„Spinner“ - Rentner soll 300 Euro für Beleidigung zahlen

Ohne Gurt gefahren und erwischt worden: Wegen der Beledigung gegenüber dem Polizisten wurde die Angelegenheit für den Gladbecker Rentner aber viel teurer.
Ohne Gurt gefahren und erwischt worden: Wegen der Beledigung gegenüber dem Polizisten wurde die Angelegenheit für den Gladbecker Rentner aber viel teurer.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Weil er das nicht einsah, legte er Berufung gegen das Urteil des Amtsgerichts ein. Aber auch das blieb ohne Erfolg.

Gladbeck..  „Dann geh ich absitzen! Dann geh ich einen Monat ins Gefängnis. Ich hab viel Zeit“, grummelt der 69-jährige Gladbecker vor einer Essener Berufungskammer und macht ganz klar, als seine Berufung erfolglos bleibt: „Zahlen werde ich ganz bestimmt nicht!“

„Spinner“, hatte er einen Polizeibeamten genannt. Dafür soll er 300 Euro zahlen. So entschied das Gladbecker Amtsgericht am 6. Februar und verurteilte ihn wegen Beleidigung zu 30 Tagessätzen zu je 10 Euro. Das will er nicht und kann er wegen der schmalen Rente nicht zahlen, behauptet der Rentner und legte Berufung ein.

Ohne Anwalt macht er gestern seinen Standpunkt ganz deutlich. Allerdings ohne Erfolg. Die Kammer verwirft die Berufung.

„Das war Spinnerei, die Situation,“ dabei bleibt der 69-Jährige hartnäckig, der Polizist habe ihn provoziert. Am 16. Juni vergangenen Jahres war er von einer Polizeistreife angehalten worden, weil er während der Fahrt im PKW nicht angeschnallt gewesen sein soll. Das passte ihm gar nicht. „Das haben die aus der Entfernung gar nicht sehen können“, ist er heute noch sicher und nervte die Beamten mit lautem Protest. Die Überprüfung seiner Papiere soll dann zum großen Ärger des bislang in jeder Hinsicht unbescholtenen früheren LKW-Fahrers 20 Minuten gedauert haben. „Die haben die Papiere wohl auswendig gelernt“, vermutet er. Der Zorn wuchs, ein Wort gab das andere und gipfelte im „Spinner.“

„Man darf sich beschweren, aber nicht beleidigen“, belehrt Richter Volker Uhlenbrock. Ob der Beschuldigte nicht ‘mal an eine sachliche Reaktion gedacht habe, will er wissen. „Was soll der Mist, guter Mann“, hätte auch gereicht, so der Vorschlag des Richters.

„Das war ein Reflex“, erklärt der 69-Jährige immer wieder. Das sei ihm so rausgerutscht. So wirklich kann er den „Spinner“ aber offenbar nicht als Beleidigung ansehen. „Ich bin in einer Kolonie groß geworden und nicht auf dem Golfplatz oder im Theater“, sagt er. Wenn ich den Beamten hätte beleidigen wollen, da wär’ mir was ganz anderes eingefallen.“ Foto: Volker Herold