Streit um Fichten - Stadt zieht bei Fällaktion den Kürzeren

Justitia hatte zu entscheiden - am Verwaltungsgericht Gelsenkirchen ging es um die Baumschutzsatzung.
Justitia hatte zu entscheiden - am Verwaltungsgericht Gelsenkirchen ging es um die Baumschutzsatzung.
Foto: Kurt Michelis
Was wir bereits wissen
Die Baumschutzsatzung von Gladbeck sorgt immer wieder für Diskussionen. Jetzt entschied das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen in einem konkreten Fall.

Gladbeck.. Wer Bäume in seinem Garten fällt, hat schlechte Karten, wenn er gegen die Baumschutzsatzung verstößt. Dass die Stadt Gladbeck bei einer nicht angezeigten Fällaktion dennoch den Kürzeren ziehen kann, erlebte sie jetzt vor dem Verwaltungsgericht.

Das Ehepaar Sandra und Frank E. hatte im Oktober 2013 zehn Fichten in seinem Vorgarten am Pestalozzidorf/Ecke Lökensweg entfernen lassen. Es fürchtete um die Standfestigkeit der Nadelgehölzer.

„Immer dann, wenn Lastwagen oder die Müllabfuhr vorfuhren“, erklärte Sandra E. vor Gericht, „fielen Äste herunter.“ Einen gesunden Eindruck hätten die Bäume jedenfalls nicht gemacht. „Oben waren sie braun und unten war nichts mehr.“ Von Bekannten hatte das Ehepaar erfahren, dass man beim Fällen von Nadelbäumen keine Genehmigung brauchte. Ein Irrtum, wie sich später herausstellen sollte. So schritt man mit der Säge zur Tat.

"Er hat nicht mal angeklingelt"

Der Zufall wollte es, dass Hans-Dieter S. vom ZBG am Grundstück vorbeikam. Er betrat das Grundstück, schnappte sich Zollstock und Maßband und stellte fest, dass vier der zehn gefällten Bäume wohl einen stärkeren Umfang als 80 cm gehabt haben mussten. „Er hat nicht mal angeklingelt und uns informiert“, ärgern sich die Eheleute.

Das Verfahren nahm seinen Lauf. Die illegalen Fäller sollten ein Bußgeld zahlen, wurden aus "Billigkeitsgründen", wie der städtische Justiziar erklärt, lediglich zur Ersatzpflanzung von zwei Bäumen aufgefordert. Das Bußgeld konnte das Ehepaar verhindern, gegen die Verfügung über die Ersatzpflanzung klagten die Beiden.

Gute Karten vorm Verwaltungsgericht

Dass sie jetzt vor dem Verwaltungsgericht gute Karten hatten, hängt mit dem schlechten Gedächtnis des diplomierten Ingenieurs für Landespflege zusammen, der die Messungen mit dem Zollstock vorgenommen hatte. Auf Fotos hatte er zwei Stammreste dokumentiert, den Durchmesser mit 26 und 28 cm angegeben, mit 3,14 multipliziert und somit die Umfänge von 82 und 88 cm ermittelt.

Im Blickpunkt: der Stammumfang

Doch in der Verfügung wurden zwei andere Bäume, die laut Messung mit dem Bandmaß 93 und 95 cm Umfang gehabt haben sollen, als Grund für die Aufforderung zur Ersatzpflanzung genannt. Der ZBG-Mann hatte die Umfanggröße zunächst nicht festgehalten, erst im Büro habe er sie notiert. Ob er sicher sei, dass es zwei dickere Bäume gegeben hat, wollte der Kammervorsitzende wissen.

Die Unsicherheit war dem städtischen Mitarbeiter anzumerken. Der Vorgang sei unglücklich gelaufen. Einem Vergleich, auf die Ersatzpflanzung zu verzichten, wollte die Stadt nicht zustimmen. Sie müsse zumindest auf die Ersatzpflanzung eines Baumes bestehen. Beim Gericht blieben die Zweifel - es gab der Klage der Eheleute statt, die Verwaltung muss ihren Bescheid aufheben.