Sternengucker Julian Weßel blickt auch in die Vergangenheit

Jeder Handgriff muss sitzen, damit das Teleskop fest montiert ist. Julian Weßel baut auf der Terrasse seine Sternengucker-Maschine zusammen.
Jeder Handgriff muss sitzen, damit das Teleskop fest montiert ist. Julian Weßel baut auf der Terrasse seine Sternengucker-Maschine zusammen.
Foto: Oliver Mengedoht / FUNKE Foto Se
Astrofotograf (23) aus Gladbeck ist in sternenklaren Nächten Geheimnis des Universums auf der Spur. Seine erste Galxie entdeckte er vom Garten aus.

Gladbeck..  Ganz weit gucken und ganz viel staunen. Das alles erlebt Julian Weßel in den Nächten, in denen er mit seinem Teleskop auf Galaxien- oder Planetenjagd geht. Der 23-Jährige ist begeisterter Astrofotograf und sorgt mit seiner Homepage, auf der er die Ergebnisse seiner Sternenguckerei präsentiert, bei Himmelsfreunden für Furore.

Nun gut, die sausenden Rentiere von Santa Claus oder gar den vielzitierten alten Mann im Mond hat Julian, der in Münster im fünften Semester Geophysik studiert, noch nicht gesehen. „Auch wenn man mit ein bisschen Vorstellungskraft dank der dunklen Mare das Mondgesicht durchaus erkennen kann“, sagt der Gladbecker schmunzelnd. Doch seine Bilder sind andere. Er saugt Faszinierendes aus den Tiefen des Weltraums.

Planeten, Galaxien, Reflexionsnebel oder rot leuchtende Wasserstoffwolken sind die Objekte seiner fotografischen Begierde.

Lichtverschmutzung im Ruhrgebiet

Begonnen hat die Sternenguckerei im Alter von elf Jahren „Damals, beim Skiurlaub, hat mich der nächtliche Himmel umgehauen.“ Äußerst beeindruckend empfand er das gewaltige Firmament, das sich über ihm ausbreitete. „Ich fühlte sehr klein. Vor allem diese Ruhe, die von der glänzenden Sternenwelt ausging, war toll und schön.“

Was Julian damals als empathischen Ausdruck erlebte, verstetigte sich in der Astronomie AG des Ratsgymnasiums. „Da habe ich erstmals durch ein Teleskop geschaut und den Jupiter gesehen.“ Es war um ihn geschehen, am nächsten Geburtstag stand sein erstes Teleskop auf dem Geschenketisch. „Einfach Oberhammer, als ich vom Garten aus meine erste Galaxie entdeckte.“ Doch Julian wollte mehr, wollte seine Berichte visualisieren und seinen Freunden Bilder der Entdeckungen zeigen. Eine Kamera musste also her, ein Astrofotograf war geboren.

Mittlerweile ist es eine rauscharme Canon Spiegelreflex 60 D, die er an sein Groß-Teleskop anschließt. Das wiederum ist auf einem äußerst stabilen Stativ samt Nachführmotor befestigt. „Es darf wegen der langen Belichtungszeiten nichts wackeln. Zudem muss ein Schrittmotor die Kamera führen, denn ohne eine solche Nachführung würde wegen des Weiterdrehens der Erde der anvisierte Stern zum Leuchtstrich.“

Ein Riesenproblem ist zudem die Lichtverschmutzung durch die vielen Lampen und die entsprechende Infrastruktur im Ruhrgebiet. „Vor allem bei den Aufnahmen der Galaxien benötige ich einen dunklen Platz und den gibt es hier nicht.“ Also geht Julian auf nächtliche Tour, fährt ins dünn besiedelte Münsterland rauf bis nach Dülmen. Was ihn dann dort erwartet, sind Dunkelheit, ein klarer Himmel, aber auch Eiseskälte und Einsamkeit. Doch das macht ihm nichts aus. „Ich habe genug zu tun. Ich muss mich um die gezielte Nachführung kümmern oder helfe mit dem Fön nach, damit die Gläser nicht beschlagen.“ Kurzum: „Es ist eine harte Zeit, aber der Landhimmel belohnt für die Mühen und liefert tolle Ergebnisse.“

Lieblingssternbild ist der Orion

Gewaltig sind die Entfernungen, die zwischen Fotograf und Motiv liegen. Es sind Lichtjahre, so liegen zwischen dem Sternbild Orion und der Erde unvorstellbare 25 Millionen Lichtjahre. Für den Betrachter heißt dies, dass er beim Anschauen des Orion auch 25 Millionen Lichtjahre zurück in die Vergangenheit blickt. „Er sieht also etwas, was es jetzt so nicht mehr gibt“, sagt Julian, der den Orion „mein Lieblingssternbild“ nennt, in dem auch der hellste Stern, der Sirius, strahlt. „Dieser Anblick ist einfach imposant.“

Überhaupt hat der Sternengucker einen Riesenrespekt vor der Größe des Universums. „Da sieht man erst Mal wie klein wir sind im Verhältnis zu den großen Sachen, die oben herumschwirren.“ Auf volles Verständnis stößt seine Sternenguckerei bei der Freundin. Sie unterstützt ihn gerne bei seiner Arbeit, will sich aber nicht unbedingt die Nächte um die Ohren schlagen. „Wenn ich morgens um vier Uhr mit kalten Händen und Füßen nach Hause komme, dann weiß sie, dass ich wieder auf dem Feld in Dülmen war“, sagt Julian schmunzelnd.

