Sozialdezernent setzt auf Bürgernähe gegen Pegida-Parolen

Ein Montagabend in Dresden: oben der Demonstrationszug von Pegida, unten eine Sitzblockade von Gegendemonstranten.
Ein Montagabend in Dresden: oben der Demonstrationszug von Pegida, unten eine Sitzblockade von Gegendemonstranten.
Foto: imago/Hentschel
Was wir bereits wissen
Zum Wochenauftakt wird wieder eine fünfstellige Teilnehmerzahl bei der Pegida-Demo in Dresden erwartet. Die WAZ befragte Rainer Weichelt zu dem Thema.

Gladbeck..  „Fast jeder dritte Deutsche unterstützt Pegida-Proteste“ - dieser WAZ-Bericht vom 2. Januar fand viel Aufmerksamkeit in Stadt und Region. Dass Sympathie-Bekundungen für Pegida kein fernes Politik-Phänomen sind, mit dem Gladbeck nichts zu tun hat, zeigt auch eine Pressemitteilung der Unabhängigen Bürger Partei (UBP), die im Gladbecker Stadtrat mit einem Sitz vertreten ist und die bereits Mitte Dezember ihre Unterstützung für Pegida bekundete: „Die UBP unterstützt die friedliche Protestbewegung Pegida und wird sich künftig an den Treffen in der Region des Ruhrgebietes beteiligen.“

Gladbecks Sozialdezernent Rainer Weichelt unterstreicht mit Blick auf die aktuelle Diskussion um Pegida, dass es in Gladbeck seitens der Kommunalpolitik und Stadtverwaltung seit vielen Jahren einen fortlaufenden und engen Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern gebe. Er glaube nicht, so Weichelt im Gespräch mit der WAZ, dass Pegida-Positionen in Gladbeck in großem Stil auf fruchtbaren Boden fielen.

Weichelt weist auch auf die besondere Stadt- und Regionalgeschichte hin, die Gladbeck wie viele Kommunen in der Ruhr-Region auszeichne: „Wir sind gewohnt, dass der Kowalski neben uns wohnt, dass es über viele Jahrzehnte Einwanderung gab. Wir leben in einer Stadtgesellschaft mit über 100 Nationen.“

Nach seiner Beobachtung, so Weichelt weiter, finde Pegida in Nordrhein-Wesfalen insgesamt deutlich weniger Resonanz als etwa in Sachsen bzw. Dresden, wo seit Wochen an jedem Montagabend fünfstellige Teilnehmerzahlen bei den abendlichen Kundgebungen zu verzeichnen sind.

Weichelt sieht Moschee-Ansiedlung als gelungenes Beispiel für Dialog mit Bürgern

Weichelt weist auf die Diskussion vom Frühjahr 2014 zur Ansiedlung der Kulturverein-Moschee an der Haldenstraße in Rentfort hin. „Dort gab es eine Reihe von Bürgerversammlungen zu diesem Thema. Die Bedenken von Bürgern gegen die Neunutzung der Taubenhalle konnten auf diesem Weg angesprochen und letztendlich ausgeräumt werden.“ Heute habe der Kulturverein als Träger der Moschee ein ausgezeichnetes Verhältnis zu seiner Nachbarschaft im Stadtteil. Für den Dezernenten ein gelungenes Beispiel, dass sich bei einem intensiven Dialog solche Diskussionsprozesse auf einen guten Weg bringen lassen.

Weichelt ergänzt: „Dass Bundeskanzlerin Angela Merkel sagt, die Politik müsse mehr mit den Menschen sprechen und eine entsprechende Veranstaltungsreihe startet, finde ich richtig. Aber sie meint damit vor allem die Bundesebene. In der Kommunalpolitik ist dieser enge Kontakt zu den Menschen längst Tag für Tag gelebte Wirklichkeit - von den Ratsmitgliedern bis zur Verwaltungsspitze. Und das gilt ganz besonders für Gladbeck.“