der Marler Zulassungsstelle durch die Vergabe des Telefonservices erhofft sich die Kreisverwaltung.
Eine Entlastung der Marler Zulassungsstelle durch die Vergabe des Telefonservices erhofft sich die Kreisverwaltung.
Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb
Was wir bereits wissen
Der Kreis Recklinghausen möchte, dass die KFZ-Zulassungsstelle in Marl mit dem Call-Center des Kreises Wesel zusammenarbeitet. Politik sagt noch nein.

Die Kreisverwaltung Recklinghausen würde den Telefonservice für das Straßenverkehrsamt gerne an den Kreis Wesel auslagern. Das könnte zu einer erheblichen Entspannung in der Marler Zulassungsstelle beitragen. Doch die Politik schießt quer.

75 000 Anrufe gehen jährlich beim für Gladbeck zuständigen Straßenverkehrsamt des Kreises in Marl ein – das sind mehr als 300 pro Arbeitstag. Was wiederum Arbeitskraft bindet. Dabei sind die Mitarbeiter ohnehin überlastet. Kunden mussten zuletzt stundenlange Wartezeiten in Kauf nehmen, sofern sie sich nicht über das Internet einen Termin hatten reservieren lassen (wir berichteten). Viele Anrufe gehen zudem ins Leere.

In Wesel gibt es ein Servicecenter für die dortige Kreisverwaltung. Die Mitarbeiter sind auch auf den Bereich der Kfz-Zulassung spezialisiert. Der Kreis Recklinghausen möchte sich in Wesel einklinken und das Servicecenter für sein eigenes Straßenverkehrsamt mitnutzen. Nach den Weseler Erfahrungen könnten 70 Prozent aller Kundenanliegen sofort erledigt werden. Spezielle Fragestellungen müssten an den Kreis weitervermittelt und dort beantwortet werden.

Ulrich Seidel, im Kreishaus zuständiger Fachbereichsleiter für Recht, Sicherheit und Ordnung, spricht von einer „sinnvollen Maßnahme, die uns auf jeden Fall weiterbringen wird“. Allerdings wird der Kreis Recklinghausen dem Kreis Wesel drei Stellen finanzieren und Sachkosten übernehmen müssen. Geschätzter Gesamtaufwand: 200 000 Euro.

Das Konzept überzeugt die Politik allerdings (noch) nicht. Mit dem Geld aus dem Kreis Recklinghausen Arbeitsplätze im Kreis Wesel zu schaffen, schmeckt dem Vorsitzenden der SPD-Kreistagsfraktion, Klaus Schild, überhaupt nicht. Auch aus anderen Fraktionen wurde in der gestrigen Sitzung des Kreisausschusses die Frage laut, warum der Kreis sich nicht sein eigenes Servicecenter einrichte. Antwort: Dazu bedürfe es eines langen Vorlaufs. Denn zunächst müssten die baulichen, technischen und personellen Voraussetzungen geschaffen werden.

Die Beschlussvorlage, die Landrat Cay Süberkrüb (SPD) für die Kreistagssitzung am kommenden Montag hat erarbeiten lassen, wird auf Druck der Politik zurückgezogen. Stattdessen soll es im Sommer zunächst einen Ortstermin in Wesel geben. Ein Start der interkommunalen Zusammenarbeit zum geplanten Termin (1. September) ist damit ausgeschlossen.

Bedauert wurde dies von CDU und Grünen. „Wir suchen doch dringend nach einer Lösung fürs Straßenverkehrsamt“, sagt CDU-Fraktionschef Benno Portmann. Die Kooperation mit Wesel sei ein guter Ansatz. Mario Herrmann (Grüne) dazu: „Immer wenn es konkret wird mit der interkommunalen Zusammenarbeit, kommt jemand, der Bedenken anmeldet. Und am Ende kommt nichts dabei herum.“