Sven Volmering - plötzlich auf der großen Berliner Bühne

Sven Volmering zog im September 2013 über die CDU-Landesliste in den Bundestag ein; hier bei einem Auftritt in Gladbeck.
Sven Volmering zog im September 2013 über die CDU-Landesliste in den Bundestag ein; hier bei einem Auftritt in Gladbeck.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
„Das ist eine riesige Verantwortung.“ Das sagt Sven Volmering zu seiner Tätigkeit als Bundestagsabgeordneter in Berlin. Der junge Unions-Politiker schaute zu Wochenbeginn in der WAZ-Lokalredaktion vorbei und äußerte sich zu seinem Leben als Parlamentarier in der Hauptstadt.

Gladbeck..  Seit gut einem Jahr spielt Sven Volmering als CDU-Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis Gladbeck-Bottrop-Dorsten auf der Berliner Politikbühne mit. Mit dem 38-Jährigen sitzt seit der Bundestagwahl 2013 zum ersten Mal nach 1994 wieder ein CDU-Mann aus dem Wahlkreis Bottrop-Gladbeck-Dorsten im Bundestag.

Im WAZ-Gespräch berichtet er über seine Erfahrungen in diesem ersten Jahr nach der Wahl, das so schnell vergangen ist, als „wäre ich erst seit gestern da“. Für ihn als Neuling kennt der Arbeitstag kaum ein Ende – ist eng getaktet und dazu gespickt mit neuen Erfahrungen. „ Man braucht wohl eine ganze Periode, um richtig drin zu sein“, sagt der Lehrer aus Bocholt, der in Berlin selbst wieder zum Lernenden geworden ist.

Das „Senioritätsprinzip“

Gelernt hat er: In Berlin gilt das „Senioritätsprinzip“. Neue müssen sich hinten anstellen, wenn es um die Verteilung von Ausschusssitzen geht. Volmering: „Ich hatte Glück, dass ich in den Bildungsausschuss kam.“ Doppeltes Glück sogar, denn als Lehrer kann er mit dort Kompetenz punkten und als Jungpolitiker der Generation web 2.0 das Feld der „Digitalen Bildung“ als Berichterstatter besetzen. Da macht dem Neuen in der Fraktion so schnell keiner was vor.

Reden halten

Auch bei der Vergabe der Redebeiträge stehen die Frischlinge nicht an erster Stelle. Wenn sie dann dran sind, klopft das Herz lauter als sonst. Unnötig eigentlich, denn man genießt „Welpenschutz, da applaudieren alle und keiner übt Kritik“, weiß Volmering nun. Beim zweiten Mal aber ist die Schonfrist vorbei, und sind die Störmanöver aus den anderen Parteien erheblich. „Ich war überrascht, wie laut es ist, wie viele Zwischenrufe es gibt. Man muss da schon sehr konzentriert sein. Fehler werden schnell bemerkt und für die Debatte genutzt.“

Der Praxisschock

Noch eine Überraschung für Neulinge: Es dauert irre lange, bis ein Antrag zum echten politischen Thema wird. 70 bis 80 Gespräche und viel Überzeugungsarbeit waren nötig, bis Volmering mit seinem Schwerpunkt Digitale Bildung Land sah: „Da wird um jedes Wort gerungen, wird das Papier in allen Arbeitsgemeinschaften diskutiert.“ Ein mühsamer Prozess, der fast ein Jahr gedauert hat. „Man wird da schon mal ungeduldig“, gesteht Volmering.

Der Blick ändert sich

Schwarz, rot, grün, tiefrot . . . . Aus der Ferne sind die Parteigrenzen klar abgesteckt, in der Nähe „lernt man, Dinge differenzierter zu sehen und hat Respekt vor der Kompetenz der anderen Abgeordneten“, sagt der CDU-Mann. Es gebe parteiübergreifende Übereinstimmungen, stellt er fest, sogar mit der Linken, zum Beispiel beim Thema Bafög-Förderung.

Ehrfurcht

„Manchmal sitze ich da, gucke den Bundesadler an, und denke: Du entscheidest mit über die Vorgehensweise bei der Ukraine, den Auslandseinsatz von Bundeswehrsoldaten, über so zentrale Fragen wie die Sterbehilfe. Das ist eine riesige Verantwortung.“ Die sich nicht einfach auf die Fraktion abwälzen lasse, jeder Einzelne der 631 Abgeordneten muss sie für sich treffen. „Das macht demütig.“

„Runterkommen, abschalten“

Das geht am besten zuhause, beim Spiel mit Tochter Annalena, gerade ein Jahr alt und dabei, die ersten Schritte in die Welt zu machen. „Wenn ich mit ihr spiele, vergesse ich alles“, sagt der junge Vater.