Seniorenzentrum fehlen Pflegekräfte - Bewohner verlegt

Im Cura-Seniorenzentrum an der Kolpingstraße herrscht akuter Personalmangel. Folge: Ein Wohnbereich wurde freigezogen.
Im Cura-Seniorenzentrum an der Kolpingstraße herrscht akuter Personalmangel. Folge: Ein Wohnbereich wurde freigezogen.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Akuter Pflegenotstand im Gladbecker Seniorenzentrum Cura. Viele Krankmeldungen. Anwalt des Betriebsrates spricht von Ängsten der Mitarbeiter.

Gladbeck.. Ein akuter Personalnotstand – etwa ein Drittel der Pflegekräfte fehlt – hat das Cura-Seniorenzentrum an der Kolpingstraße in Stadtmitte zu ungewöhnlichen Maßnahmen veranlasst: Bis auf weiteres werden keine Senioren mehr aufgenommen, außerdem sind einige „ausgewählte Bewohner“ umgezogen. Damit hofft das Haus, so Einrichtungsleiterin Anja Weber, den Senioren die gewohnte Pflege durch das verbliebene Stammpersonal zukommen lassen zu können.

Bislang reichte es, so Weber, in Absprache mit den betroffenen Senoren und deren Angehörigen, den Wohnbereich 5 frei- und die Bewohner in den vier anderen Wohnbereichen vorübergehend zusammenzuziehen. Die Pflege dort könne von dem reduzierten Personal gestemmt werden, erspare auch Wege. Nicht ausgeschlossen ist allerdings, dass Senioren auch in anderen der rund 50 Cura-Seniorenzentren untergebracht werden, wie es auf der Homepage von Cura heißt.

"Wir haben einen Aufnahmestopp verhängt"

Angedacht waren bereits zeitlich befristete Umzüge in die Häuser nach Gelsenkirchen, Essen oder Bad Sassendorf – „als eine Art Urlaub“, so Weber. „Bislang konnten wir das aber alles intern regeln.“ Derzeit sind auch nur 82 der 92 Heimplätze belegt, so Weber. „Wir haben einen Aufnahmestopp verhängt und insgesamt rechtzeitig gegengesteuert.“

Von den über 30 Mitarbeitern im Cura Gladbeck sind seit Mitte/Ende Juni acht Pflegefachkräfte sowie drei Pflegehilfskräfte erkrankt. Hinzu kommt die Freistellung von zwei Mitarbeitern als Folge eines arbeitsrechtlichen Streits (WAZ berichtete). Drei Zeitarbeitskräfte helfen derzeit aus. „Dass so viele krank sind, ist reiner Zufall“, so die Einrichtungsleiterin. Einen Zusammenhang mit den schwebenden Arbeitsgerichtsverfahren vermutet sie nicht. „Die haben alle einen ärztlichen Krankenschein.“

Auch für Rechtsanwalt Martin Löbbecke, der für den Betriebsrat von Cura Gladbeck spricht, ist der hohe Krankenstand keine bewusste Reaktion auf die juristische Auseinandersetzung. „Aber die Stimmung unter den Mitarbeitern bei Cura ist sehr schlecht, die Belegschaft fühlt sich unter Druck und lebt in Angst – Angst vor Repressalien und die Demontierung des Betriebsrates“, so der Rechtsanwalt.

"Enorme Leistungsverdichtung"

Ursache sei die permanent schlechte Personalausstattung in dem Haus, die zu einer „enormen Leistungsverdichtung“ geführt habe. Schon seit längerem, nicht erst seit dem akuten Notstand, setze Cura Zeitarbeitskräfte ein. „Der Betriebsrat forderte stattdessen seit langem zusätzlich feste Pflegekräfte.“ Denn die vorhandene Arbeit sei schon unter normalen Umständen nicht zu schaffen, so Löbbecke, das Personal dauerhaft überlastet. Der Rechtsanwalt kämpft seit Monaten gegen die Kündigung des Betriebsratsvorsitzenden und seiner Stellvertreterin kämpft.