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Kunstaktion 2010

Tausendfüßler für Gladbeck

04.12.2009 | 17:21 Uhr
Tausendfüßler für Gladbeck

Gladbeck. Unter Beteiligung möglichst vieler Beinebastler und Sponsoren entsteht eins der größten Kunstprojekte Gladbeck für die Kulturhauptstadt 2010.

Tausend Füße, die hat ein echter Tausendfüßler nie. Und die wird auch der Gladbecker 2010-Füßler nicht haben. „Aber 400 Beine wären toll”, sagt die Künstlerin Karoline Dumpe. Dann würde sich das geplante Kunstobjekt in einer Länge von 50 Metern über die Wiese im Rathauspark schlängeln. „35 Meter wären auch schon gut”, ist Kulturamtsleiter Lothar Sikorski realistisch. Doch ganz egal, welche Ausmaße dieses Projekt für die Kulturhauptstadt am Ende haben wird, ein Superlativ ist dem Gladbecker Tausendfüßler jetzt schon sicher: Es wird mit Abstand die größte Kunstaktion Gladbecks werden, vielleicht sogar die größte der ganzen Ruhrregion. Erdacht hat das Projekt die Künstlerin Karoline Dumpe, erschaffen müssen es letztendlich die Gladbecker Bürger. Wie? So kreativ, wie es jeder mag und vermag. Die Beine oder Füße des Füßlers, die am eisernen Korpus hängen werden, sind ihre Aufgabe. Der Phantasie sind dabei kaum Grenzen gesetzt. Die Füße können so knorrig verformt sein wie eine Wurzel, so schräg daherkommen wie eine alte Harke, dürfen aus Kunststoff gestaltet sein, kunterbunt oder rostig-schrottig aussehen – alles geht, so lange es haltbar und erkennbar kreativ ist.

Lothar Sikorski: Bewusst als Gladbecker Projekt ohne finanzielle Förderung von oben geplant.

Ganz bewusst hat das Kulturamt dieses Projekt nicht als ein offizielles bei den Kulturhauptstadt-Organisatoren gemeldet, sagt Kulturamtsleiter Lothar Sikorski. Es soll vielmehr als ein gutes Beispiel dafür dienen, „dass nicht nur viel Geld und Ideen von oben das Kulturhauptstadtjahr prägen.” So ein Projekt sei zudem durch die Beteiligung möglichst vieler Bürger Identitätstiftend, erklärt Karoline Dumpe die Idee hinter dem Tausendfüßler.

Beteiligen an dieser einzigartigen Kunstaktion können sich übrigens nicht nur kreative Köpfe und Beinebastler, sondern auch viele Sponsoren und Paten der Aktion. Sie, beziehungsweise ihre Spende ist gefragt, um möglichst viele Eisensegmente bezahlen zu können, an denen die Beine dann hängen. So hängt es letztendlich von der Großzügigkeit der Gladbecker ab, wie lang „ihr” Tausendfüßler am Ende ist. 50 Meter Länge, das wären 76 Segmente, ein einzelnes kostet inklusive Verankerung im Boden und Aufstellung im Park 400 bis 500 Euro. Wer ein ganzes Segment finanziert, wird auf kleiner Tafel darauf vermerkt. Erste Sponsoren aus der Wirtschaft und dem Einzelhandel haben ihre Unterstützung schon zugesagt. Überhaupt werden alle Beteiligten und Sponsoren der Aktion in einem Katalog zum Kunstprojekt genannt.

Karoline Dumpe: Kunstaktion schafft Identität

Anstifter zu diesem einzigartigen Projekt ist übrigens ein ganz berühmter Künstler: Joseph Beuys. Er vertrat die Meinung, dass jeder Mensch ein Künstler sei, der mit seiner Spiritualität, Kreativität und Phantasie das gesellschaftliche Miteinander beeinflusst. Beuys nannte das „soziale Skulptur”. Karoline Dumpe, Verfechterin des möglichst ungehinderten Zugangs zur Kunst, sieht in der breiten Beteiligung an einem Kunstobjekt auch die Möglichkeit, künstlerische Arbeit zu vermitteln. „Indem die Leute den künstlerischen Prozess selbst erleben.”

Fertig im Rathauspark stehen soll der 2010-Füßler am 26. September 2010 zu Beginn der Local-Hero-Woche.

Und wer weiß, ob dieser überdimensionierte Gladbecker Tausendfüßler nicht eines Tagesim Guinness-Buch der Rekorde landet. So etwas gibt es darin noch nicht.

Mitmach-Tipps

Alle Gladbecker ab 15 Jahren können sich an der Gestaltung des 2010-Füßlers beteiligen. Angeschrieben wurden auch Schulen, Jugendkunstschule und die VHS bieten ab Januar Kurse zum Kunstprojekt an.

Die Füße/Beine sollten nicht länger als 50 cm sein, 10 cm Durchmesser haben. Am oberen Ende eine stabile metallene Öse haben und mittels einem Schloss zur Befestigung am Korpus versehen sein.

Wetterfeste Materialien

Die Materialien sollten natürlich wetterfest, nicht brennbar sein (also kein Papier, keine Baumwolle etc.), auch Regenwasser muss gut ablaufen können. Gladbecker Firmen, z.B. Döllken, haben ihre Bereitschaft signalisiert, Abfallreste als Beinmaterial zur Verfügung zu stellen.

Stichtag für die Abgabe der Beine ist der 8. September 2010. Sammelort ist die Alte Spedition, Ringeldorferstr. 6, Atelier Dumpe. Dort kann ein Segment-Modell mit Beispielbeinen besichtigt werden. Unterlagen und weitere Informationen zum Projekt liegen auch an diesem Sonntag 15 bis 18 Uhr aus.

Wer mitmacht, sollte sich im Kulturamt, Anke Nienhaus, 992247, E-Mail anke.nienhaus@stadt-gladbeck.de anmelden.

Maria Lüning

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