Auf der Homepage können Interessierte die Arbeit verfolgen

Die Freunde von Julian Weßel sind begeistert von seinen aufregenden Astrofotos, nehmen auch an den Exkursionen teil. „Sie sprechen mich an, finden die Bilder toll und wollen sie in ihr Zimmer hängen.“

Auf seiner Homepage können Interessierte seine Arbeiten verfolgen und sogar als Leinwanddrucke käuflich erwerben. Es gibt zudem spannende Videos auf der attraktiv gestalteten Seite, die komplett auf Englisch verfasst ist. Das macht Sinn, erklärt Julian Weßel, denn die Hälfte seiner Follower kommen beispielsweise aus Indien, wo es ein sehr starkes Interesse an der Astrofotografie gibt. Immerhin 1500 Besucher – bei steigender Zahl – informieren sich Monat für Monat auf seiner Homepage.

Aufwendiges Bearbeiten der Fotos

Das Bearbeiten der einzelnen Bilder am Rechner ist enorm aufwendig. Um gute Resultate zu erlangen, muss Julian Weßel „einige Tage“ daran arbeiten. „Ich versuche alle Informationen die der Chip hergibt herauszuholen.“ Dabei erfordern Galaxien und Planeten immer wieder unterschiedliche Arbeitsweisen. „Es hat Jahre gedauert, bis ich ein vernünftiges Arbeitsschema fand.“ Wobei die Beschäftigung mit der Astrofotografie durchaus hilfreich fürs Geophysik-Studium ist. „Ich kann mir vieles bildlicher vorstellen als meine Kommilitonen.“ Nicht nur kompliziert, auch schwer sind seine Geräte. Stativ, Teleskop, Kamera und Kabel – verpackt in großen Taschen – bringen es zusammen auf rund 45 Kilogramm. Zu schwer, um die Ausrüstung auf die Zugspitze zu tragen, die der 23-Jährige erst kürzlich in 13 Stunden erklettert hat. „Von dort oben würde ich gerne unser Universum fotografieren. Aber das geht nicht zu Fuß, nur per Seil- oder Zahnradbahn.“

Gut 1500 Besuche rufen im Monat seine Homepage auf

Die Freunde von Julian Weßel sind begeistert von seinen aufregenden Astrofotos, nehmen auch an den Exkursionen teil. „Sie sprechen mich an, finden die Bilder toll und wollen sie in ihr Zimmer hängen.“

Auf seiner Homepage können Interessierte seine Arbeiten verfolgen und sogar als Leinwanddrucke käuflich erwerben. Es gibt zudem spannende Videos auf der attraktiv gestalteten Seite, die komplett auf Englisch verfasst ist. Das macht Sinn, erklärt Julian Weßel, denn die Hälfte seiner Follower kommen beispielsweise aus Indien, wo es ein sehr starkes Interesse an der Astrofotografie gibt. Immerhin 1500 Besucher – bei steigender Zahl – informieren sich Monat für Monat auf seiner Homepage.

Aufwendiges Bearbeiten der Fotos

Das Bearbeiten der einzelnen Bilder am Rechner ist enorm aufwendig. Um gute Resultate zu erlangen, muss Julian Weßel „einige Tage“ daran arbeiten. „Ich versuche alle Informationen die der Chip hergibt herauszuholen.“ Dabei erfordern Galaxien und Planeten immer wieder unterschiedliche Arbeitsweisen. „Es hat Jahre gedauert, bis ich ein vernünftiges Arbeitsschema fand.“ Wobei die Beschäftigung mit der Astrofotografie durchaus hilfreich fürs Geophysik-Studium ist. „Ich kann mir vieles bildlicher vorstellen als meine Kommilitonen.“ Nicht nur kompliziert, auch schwer sind seine Geräte. Stativ, Teleskop, Kamera und Kabel – verpackt in großen Taschen – bringen es zusammen auf rund 45 Kilogramm. Zu schwer, um die Ausrüstung auf die Zugspitze zu tragen, die der 23-Jährige erst kürzlich in 13 Stunden erklettert hat. „Von dort oben würde ich gerne unser Universum fotografieren. Aber das geht nicht zu Fuß, nur per Seil- oder Zahnradbahn.“ Also, ein Blick in die Sterne lohnt sich: www.wastronomy.com