Streik betrifft in Gladbeck nicht nur die Kitas

Am Kotten Nie versammelten sich die Streikenden im Sozial- und Erziehungsdienst der Stadt am Donnerstag. Personalrat Wolfgang Stenze hatte Streiklisten mitgebracht, in die sich die Anwesenden eintragen konnten.
Am Kotten Nie versammelten sich die Streikenden im Sozial- und Erziehungsdienst der Stadt am Donnerstag. Personalrat Wolfgang Stenze hatte Streiklisten mitgebracht, in die sich die Anwesenden eintragen konnten.
Foto: Michael Korte
Was wir bereits wissen
Im „Streiklokal“ Kotten Nie machten die Beschäftigten deutlich, dass auch für den breit aufgestellten Sozialdienst gerechtere Entlohnung gefordert wird.

Gladbeck..  „Wir müssen stärker nach draußen tragen, dass wir keine maßlosen Forderungen haben, sondern für unsere verantwortungsvolle und komplexe Tätigkeit gerecht entlohnt werden wollen“, sagt Astrid Polenz. Die Diplom-Sozialarbeiterin hat sich mit den 120 unbefristet streikenden Kolleginnen und Kollegen des Sozial- und Erziehungsdienstes der Stadt am Kotten Nie versammelt. „Die Medien müssen deutlicher machen, dass es beim Arbeitskampf nicht nur um die Kita-Beschäftigten geht“, fordert die 52-jährige Fachfrau.

Die Kolleginnen im Rund nicken und geben an, in welchem Bereich sie tätig sind: „an der Offenen Ganztagsschule“, „im Fachbereich Integration und Sport“, „als Schulsozialarbeiterin“, „in der Präventionsstelle kein Kind zurücklassen“, „im Sozialamt zur Verhinderung von Obdachlosigkeit“, „in der Kinderschutzstelle des Jugendamtes“. Nur einige Beispiele, die belegen, „dass die Sozialarbeit ganz viel in unserer Stadt bewegt. Sie ist nahe dran an Familien und Kindern – und sie ist gut vernetzt“, erklärt Ursula Kühnel (58).

„Die Kolleginnen haben studiert, sie tragen im Beruf eine hohe Verantwortung, was aber nicht entsprechend wertgeschätzt wird, da sie mit kaum 2500 Euro brutto in den Beruf einsteigen“, schimpft Günül Davraz (49, Soziale Dienste). „Sozialarbeit ist wie Dessous: Spitzenqualität für einen Hauch von Nichts“, bringt es Diplom-Pädagogin Jutta Arndt (44) mit bissigem Humor auf den Punkt.

Zehn Prozent mehr Lohn für die Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst werden gefordert. Denn obwohl die Anforderungen an den komplexer werdenden Beruf gestiegen sind, „wurde der Verdienst nicht auf-, sondern massiv abgewertet“, sagt Astrid Polenz und wird konkreter. „Als 2005 der neue Tarif für den Öffentlichen Dienst eingeführt wurde, hat das für die damit neu entlohnten Kolleginnen einen drastischen Unterschied von 600 Euro im Vergleich zu uns Alt-Tariflern bedeutet.“

Eine Erzieherin im Kindergarten startet mit 2360 Euro brutto in den Beruf. „Es wäre dringend nötig, dass mehr Männer als Bezugspersonen in den Einrichtungen tätig werden, da wir viele Kinder von alleinerziehenden Frauen betreuen“, erklärt Claudia Tessmer. Dafür sei das Gehalt aber wohl zu unattraktiv, „als Alleinverdiener kann man damit keine Familie ernähren“.

Die Streikenden wurmt, dass die Arbeitgeber bisher kaum Bereitschaft zu Verhandlungen zeigen. Polenz: „Dabei würde unsere Lohnerhöhung insgesamt nur etwa ein Prozent mehr Personalkosten für die Kommune bedeuten.“