Seniorin in Gladbeck entgeht mit Glück einer CO-Vergiftung

Schornsteinfegermeister Markus Augustin rät Menschen, die mit Kohle heizen, dringend, sich einen CO-Melder anzuschaffen.
Schornsteinfegermeister Markus Augustin rät Menschen, die mit Kohle heizen, dringend, sich einen CO-Melder anzuschaffen.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Glück hatte eine Seniorin aus Zweckel. Die Kohlendioxid-Konzentration in ihrer Wohnung stieg – ein CO-Melder weckte die Nachbarn. Das war die Rettung.

Gladbeck.. Nur knapp ist in der Nacht zum Dienstag eine Seniorin in ihrer Wohnung an der Händelstraße einer Kohlenmonoxid-Vergiftung entgangen. Die alte Dame hatte sogar doppeltes Glück: Sie schlief, wie immer, mit einer Sauerstoffmaske, und in der Nebenwohnung riss der CO-Melder die Familie aus dem Schlaf.

Der vierte Unfall in sechs Monaten

Es ist der vierte CO-Unfall in den vergangenen sechs Monaten, weiß Schornsteinfegermeister Markus Augustin. In diesem Fall ging es glimpflich aus, vor Wochen überlebten die schon bewusstlosen Hausbewohner nur, weil sie rechtzeitig in einer Überdruckkammer behandelt werden konnten. „Seit 33 Jahren arbeite ich als Schornsteinfeger und hatte nie etwas mit solchen Unfällen zu tun“, sagt Augustin. Die vier Fälle in der jüngsten Vergangenheit machen ihn deshalb skeptisch und nachdenklich.

Kohlenmonoxid entsteht bei unzureichender Verbrennung. „Möglicherweise ist die Kohle nicht mehr von gleich hoher Qualität wie früher, brennt also nicht so gut“, mutmaßt Augustin. In Gesprächen mit der RAG habe man ihm das zwar nicht bestätigt, immerhin aber bei einer betroffenen Familie den Kohlenbestand ausgetauscht. „Wenn die Temperatur des Abgases nicht hoch genug ist, reicht auch der Auftrieb, also die Thermik im Schornstein, nicht aus“, erklärt der Bezirksschornsteinfeger. Die Menschen, die mit Kohle heizen, „sind es von jeher gewöhnt, den Kokskessel oder den Ofen ganz vollzupacken. Dann reicht der Zug nicht aus, um die Kohle komplett durchbrennen zu lassen.“ Im Winter, bei niedrigen Außen- und hohen Innentemperaturen, sei das kein Problem, wohl aber in den Übergangszeiten, „und wenn die Kohle nicht so hochwertig ist“.

Durch undichte Fugen gelangte das Kohlenmonoxid auch in den Nachbarkeller

In der Wohnung der alten Dame in Zweckel gibt es noch eine ältere Anthrazitheizung (Kokskessel), die andere Haushälfte, in der eine Familie mit einem Kleinkind lebt, ist komplett renoviert und auch mit einer neuen Heizungsanlage – samt CO-Warngerät – ausgestattet worden. „Man kann in diesem Fall von Glück reden, dass das Kohlenmonoxid durch undichte Fugen in der Wand auch in den Nachbarkeller gelangt ist und dort das Warngerät ausgelöst hat“, sagt Markus Augustin.

Der 49-Jährige betreut ein Fünftel aller Haushalte, die noch mit Kohle heizen. Gemeinsam mit seinen Kollegen rührt er derzeit überall die Werbetrommel für die Anschaffung von CO-Meldern. Augustin: „Sie können Leben retten. Das Perfide an Kohlenmonoxid ist: Man reicht es nicht, sieht es nicht und schmeckt es nicht. Man schläft ein und wird nicht wieder wach.“